Die Saurer-Geschichte von Eugensberg

SALENSTEIN. Der Besitzer von Schloss Eugensberg stand zwei Wochen vor Gericht – der Erb-Prozess. Weniger bekannt ist das herrschaftliche Anwesen als Wohnsitz der Unternehmerfamilie Hippolyt Saurer-Hegner aus Arbon.

Hans Geisser
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Von der Sonne beschienen: Schloss Eugensberg im Jahr 1936. (Bild: pd/Max Burkhardt)

Von der Sonne beschienen: Schloss Eugensberg im Jahr 1936. (Bild: pd/Max Burkhardt)

Bauherr der ursprünglichen Anlage im Jahre 1820 war Eugène de Beauharnais, Stiefsohn Napoléons I. 1915 erwirbt Hippolyt Saurer das Schloss Eugensberg, den stattlichen Gutshof sowie die spärlichen Ruinen der mittelalterlichen Burg «Sandegg» von einer deutschen Prinzessin. Schlosspark, Wiesen, Ackerland, Obstanlagen und Wald umfassen eine Fläche von 66 Hektaren; das ist in etwa die Grösse von 95 Fussballfeldern. Hippolyt lebte zu dieser Zeit in der von Vater Adolph Saurer 1899 nach Plänen seines «Hofarchitekten» Wendelin Heene erbauten Villa «In den Reben» (Arbon, Berglistrasse 11). Es war ein standesgemässes Anwesen.

Anbau von Seitenflügel

Die Mittel des wohlhabenden Unternehmers und Mitinhabers der Arboner Weltfirma erlauben diesem die Restaurierung der Gebäude in Salenstein, die künstlerische Ausstattung der Räume im Empirestil des frühen 19. Jahrhunderts, den Anbau der Seitenflügel, der Parkanlage und den Neubau des Pachthofes.

Mit Gattin Sina und Tochter Anita wohnt Hyppolyt Saurer fortan im Schloss. Hier empfangen sie ihren Freundeskreis, Künstler, Politiker und Diplomaten. Und hier finden auch Kaderkonferenzen und wichtige Verkaufsverhandlungen statt, wenn sich Hippolyt von seinen zahlreichen Spitalaufenthalten zu erholen sucht.

Stille um Eugensberg

Nach dem frühen Hinschied Hippolyts (1878–1936) wird es still auf dem Eugensberg. In Erinnerung an ihren Gatten überführt Sina Saurer 1939 das Anwesen für einen bescheidenen Betrag in die «Hippolyt Saurer Stiftung». Das Schloss mit allen Möbeln und Kunstwerken sowie die weitläufige Parkanlage sind nun der Öffentlichkeit zugänglich. Als neuen Wohnsitz für sich und ihre Haushälterin baut Sina in Morschach ein geräumiges Chalet.

Kein guter Stern

Die Stiftung Eugensberg steht unter keinem guten Stern. Der Zweite Weltkrieg verhindert den erhofften touristischen Erfolg. Die bescheidenen Einnahmen vermögen die Unterhaltskosten nicht zu decken. Das Angebot des Stiftungsrates zur Übernahme durch den Kanton Thurgau schlägt der Regierungsrat aus. Erneut wird Sina Saurer Schlossbesitzerin. 1948 verkauft sie die gesamte Anlage dem «Diakonieverband Ländli» in Oberägeri. Eugensberg dient nun bis zur Stilllegung im Jahre 1988 als Erholungs- und Ferienheim für bedürftige Betagte und Kriegswitwen aus Deutschland.

Dann bahnt sich erneut ein Verkauf an. Per Inserat in der NZZ sieht sich der Diakonieverband 1990 nach einem «kapitalkräftigen Schlossherrn» um. Er findet ihn in der Unternehmerfamilie Erb aus Winterthur. Seit damals ist das Schloss nicht mehr zugänglich. Heute verdecken meterhohe Hecken und Zäune die Sicht aufs Gebäude. Nach der kapitalen Pleite der Erb-Gruppe und vor Prozessende sieht die Zukunft von Schloss Eugensberg wieder ein wenig ungewiss aus.

Innenansicht: Gobelin im herrschaftlichen Zimmer (1936). (Bild: pd)

Innenansicht: Gobelin im herrschaftlichen Zimmer (1936). (Bild: pd)

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