Die richtige Führung ist das A und O

RMATINGEN. Im Unternehmerforum Lilienberg treffen sich zu Jahresbeginn die Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung zum Behörden-Apéro des Arbeitgeberverbandes Kreuzlingen und Umgebung. Thema bei den Netzwerkgesprächen: Wie führt ein Chef am besten?

Urs Brüschweiler
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Der Bottighofer Unternehmer Rainer Sigrist und der Kreuzlinger Stadtrat Thomas Beringer.

Der Bottighofer Unternehmer Rainer Sigrist und der Kreuzlinger Stadtrat Thomas Beringer.

ESein Führungsstil ist unzimperlich. Der neue Chef der Kreuzlinger GDELS-Mowag, Oliver Dürr, macht keinen Hehl daraus, dass er für klare und direkte Worte steht. Entsprechend kurzweilig war denn auch sein Referat vor den 220 Gästen am Behörden-Apéro am Donnerstagabend. Sein «Helvetisierungs-Programm» sieht unter anderem vor, dass er konsequent schweizerdeutsch spricht und die Mowag prinzipiell keine Geschäftsessen in Deutschland durchführt. Dürr berichtete, dass ihn die Angriffe der «Pistoleros aus dem Nationalrat» auf den Duro-Auftrag sehr aufgebracht hätten. Auch Ständerätin Brigitte Häberli hatte zuvor schon ausgeführt, dass sie in Bern für den Grossauftrag der Schweizer Armee an die Mowag gekämpft habe. «Es war ein Krampf manchmal.» Oliver Dürr störte am meisten, dass es ihm verboten war, sich öffentlich zu wehren.

AGV-Präsident Jürg Kocherhans – der sich in seiner lebendigen Begrüssungsrede als grosser Fan von Angela Merkel outete – lobte ebenfalls Dürrs innovative und nach Erfolg strebende Art der Unternehmensführung.

Zu seinen Fehlern stehen

Inspiriert vom Gehörten, befragte die TZ beim anschliessenden Apéro einige Spitzenkräfte zu ihren persönlichen Führungsstilen. Reto Rutz bevorzugt eine partizipative Art, mit seinen Mitarbeitern umzugehen. Der Personalleiter der Bernina in Steckborn findet, man müsse ihnen möglichst viel Eigenverantwortung ermöglichen. «Aber wenn nötig, muss man klare Entscheidungen fällen.» «Vorausschauend und begleitend» sind für Seraina Perini Allemann von der Sekundarschulbehörde Kreuzlingen die wichtigsten Kriterien. Hans Feuz, der Gemeindepräsident von Altnau, erteilt seine Anweisungen offen und direkt, passt sie aber auch situativ an den Empfänger an. «Und wenn dir ein Fehler passiert – so wie mir kürzlich –, dann musst du dazu stehen.» Reto Rutz setzte diesen Tip sogleich um und gestand ein, dass er bei der Wahl des Apéro-Häppchens gerade einen Fehlgriff getätigt hatte.

Susanne Burgmer, Finanzchefin der Schule Kreuzlingen, steht einem kleinen Team vor. «Man muss alle mit einbeziehen, das ist das A und O.» Jesus Joga, Geschäftsführer der Amag Kreuzlingen, fällt seine Entscheidungen möglichst transparent gegenüber seinen 55 Mitarbeitern. Und Attila Wohlrab, Inhaber der Immokanzlei, beschreibt seinen Führungsstil als «direkt und hart, aber fair».

Thomas Beringer mag den militärischen Stil nicht. Er leitet gleich zwei verschiedene Teams. Als Kreuzlinger Stadtrat ist es ihm wichtig, dass er die Arbeiten selber kennt, die seine Mitarbeiter bei den Technischen Betrieben erledigen. «Ich weiss, was es heisst, unten im Graben zu stehen.» Sein Unterhaltungselektronik-Fachgeschäft führt er als Familienunternehmen kollegial und familiär. Unternehmer Rainer Sigrist sammelte schon viel Führungserfahrung. Er hat gleich eine ganze Philosophie parat: «Blue Collar» (Leute im Übergwändli) muss man mit mehr Einfühlungsvermögen anleiten, als «White Collar» (Leute im weissen Hemd). Letztere haben von ihm harte, kurze Anweisungen zu erwarten.

«Man muss Menschen mögen»

«Authentisch muss man sein», findet Urs Alig, Chef des kantonalen Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee. Sein Leitsatz bezieht sich auf vier M: «Man muss Menschen mögen.» Petra Kuhn, neue Wäldemer Gemeinderätin und dort zuständig für die Feuerwehr, musste als junge Frau erst beweisen, was sie kann. Mittlerweile ist sie gut akzeptiert. Weil sie eben kein «Wischiwaschi» erzähle, sondern klare Leitplanken definiere.

Urs Alig, Chef des Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee beim Kanton Thurgau, und die Wäldemer Gemeinderätin Petra Kuhn.

Urs Alig, Chef des Amtes für Bevölkerungsschutz und Armee beim Kanton Thurgau, und die Wäldemer Gemeinderätin Petra Kuhn.

Mowag-CEO Oliver Dürr, Ständerätin Brigitte Häberli, Arbeitgeberpräsident Jürg Kocherhans und AGV-Sekretär Fabian Kapfhamer.

Mowag-CEO Oliver Dürr, Ständerätin Brigitte Häberli, Arbeitgeberpräsident Jürg Kocherhans und AGV-Sekretär Fabian Kapfhamer.

Reto Rutz, Personalleiter Bernina, Seraina Perini, Sekundarschulbehörde Kreuzlingen, und Hans Feuz, Altnauer Gemeindepräsident. (Bilder: Urs Brüschweiler)

Reto Rutz, Personalleiter Bernina, Seraina Perini, Sekundarschulbehörde Kreuzlingen, und Hans Feuz, Altnauer Gemeindepräsident. (Bilder: Urs Brüschweiler)

Amag-Geschäftsführer Jesus Joga, Susanne Burgmer, Finanzchefin der Kreuzlinger Schule, und Immokanzlei-Inhaber Attila Wohlrab.

Amag-Geschäftsführer Jesus Joga, Susanne Burgmer, Finanzchefin der Kreuzlinger Schule, und Immokanzlei-Inhaber Attila Wohlrab.

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