Die Rechnung der Gemeinde

Nachdem die 1.-April-Gruppe die Infotafeln überklebt hatte, dachte die Gemeinde daran, alle Frontscheiben zu ersetzen. Davon nimmt sie nun Abstand. Ungeschoren kommen die Scherzbolde aber nicht davon: Sie müssen 450 Franken zahlen.

Daniel Walt
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Elektrische Infotafeln: Die Gemeinde belastet der 1.-April-Gruppe die Aufwendungen von Werkhof und Verwaltung in der Angelegenheit. (Bild: Daniel Walt)

Elektrische Infotafeln: Die Gemeinde belastet der 1.-April-Gruppe die Aufwendungen von Werkhof und Verwaltung in der Angelegenheit. (Bild: Daniel Walt)

Gestern morgen zahlte Manuel Bilgeri, einer der beiden Köpfe der 1.-April-Gruppe, 450 Franken ein. Empfängerin des Betrags: die Gemeinde. Das Geld deckt die sechs Stunden Arbeitsaufwand ab, welche für Werkhof und Verwaltung wegen eines 1.-April-Scherzes mit den elektronischen Infotafeln anfielen. Die Gruppe hatte diese mit der Meldung überklebt, Hannibal Gadhafi komme auf Staatsbesuch nach Romanshorn, worauf die Gemeinde Klebrückstände monierte (das Tagblatt berichtete).

«Merkwürdig und übertrieben»

«Wir wollen einen Schlussstrich unter die Angelegenheit ziehen. Obwohl wir die ganze anfängliche Hysterie der Gemeinde um das Thema nach wie vor merkwürdig und übertrieben finden», sagt Manuel Bilgeri. Hintergrund: Kurz nach dem Scherz hatte die Gemeinde eine Pressemitteilung veröffentlicht. Es zeichne sich ab, dass aufgrund der Klebrückstände die Frontscheiben sämtlicher fünf Anzeigetafeln ersetzt werden müssten, teilte sie damals mit. Dafür sowie für den Aufwand von Werkhof, Gemeindeverwaltung und Signal AG werde der 1.

-April-Gruppe Rechnung gestellt. «Nach einer Putzaktion unsererseits war dann mündlich plötzlich nur noch von zwei Tafeln die Rede, die voraussichtlich ersetzt werden müssten», blickt Manuel Bilgeri zurück.

Vorbehalt nicht akzeptiert

Vor wenigen Tagen erhielten Manuel Bilgeri und sein Kollege Michael Helg nun schriftlich Bescheid von der Gemeinde. Sie stellte der 1.

-April-Gruppe 450 Franken für den Arbeitsaufwand von Werkhof und Verwaltung in Rechnung. Auf einen Ersatz der Frontscheiben verzichte sie zum heutigen Zeitpunkt. Sie behielt sich jedoch vor, bei der Feststellung von allfälligen Spätschäden noch einmal auf Bilgeri und Helg zuzukommen. Dagegen wehrten sich die beiden sofort schriftlich. «Entweder ist ein Schaden durch uns entstanden oder nicht.

Wenn ein Schaden entstanden ist, muss das sichtbar sein und kann dann auch in Rechnung gestellt werden. Aber dann interessieren allfällige Spätfolgen auch niemanden», schrieb Manuel Bilgeri der Gemeinde. Das Akzeptieren einer Zusatzklausel wäre laut Bilgeri gleichbedeutend mit einem Blindflug gewesen: «Materialfehler oder andere Dinge könnten ja genauso gut für Spätfolgen verantwortlich sein wie unsere Aktion», sagt er. Die Reaktion der Gemeinde folgte prompt: Sie zeigte sich bereit, auf die Zusatzklausel zu verzichten.

«Wollte wohl kein böses Blut»

Für Manuel Bilgeri ist klar: Die vielen für die 1.-April-Gruppe positiven Reaktionen aus der Bevölkerung, etwa in Form von Leserbriefen, haben viel dazu beigetragen, dass die Gemeinde von ihrer anfänglichen Haltung nach und nach abrückte und sich nun mit 450 Franken Entschädigung begnügt. «Die Gemeinde wollte wohl kein böses Blut in dieser Angelegenheit», glaubt Bilgeri.

Er stört sich rückblickend vor allem daran, dass die Gemeinde sofort mit ihrer ursprünglichen Forderung an die Öffentlichkeit ging, ohne die Sache mit der 1.- April-Gruppe einmal detailliert angeschaut zu haben. «Man kennt sich ja, das wäre doch kein Problem gewesen», findet Bilgeri. Er erwähnt im gleichen Atemzug aber lobend, dass man mit der Gemeinde in der Folge immer habe reden und verhandeln können. Gefreut hat Bilgeri und Helg auch die erwähnte grosse Solidarität aus der Bevölkerung.

Diese gipfelte in der Bereitschaft zu spenden und zeigt laut Manuel Bilgeri, dass die Aktionen der 1.-April-Gruppe doch nicht so daneben sind. Auch wenn der Betrag nun tiefer als ursprünglich befürchtet ausfällt, nimmt Bilgeri unter Postcheckkonto 90-98000-3 (Vermerk: 1. April) gerne Beiträge entgegen, zumal die Gruppe in der Vergangenheit immer wieder Auslagen für ihre Scherze selbst getragen habe. «Sollte schliesslich etwas übrig bleiben, werden wir das gerne für unsere weiteren 1.

-April-Aktionen verwenden.»

Manuel Bilgeri

Manuel Bilgeri