Die Patienten sollen profitieren

Das Herz-Neuro-Zentrum zieht nach Münsterlingen. Die räumliche Nähe zum Kantonsspital sei ein klarer Vorteil, betonen beide Seiten. Vor allem Patienten mit mehreren Krankheiten könnten besser behandelt werden. In der Schweiz ist die Zusammenarbeit bislang einmalig.

Marc Haltiner
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Kreuzlingen. Nicht immer war das Verhältnis zwischen den beiden Kliniken so harmonisch. Vor drei Jahren gingen die Wogen hoch, weil das Herz-Neuro-Zentrum in Kreuzlingen befürchtete, die Spital Thurgau AG werde sich als öffentliche Einrichtung stärker im Bereich von Herz- und Nervenerkrankungen engagieren.

Doch von diesem kurzen Konflikt war gestern nichts mehr zu spüren.

In der Schweiz sei die geplante Zusammenarbeit zwischen einem öffentlichen und einem privaten Spital einmalig, erklärten beide Seiten. «Wir betreten Neuland», sagte Martin Costa, CEO des privaten Zentrums, das seit 18 Jahren an der Kreuzlinger Weinbergstrasse eingemietet ist.

Zahl der Patienten steigt

Dass es der Privatklinik dort zu eng wird, hatten Costa und Verwaltungsratspräsident Dierk Maass mehrfach betont. Heute behandelt das Herz-Neuro-Zentrum jährlich rund 2700 Patienten stationär und 5500 ambulant.

Und: «Die Zahl der Patienten steigt weiter», so Costa. Er betonte, dass die Klinik Erweiterungsmöglichkeiten in Kreuzlingen geprüft habe; die Stadt habe sich sehr engagiert. Die Vorteile eines Neubaus der Klinik direkt neben dem Kantonsspital Münsterlingen würden aber klar überwiegen.

Heute würden die Menschen immer älter, immer mehr Patienten würden deshalb gleich an mehreren Krankheiten leiden, begründeten Costa und Marc Kohler, der CEO der Spital Thurgau AG.

Der Neubau in Münsterlingen werde es ermöglichen, die Behandlungen beider Spitäler enger zu verzahnen und verschiedene Krankheiten gleichzeitig am Standort Münsterlingen zu behandeln.

Das Modell lehnt sich an das bestehende des Herz-Neuro-Zentrums in Konstanz an. Die Privatklinik betreibt ihre Konstanzer Klinik direkt neben dem öffentlichen Klinikum Konstanz auf dem Gelände der Stadt.

Gleiches soll nun auch in Münsterlingen geschehen: Das Herz-Neuro-Zentrum plant 55 anstelle der heute 34 Betten sowie neu drei Operationssäle. Laut Kohler sollen die beiden Spitäler zudem mit einem Tunnel verbunden werden, um die Patienten einfacher zu transportieren. «Die heutigen Transporte mit Rettungswagen sind für viele Patienten nicht ideal.» Ab 2012 sollen sowohl die Infrastruktur als auch Ärzteteams teilweise gemeinsam genutzt werden.

Für Costa und Kohler macht die engere Zusammenarbeit noch aus einem anderen Grund Sinn: 2012 wird die Konkurrenz zwischen den Spitälern grösser, Patienten können ausserkantonale Kliniken wählen. Der Schulterschluss stärke den Spitalstandort Thurgau – mit der Hoffnung auf zusätzliche ausserkantonale Patienten.

Ball liegt beim Parlament

Begrüsst wird das Projekt von der Regierung.

«Ich bin überzeugt, dass das Projekt schweizweit hohe Beachtung finden wird», so Gesundheitsdirektor Bernhard Koch. In Münsterlingen entstehe ein Spitalcampus, Mehrfacherkrankungen könnten besser behandelt werden. «Der politische Prozess läuft jetzt an.» Der Regierungsrat will das Bauland – rund 13 000 Quadratmeter – dem Herz-Neuro-Zentrum im Baurecht abgeben, um das Eigentum am Land zu behalten. Das Geschäft braucht indes die Zustimmung des Grossen Rates. Er rechne mit einem Ja, sagte Koch.