Die Planung beginnt von vorne

KREUZLINGEN. Der alte Bahnhof Bernrain in Kreuzlingen bleibt vorerst, wie er ist. Der Gemeinderat lehnte gestern einen Baurechtsvertrag für eine gewerbliche Nutzung durch Manuel Millers Eventcrew GmbH deutlich ab.

Nicole D'orazio
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Das Verdikt war eindeutig: Der Gemeinderat Kreuzlingen lehnte gestern mit 28 Nein- zu 5 Ja-Stimmen den Baurechtsvertrag der Stadt mit Manuel Miller für den Bahnhof Bernrain klar ab. Miller wollte das sanierungsbedürftige Gebäude renovieren und darin den Firmensitz seiner Eventcrew GmbH einrichten. Daraus wird nun nichts. Die Gründe für die Ablehnung waren in den Fraktionen unterschiedlich.

«Schon in der Kommission haben sich viele Fragen gestellt», sagte Andreas Hebeisen (SP) als Präsident der Kommission Allgemeines und Administratives. «Einige äusserten Bedenken, dass das Gebäude einem anderen Nutzen als einem gewerblichen zugeführt oder gar abgebrochen werden könnte.» Im Baurechtsvertrag seien diese Punkte zu wenig genau festgehalten. Auch die vorgesehene Vertragsdauer von 75 Jahren sei kontrovers diskutiert worden. Der Stadtrat hatte jedoch genau zu diesen Punkten einen Nachtrag eingereicht, welcher einen Abbruch ausschloss sowie die Dauer auf 50 Jahre beschränkte.

Verkehr ein grosses Problem

Die SVP war gespalten. Man habe Bedenken, auch gegen die Person des Baurechtsnehmers, sagte Fabian Neuweiler. Doch sei die Bewerberliste klein und das Gebäude nicht mehr frisch und hätte es nötig, saniert zu werden.

«Die CVP wäre sogar mit einem Abbruch einverstanden gewesen, da das Gebäude sehr alt ist», sagte Walter Schmid. «Es gibt in der Region genug andere alte Bahnhofsgebäude.» Die verkehrstechnische Situation sei für grosse Fahrzeuge an der Seeblickstrasse allerdings unübersichtlich und schwierig. «Wie soll die Zulieferung ablaufen und wo parkieren die Mitarbeiter?» Auch bei der FDP war man skeptisch. «Die Grösse des Gebäudes scheint uns als Firmensitz zu gering», sagte Indira Marazzi. Die Verkehrsführung sehe man ebenfalls als problematisch an. «Andererseits möchten wir einem Jungunternehmer eine Chance geben, und es soll im Bernrain etwas passieren.»

Zu grosse Lücken im Vertrag

«Wir haben nichts gegen einen Jungunternehmer, doch der Baurechtsvertrag weist einige Lücken auf», sagte Cyrill Huber für die SP-Fraktion. «Wir fragen uns auch, wie nachhaltig der Umbau wird, und wünschen uns eine finanzielle Absicherung.» Es sei alles zu überhastet. Die Freie Liste/Rägäboge sei dafür, dass das Gebäude weiterhin öffentlich genutzt werden könne, sagte Urs Wolfender. «Ein Quartiertreff oder ein Restaurant wäre schön. Alle anderen Gastronomiebetriebe im Quartier sind verschwunden.» Man solle das Ganze nochmals neu ausschreiben.

«Der Bahnhof Bernrain ist ein Goldstück, das man sorgfältig behandeln sollte», sagte Christian Brändli (FDP). Solange die Verkehrsführung rundherum nicht definitiv geklärt sei, solle man die Parzelle deswegen nicht aus der Hand geben. Er brachte ein altes Projekt mit einer sanften Renovation durch die Stadt, günstigem Wohnraum sowie einem Vereinslokal wieder ins Spiel. Auch Daniel Moos (FL) plädierte für eine publikumsnahe Lösung. «Der Bahnhof ist eine Schlüsselstelle im Quartier.»