Die Schule entwickelt sich weiter

Die neuen Medien verändern das Lernen. Das hat auch Folgen für die Lehrer. Das sechste Bildungsforum Romanshorn setzte sich mit diesem Thema auseinander. Moderator war Fernsehmann Kurt Aeschbacher.

Markus Bösch
Drucken
Teilen
Moderator Kurt Aeschbacher im Gespräch mit André Stern. (Bild: Markus Bösch)

Moderator Kurt Aeschbacher im Gespräch mit André Stern. (Bild: Markus Bösch)

ROMANSHORN. Neue Medien werden künftig das Lernen prägen. Und das Lernen wird dadurch individueller, selbstorganisierter und im eigenen Tempo stattfinden. Die neuen Medien waren Thema am sechsten Bildungsforum in Romanshorn. Mehrere hundert Lehrpersonen und Schulverantwortliche besuchten dieses gestern Freitag.

Es diskutierten und referierten Pädagogikprofessor Jürgen Oelkers, Zukunftsforscher Georges Roos, Medienpädagoge Thomas Merz-Abt und Freibildungsexperte André Stern. Moderiert wurde der Anlass von Fernsehmann Kurt Aeschbacher.

Freier, schneller, überall

«In einer globalisierten Welt ist Bildung matchentscheidend», sagte Georges Roos. Beschleunigung sei ein zentraler Faktor. Es müsse deshalb gefragt werden, wie schnell sich die Schule verändern soll. «Inmitten der Virtualisierung des Wissens braucht es zwar weiterhin Urteilsvermögen und Selbstkompetenz, aber weniger Schulbücher.» Exemplarisches Lernen werde an Bedeutung gewinnen. Und nicht zuletzt bedeute die Ökonomisierung, dass mehr in Beziehungen und Selbstkompetenz investiert wird.

Zwei Welten trennen

Jürgen Oelkers streifte zuerst historische, dann gegenwärtige Kritik an der Schule, um festzustellen: «Das System Schule entwickelt sich weiter. Die laufende und künftige Internetrevolution wird sie nicht ersetzen, aber verändern.» Seine Prognose: «Das Lernen wird selbstorganisiert und im eigenen Tempo stattfinden.» Das Lernen vor Ort – also die Selbstinstruktion als Bildungsbereich – werde zunehmen. «Und all dies wird und muss Folgen haben, auch für die Lehrerbildung.»

Thomas Merz-Abt, Medienpädagoge und Prorektor an der Pädagogischen Hochschule Thurgau, thematisierte die Verschmelzung der physischen und virtuellen Realitäten. «Das <alles-überall-sofort> ist eine grosse Herausforderung.» In dieser Entwicklung sei der Kontakt mit der realen Welt wichtig. Ebenso die Frage nach dem Sinn des Wissens und letztlich die Feststellung: «Ich weiss, was ich lernen will und warum.»

Nie zur Schule gegangen

Einen überraschenden Schlusspunkt setzte André Stern. Er ist nie zur Schule gegangen. «Das Entscheidende ist, vom Kind auszugehen, ohne Plan und Erwartungen», sagte er. Denn Kinder seien unerwartet. Laut Hirnforschern bringen Kinder alles auf die Welt, was es braucht. Sie haben die Fähigkeiten, zu spielen, sie sind offen, neugierig und begeisterungsfähig. «Meine Eltern haben sich für die spontane Entwicklung entschieden.»

Aktuelle Nachrichten