Die Pfahlbauer machten es vor

AMRISWIL. Der in Amriswil angesiedelte Verein Pro Manu will die Grundlagen des manuellen Schaffens als Kulturgut erhalten. Neuerdings können Schulen, Vereine und Privatpersonen Werkzeuge und Anschauungsmaterial ausleihen.

Maya Mussilier
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Bewährte manuelle Kulturtechniken wie «Stricktrick» oder Weben wollen Yvonne Joos-Halter und Elisabeth Volkart-Annen fördern. (Bild: Maya Mussilier)

Bewährte manuelle Kulturtechniken wie «Stricktrick» oder Weben wollen Yvonne Joos-Halter und Elisabeth Volkart-Annen fördern. (Bild: Maya Mussilier)

Yvonne Joos-Halter hält ein «Stricktrick» im Grossformat in der Hand und lässt die damit gestrickte Schnur im XL-Format durch die Hand gleiten. «Das hat gestern meine Tochter hergestellt», sagt sie stolz. Elisabeth Volkart hat einen speziellen Webrahmen mitgebracht. «So wurde zur Zeit der Pfahlbauer gewebt», erklärt sie. Die speziellen Techniken, heute fast in Vergessenheit geraten, und andere Kulturtechniken wollen die Frauen mit dem Verein Pro Manu präsent erhalten.

Zur Drehscheibe geworden

Seit der Gründung von Pro Manu wurde mit Atelierangeboten bei den Sommerkursen von Schule und Weiterbildung Schweiz, mit Tagungen oder im Rahmenprogramm der Generalversammlungen des eigenen Vereins auf alte Kulturtechniken aufmerksam gemacht. So manche Lehrkraft hat die Impulse genutzt und mit ihren Schülerinnen und Schülern spezielle Techniken ausprobiert.

«Wir haben uns schon länger in Richtung einer Drehscheibe weiterentwickelt», sagen die Co-Präsidentinnen Yvonne Joos und Elisabeth Volkart. Vermehrt kämen Anfragen von Lehrkräften oder auch privaten Institutionen oder Personen.

Oftmals würden sie also Kontakte zwischen Anfragenden und Kunsthandwerkern in die Wege leiten. «Bücher und Filme gibt es verschiedene, aber sich die Fertigkeiten von einer versierten Person zeigen zu lassen, ist noch einmal etwas Besonderes.»

Werkzeuge ausleihen

Nun will der Verein Pro Manu noch einen Schritt weitergehen. So wurde die Idee, Werkzeuge zu verleihen, in die Tat umgesetzt. Das Riesen-«Stricktrick», eine Anzahl Webrahmen oder die übergrossen Stricknadeln, die nur in Teamarbeit verwendet werden können, gehören zu jenen Werkzeugen, die zurzeit fast permanent unterwegs sind.

Neu dazu gekommen ist die Möglichkeit, über den Verein Materialien auszutauschen. «Es kommt ja oft vor, dass jemand spezielle Materialen hat, die er nicht mehr braucht, jemand anderes ist auf der Suche nach genau diesem Material», sagt Elisabeth Volkart. Es gebe aber auch Leute, die einfach ihr Wissen anbieten möchten.

Auch Anschauungsmaterial

Beim Verein Pro Manu kann man aber nicht nur Werkzeuge ausleihen und Material zur Verarbeitung beschaffen. Derzeit wird auch ein Stock an didaktischem Anschauungsmaterial zusammengetragen.

Elisabeth Volkart nimmt ein Stück Stoff mit alten Stickmustern in die Hand und meint: «Es ist doch etwas ganz anderes, Dinge in der Hand zu halten, als nur aus Büchern zu lernen.» Der Verein Pro Manu hat zum Beispiel auch eine spezielle Knopfsammlung. Einerseits als Anschauungsmaterial, andererseits kann diese Lehrpersonen auch einen Impuls geben, sich auf praktische Weise mit dem Unterrichtsstoff zu befassen, indem beispielsweise mit den Schülern Knöpfe aus verschiedenen Materialien hergestellt werden. Die Co-Präsidentinnen betonen, dass das Angebot des Vereins sich keineswegs auf Schulen beschränke. Auch Studierende, Veranstalter oder Private können davon profitieren.