Die Segischiffe sind verrottet

Kümmerliches Ende für fischereigeschichtliche Zeitzeugen in Ermatingen: Weil das Geld fehlte, um drei alte Segischiffe am Horn zu erhalten, sind sie zerfallen. Jetzt sucht die Gemeinde nach einem Abnehmer. Andernfalls werden sie entsorgt.

Annina Flaig
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«Der Anblick macht mich traurig»: Ulrich Spreiter mit den beiden alten Segi-Fischerschiffen Eva (oben) und Mäcky (unten). (Bild: Donato Caspari)

«Der Anblick macht mich traurig»: Ulrich Spreiter mit den beiden alten Segi-Fischerschiffen Eva (oben) und Mäcky (unten). (Bild: Donato Caspari)

ERMATINGEN. Die Gemeinde Ermatingen hat zwei Schiffe zu verschenken. Sie heissen Eva und Mäcky und sind an die 70 Jahre alt. Zusammen mit einem dritten historischen Schiff namens Hecht waren sie lange Zeit am Horn in Ermatingen aufgestellt. Als letzte erhaltene Segi-Fischerschiffe erinnerten sie dort an die traditionelle alte Fischereiart in Ermatingen (siehe Kasten). Wind und Wetter haben den Schiffen aber dermassen zugesetzt, dass sie kein schönes Bild mehr abgaben. Deshalb wurden sie in die Deponie in Höhnwilen gebracht. «Hecht ist beim Transport auseinandergefallen. Wir haben ihn direkt entsorgt», sagt Hans Seger, Leiter des Bauamts Ermatingen. Übrig geblieben sind Eva und Mäcky. Sie serbeln in Höhnwilen vor sich hin. Wenn sie keiner will, werden sie Anfang Jahr entsorgt.

Verein wollte Wetterschutz

«Der Anblick macht mich traurig», sagt Ulrich Spreiter. Er wirkt niedergeschlagen, als er diese Woche die Schiffe in der Deponie betrachtet. Jahre lang hat er sich für den Schutz der Zeitzeugen eingesetzt. Spreiter ist Präsident des Vereins für ein Bodensee-Fischereimuseum Ermatingen. Sein Verein hatte das Schiff Eva via Leihvertrag über Jahre hinweg von der Gemeinde Ermatingen übernommen und vor längerer Zeit renoviert. Das andere Schiff, Mäcky, gehört dem Tourismusverein Ermatingen. Deren Präsident ist ebenfalls Ulrich Spreiter. «Schade, dass es uns nicht gelungen ist, diese Schiffe zu erhalten», sagt er. Unter Spreiter hat sich der Verein für ein Bodensee-Fischereimuseum Ermatingen lange bemüht, die drei historischen Schiffe mit einem Pavillon vor dem Zerfall zu schützen.

Das Geld hat gefehlt

Obwohl der Verein, die Gemeinde und die Stiftung Läufli je einen Beitrag von rund 40 000 Franken zugesichert hatten, war die Überdachung nicht finanzierbar. Es wurde mit Kosten von rund 200 000 Franken gerechnet. Einen schalen Beigeschmack könnte die Geschichte für einige gehabt haben, zumal der Pavillon von der Firma Spreiterarchitekten GmbH hätte realisiert werden sollen, dem Architekturbüro von Ulrich und Samuel Spreiter. Spreiter ist sich dessen bewusst. Er sagt aber: «Wer hätte es denn sonst machen sollen? Leider ist es mir nie gelungen, genügend Leute zu motivieren.» So wurde der Pavillon nie gebaut. Jetzt scheint es zu spät zu sein. Eva zerbröckelt fast, als Spreiter sich über das Schiff lehnt.

Wepfer will die Schiffe retten

Die desolaten Schiffe will offenbar keiner haben – ausser Hans-Ulrich Wepfer. Der Gründervater des Seemuseums Kreuzlingen hat die Segi-Fischerei noch erlebt, als er 1961 als Sekundarlehrer nach Ermatingen kam. Den 77-Jährigen lässt das Schicksal der Zeitzeugen aus der Segi-Fischerei nicht kalt. «Ich versuche Eva und Mäcky noch zu retten», sagt er. Im Seemuseum hat es für die beiden zehn und elf Meter langen Schiffe jedoch keinen Platz. Deshalb ist er auf der Suche nach einer Halle, wo er die Schiffe einstellen könnte.