Die Riesenlady schwimmt

BOTTIGHOFEN. Holger Thaa hat seinen Traum verwirklicht. Sein Segelschiff, an dem er 23 Jahre gebaut hat, ist eingewassert. Der Transport von Illighausen zum Bottighofer Hafen dauerte eine ganze Nacht.

Daniela Ebinger
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Noch ohne Mast: Das Lebenswerk von Holger Thaa, ein 20 Meter langes Segelschiff Marke Eigenbau, wurde unter den Augen von einigen Schaulustigen am Dienstagmorgen in Bottighofen dem See übergeben. (Bilder: Daniela Ebinger)

Noch ohne Mast: Das Lebenswerk von Holger Thaa, ein 20 Meter langes Segelschiff Marke Eigenbau, wurde unter den Augen von einigen Schaulustigen am Dienstagmorgen in Bottighofen dem See übergeben. (Bilder: Daniela Ebinger)

Bottighofen. Der schwarze Kiel taucht langsam ins Wasser. Der Kran am Bottighofer Hafen hievt das Schiff von Holger Thaa vom Schwertransporter in den See. Morgens um sieben Uhr verfolgen viele Schaulustige die Szenerie. Angespannt ist auch der Erbauer der 20-Meter-Yacht. 23 Jahre hat Holger Thaa an ihr gearbeitet und auf den Moment gewartet, bis sie im Wasser liegt. Seit Tagen und Wochen und bis zum letzten Moment treibt ihn die grosse Frage um: «Schwimmt sie oder schwimmt sie nicht.» Immer mehr verschwindet der Rumpf des Segelschiffs, dessen Name bis zur Taufe noch geheim bleibt, im Hafenbecken.

Ein prächtiges Hinterteil

Dann endlich schwimmt die Riesenlady. Mit ihren 35 Tonnen liege sie perfekt im Wasser, findet Holger Thaa und ist erleichtert. Ein spektakulärer und sehr emotionaler Moment für ihn und seine ganze Familie.

Das Gewicht seines Schiffs kannte Holger Thaa selbst nicht, bis zum Schwertransport in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. «Sie hät en geile Arsch, aber sie isch eifach z schwär», entwischte es ihm, als er sein Lebenswerk zum ersten Mal am Kran hängend in voller Pracht betrachten konnte. Das war am Dienstag, als das Schiff mit einem grossen Pneukran aus der Scheune in Illighausen gehoben und für den Transport bereitgestellt wurde.

Nie das ganze Schiff gesehen

Der Schiffsbauer hat während all den vielen Jahren, in denen sein Schiff in der Werkstatt entstand, nie mehr als ein paar Meter seines Werks gesehen. Es war permanent mit einer riesigen Blache bedeckt und so vor Staub geschützt. «Als die Blache weg war, kam sie mir erstaunlich klein vor», beschreibt Thaa seinen ersten Eindruck.

Die Freizeit von Jahrzehnten

Er investierte für seinen Bubentraum seine ganze Freizeit und einen Grossteil seiner finanziellen Mittel. Und auch die Familie musste ihren Vater und Ehemann unzählige Stunden entbehren. Sein 80jähriger Vater Klaus und der Eigentümer der Scheune, Roger Häberlin, standen dem Hobbyschiffsbauer immer tatkräftig zur Seite. Die letzten vier Wochen vor der Einwasserung erlebte Thaas Familie als einen grossen Wellengang der Gefühle. «Die Zeit raste uns davon, und bis zur letzten Minute war nichts so, wie es sein sollte. Das zerrte an den Nerven von uns allen.»

23 Jahre hat der Lehrer an der Sekundarschule in Kreuzlingen an seinem Bubentraum in der Scheune in Illighausen gearbeitet und dabei nie ans Aufgeben gedacht. Es sei für ihn auch immer ein guter Ausgleich zum Beruf gewesen.

Fragen und Probleme

Fragen und Probleme tauchten immer wieder auf. «Fragen sind zum Beantworten da und Probleme zum Lösen, und so ging es immer irgendwie weiter», erzählt Thaa. Die riesigen Ausmasse und das Gewicht – sein Segelschiff wird das grösste sein im Bodensee – waren für den Eigenbauer nur einige der Herausforderungen beim Bau.

Dann am Dienstag war es so weit: Um das Schiff aus der Scheune zu bekommen, musste das Dach der Halle abgedeckt werden. Ein 300-Tonnen-Kran hob die fünfeinhalb Meter breite Yacht heraus. Um elf Uhr abends fuhr der Schwertransport mit dem auf einer Kesselbrücke liegenden Schiff in Richtung Bottighofen los. Die Kantonspolizei Thurgau gewährte dabei den obligatorischen Begleitschutz. Das Team der Firma Bollhalder AG aus Weinfelden meisterte den Transport ohne grössere Probleme, obwohl manchmal bis auf den Millimeter gezielt werden musste. Beim Bahnübergang in Bottighofen musste die Karawane warten, bis der letzte Zug passiert war. Erst danach konnte der Strom in den Oberleitungen abgeschaltet werden und das Schiff passieren. Gegen drei Uhr früh stand das Schiff dann am Bottighofer Hafen.

Der Mast fehlt noch

Langweilig wird es dem Schiffsbauer in nächster Zeit bestimmt nicht. Damit seine Lady auf dem Bodensee als Segelschiff über die Wellen gleiten kann, muss Thaa erst noch den 25 Meter hohen Mast anpassen und installieren. Auch sind etliche Detailarbeiten und Innendekorationen noch nicht ganz fertig.

In nächster Zeit will er es sich aber nicht nehmen lassen, den Bodensee auf seinem Schiff zu geniessen und dabei von den Weltmeeren zu träumen.

Freude und Stolz: Holger Thaa und sein Vater.

Freude und Stolz: Holger Thaa und sein Vater.

Knapp passte das Schiff unter der Bahn-Oberleitung durch.

Knapp passte das Schiff unter der Bahn-Oberleitung durch.

Einige Stunden war der Schwertransport in der Nacht unterwegs.

Einige Stunden war der Schwertransport in der Nacht unterwegs.

Ein Blick ins Badezimmer der Yacht.

Ein Blick ins Badezimmer der Yacht.

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