Die Schule soll im Dorf bleiben

NEUKIRCH-EGNACH. Die Schliessung des Schulhauses Ringenzeichen haben die Gegner des Vorhabens erfolgreich abgewendet. Doch nun müssen die Schüler am anderen Ende des Dorfes die Konsequenzen tragen.

Michèle Vaterlaus
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Stéphane Schmidt und Ronny Schwendener wollen, dass ihre Kinder in Steinebrunn zur Schule gehen. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Stéphane Schmidt und Ronny Schwendener wollen, dass ihre Kinder in Steinebrunn zur Schule gehen. (Bild: Michèle Vaterlaus)

Des einen Freud ist des andern Leid: Im letzten Herbst wehrten sich die Anwohner im Weiler Ringenzeichen gegen die Schliessung des Schulhauses Ringenzeichen. Damit die Klassen in der Gemeinde Egnach im nächsten Schuljahr aber alle eine ausreichende Grösse haben, müssen nun in der Konsequenz die Schüler umverteilt werden. Zum Unmut der Eltern jener Kinder, die das Schulhaus am anderen Dorfende in Steinebrunn besuchen. Denn statt jene von Ringenzeichen sollen ihre Kinder Schulwege von bis zu 2,5 Kilometer entlang der Hauptstrasse in Kauf nehmen. «Zu lang und zu gefährlich für Unterstufenschüler», findet Stéphane Schmidt. Er hat mit Ronny Schwendener und weiteren Eltern die IG Schule im Dorf gegründet. Sie sammeln Unterschriften für eine Petition, mit der sie sich gegen die Umverteilung, zumindest für das kommende Schuljahr, wehren.

Nicht gegen die Behörde

«Wir wollen nicht gegen die Schulbehörde arbeiten», betont Schwendener. Die IG wolle lediglich helfen, den Volkswillen richtig zu interpretieren. Damit spricht er die Umfrage an, welche die Schulbehörde im letzten November durchführte, nachdem sich grosser Widerstand gegen die Schliessung von Ringenzeichen geregt hatte. Die Behörde befragte die Stimmbürger und diese sprachen sich gegen die Schliessung aus. «Wir interpretieren das Ergebnis so, dass sich die Egnacher allgemein für den Erhalt der Schulhäuser im Dorf ausgesprochen haben», sagt Schwendener, «und dass die Egnacher dafür auch Mehrkosten beispielsweise in Form einer Steuererhöhung in Kauf nehmen.» In einer Petition verlangt die IG, dass es für das Schuljahr 2015/16 keine unfreiwillige Umverteilung der Schüler gibt. Die Behörde soll zudem an der Schulgemeindeversammlung Ende Mai die effektiven Mehrkosten vorlegen. An der Versammlung im Dezember soll sie die Gesamtsituation aufarbeiten und den Bürgern eine langfristige Strategie präsentieren.

Die Folgen kommuniziert

Die Schulbehörde zeigt auf der einen Seite Verständnis für die Anliegen der IG. Gerade in einer weitläufigen Gemeinde wie Egnach gebe es Kinder mit langen Schulwegen. «Die Zumutbarkeit des Weges ist zu beurteilen», sagt Schulpräsidentin Katrin Bressan. Dazu gehören Länge, Höhenunterschied, Sicherheit des Weges und individuelle Aspekte des Kindes. «Härtefälle werden geprüft und nach Möglichkeit vermieden.»

Auf der anderen Seite hat sie aber kein Verständnis für die Reaktion. Die Behörde habe vor den Konsequenzen gewarnt, welche der Weiterbetrieb von «Ringenzeichen» bringen würde. Im unmittelbaren Umfeld des Schulhauses hat es nicht genug Kinder, um es längerfristig zu betreiben. «Wir haben an einer Informationsveranstaltung und in der Botschaft zur Umfrage deutlich kommuniziert, dass dies Umverteilungen von Kindern aus anderen Schulhäusern, unter anderem aus Steinebrunn zur Folge haben wird», sagt Bressan. Die Behörde sei deshalb etwas irritiert, dass sich die Gegenbewegung erst jetzt und nicht schon damals bemerkbar machte. Die Behörde hält an Umverteilungen fest.

Über 200 Unterschriften

Die IG Schule im Dorf gibt es erst seit drei Tagen. «Wir zählen bereits 50 Mitglieder und haben über 200 Unterschriften gesammelt», sagt Schwendener. Zum Vergleich: Die IG Ringenzeichen überreichte 360 Unterschriften, die sie in rund einem Monat gesammelt hatte. «Unsere Petition habe Eltern unterschrieben, deren Kinder möglicherweise von der Umverteilung betroffen sind», sagt Schwendener weiter. «Aber auch Sympathisanten und Personen, die der IG Ringenzeichen angehören, haben unterzeichnet.» Er und Schmidt sind überzeugt: Auch wenn der Erfolg der einen zum Nachteil der anderen ist, das Ziel beider Interessengemeinschaften ist im Prinzip dasselbe: «Wir wollen die Schule im Dorf behalten.»

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