Die Stadt der Jan-Philipp-Sendker-Fans

Der Autor stellte im Kulturforum seinen neuesten Roman «Am anderen Ende der Nacht» vor. Mit rund 300 Besuchern war die Veranstaltung ausverkauft.

Rita Kohn
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Autor Jan-Philipp Sendker entführt sein Publikum vor passender Kulisse nach China. Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Autor Jan-Philipp Sendker entführt sein Publikum vor passender Kulisse nach China. Bild: Reto Martin (Bild: Reto Martin (Reto Martin))

Ein Happy End gibt es nicht nur in Büchern. Das hat der Montagabend im Kulturforum Amriswil eindrücklich bewiesen. Es hätte eigentlich das Abschiedsgeschenk der Buchhändlerin Marianne Nagel an ihre ehemalige Kundschaft sein sollen: die Vernissage des neuesten Romans von Jan-Philipp Sendker. Die Wehmut auf allen Seiten war spürbar.

Dann aber hat der Bestseller-autor aus Berlin nicht nur das Geheimnis gelüftet, dass ein dritter Band nach «Das Herzenhören» und «Die Herzenstimmen» erscheinen wird, er hat auch gleich angedeutet, wo auch dann die Vernissage stattfinden wird. Dass die gut 300 Besucherinnen und Besucher das mit kräftigem Applaus quittierten, freute nicht nur den Autor, sondern rührte auch Marianne Nagel, die sichtlich mit der Fassung kämpfte.

Es wird viel mehr als bloss eine Lesung

Dass der Autor sein Publikum nicht nur schriftlich zu unterhalten weiss, ist in Amriswil bereits bekannt. Denn Jan-Philipp Sendker hat auch seine letzte Buch-vernissage im Oberthurgau gehalten. Entsprechend gross waren die Erwartungen an den Abend. Erwartungen, die nicht enttäuscht wurden. Jan-Philipp Sendker nahm sein Publikum mit auf eine höchst exotische Reise. Dabei waren es nicht vornehmlich die Textpassagen aus dem Buch, die dazu beitrugen, dass die Zuhörer viel über China erfuhren, sondern die lebhaften Schilderungen der Recherchen des ehemaligen Journalisten und heutigen Autors.

Es stand allerdings nicht nur China im Raum. Einem Raum übrigens, der liebevoll mit Bambus und chinesischen Lampen geschmückt war. Jan-Philipp Sendker erzählte dem gebannt lauschenden Publikum von seinen Träumen, seine Romane in den USA erscheinen zu lassen. Träume, die lange Zeit aussichtslos schienen. Erst das Wiedersehen mit einem Freund, der zufällig Beziehungen zu einem amerikanischen Kleinstverlag hatte, öffnete die verschlossenen Türen.

Heute sind von Sendkers Romanen schon über 500 000 in den USA abgesetzt worden. Mittlerweile gibt es Übersetzungen in 35 Sprachen. Besonders stolz ist Jan-Philipp Sendker darauf, dass sein erster Burma-Roman «Das Herzenhören» nun auch in Burmesisch übersetzt wurde. «Es beweist mir, dass ich mit meinen Recherchen nicht so falsch lag und dass ich die burmesische Kultur richtig beschrieben habe.» Hier schloss sich der Kreis zu seiner Neuerscheinung «Am anderen Ende der Nacht». Charmant und unterhaltsam schilderte Sendker, wie wichtig die Recherchen vor Ort sind – und dass sie in China einiges abverlangen.

Die erste Laudatio der Luzia Stettler

Eine Besonderheit erlebten die Gäste der Buchvernissage auch in anderer Hinsicht. Die Radiomoderatorin Luzia Stettler würdigte das Werk von Jan-Philipp Sendker auf eine sympathische Art. Sie verriet dem Publikum, dass sie noch nie eine Laudatio gehalten habe. Dass sie es dennoch bravourös schaffte, dem Autor und seiner Verbindung zu Amriswil gerecht zu werden, verwunderte jedoch kaum jemanden.

Auch die Moderation der kurzen Fragerunde nach der Lesung übernahm Luzia Stettler. Auf die aus dem Publikum stammenden Fragen antwortete der Autor mit grosser Offenheit. So wissen die Amriswiler nun, dass er für neue Romane auch neue Schauplätze wählen wird. Und eben auch, dass er wohl nicht das letzte Mal in Amriswil war.