«Die Solidarität hat funktioniert»

Der Kreuzlinger Stadtammann Andreas Netzle freut sich, dass die Stadt bereits zum drittenmal Ja gesagt hat zu einer südlichen Umfahrung. Jetzt will er mit dem Kanton die Projektierung der Spange Bätershausen in Angriff nehmen.

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Andreas Netzle Kreuzlinger Stadtammann (Bild: Quelle)

Andreas Netzle Kreuzlinger Stadtammann (Bild: Quelle)

Herr Netzle, was überwiegt am Tage nach der Abstimmung. Die Freude, dass die Oberlandstrasse angenommen wurde, oder dass die Gegner – wegen der Ablehnung ihrer Finanzierung – behaupten, das Thurgauervolk wolle sie gar nicht?

Andreas Netzle: Es war wichtig und es freut mich, dass das Thurgauervolk Ja zu beiden Strassen gesagt hat, die ja eng miteinander verbunden sind. Aus den beiden Abstimmungsergebnissen eine Ablehnung der OLS zu konstruieren, ist abwegig und rein spekulativ.

Sie haben am Sonntag gesagt, diese Auslegung sei tendenziös. Wie würden denn Sie dieses Nein interpretieren?

Netzle: Das Volk hat klar Ja zur BTS und zur OLS gesagt, aber Nein zur Erhöhung der Strassenverkehrsabgaben um zehn Prozent. Diese Form der Finanzierung hat dem Volk offenbar nicht gepasst. Jetzt muss der Kanton eine neue Finanzierung vorschlagen.

Warum denken Sie, haben sogar die Stimmenden in der Stadt Kreuzlingen die Finanzierung abgelehnt?

Netzle: Ich kann mir diese Inkonsequenz der Kreuzlinger Stimmbürger nicht erklären, allenfalls mit der Hoffnung, dass der Bund auch die OLS finanzieren wird.

Machen Sie sich Sorgen, dass der Kampf nun weitergeht, dass weiterhin an der OLS gerüttelt wird?

Netzle: Der Kanton hat klar geäussert, dass die OLS jetzt zusammen mit der BTS geplant und später gebaut wird. Es gibt keine weitere Grundsatzdiskussion über die OLS.

Kreuzlingen und Bottighofen sagen deutlich Ja, Münsterlingen, Altnau, Langrickenbach und Lengwil deutlich bis sehr deutlich Nein. Gibt es einen Stadt-Land-Konflikt innerhalb des Bezirks Kreuzlingen und wie gehen Sie mit dieser Situation um?

Netzle: Die Ablehnung in den genannten Gemeinden erfolgte meiner Ansicht nach nicht aus einer Aversion gegen die Stadt, sondern aus vielen, auch persönlichen Gründen in den Gemeinden. Vielleicht auch wegen der konkreten Linienführung. Ist es doch kaum anzunehmen, dass die Bevölkerung den erheblichen Mehrverkehr nach dem Bau der BTS mitten durch ihre Dörfer leiten wollen. Nachdem jetzt die Thurtalstrasse beschlossen ist, wird man auch in diesen Gemeinden den Nutzen der OLS erkennen.

Sie betonten im Abstimmungskampf immer wieder die Solidarität, welche Sie für die Stadt Kreuzlingen von den anderen Gemeinden erwarten. Ausser bei den vier direkt betroffenen Gemeinden hat das gut funktioniert im Bezirk Kreuzlingen. Sind Sie dahingehend zufrieden?

Netzle: Die Solidarität im Kanton hat unterschiedlich funktioniert, aber am Ende doch ausreichend. Das gilt auch für die Gemeinden im Westen unseres Bezirks, denen ich für ihre Haltung dankbar bin.

Nach dem Ja zu der Oberlandstrasse: Was bedeutet dieser Entscheid nun für die Spange Bätershausen?

Netzle: Nachdem die Kreuzlinger zum drittenmal Ja zu einer Umfahrungslösung im Süden gesagt haben – jedesmal mit grösserer Zustimmung –, nehmen wir jetzt zusammen mit dem Kanton die Projektierung der Spange Bätershausen in Angriff, die schon viel früher als die OLS eine Entlastung in der Stadt bringen wird.

Gibt es für dieses Projekt schon einen Fahrplan oder einen Zeithorizont?

Netzle: Nein. Wir werden nächstens mit dem Kantonsingenieur das weitere Vorgehen und die Termine besprechen.

Erwarten Sie bei diesem Strassenprojekt ähnlich harte Fronten, wie sie es in den vergangenen Monaten bei der Oberlandstrasse gegeben hat?

Netzle: Es werden sich wieder die gleichen Lager bilden, davon müssen wir ausgehen. Mit einer Zustimmung der Kreuzlinger Stimmbevölkerung ist deshalb zu rechnen.

Interview: Urs Brüschweiler