Die Pappel-Frage ist geklärt

Im Tägermoos kehrt Ruhe ein: Die 41 gefällten Hybridpappeln werden durch Schwarzpappeln ersetzt. Die Bürgerinitiative hatte selbst bei den Baumabständen ein Wörtchen mitzureden.

Annina Flaig
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TÄGERWILEN. Wenn es um die Pappeln geht, gibt es Betrieb im Tägermoos. Diesmal ging es um die Wiederaufforstung der abgeholzten Pappeln am Rheinweg. Eingeladen war eine Handvoll Leute. Gekommen sind am Dienstag rund viermal so viel. Etwas verdutzt trat Martin Wichmann vom Amt für Stadtplanung und Umwelt Konstanz vor die Baumaktivisten und stellte beschwichtigend klar: «Wir wollen hier in den nächsten zwei Wochen wieder Bäume pflanzen.»

Die Schwarzpappel ist heimisch

«Ich will nicht einfach Bäume pflanzen. Ziel muss sein, dass die kulturhistorisch wertvolle Pappelallee, die hier zerstört wurde, wiederhergestellt wird», betonte Jost Rüegg. Er hat als Vertreter des WWF Thurgau und Mitglied der Bürgerinitiative im Frühling an vorderster Front gegen den Kahlschlag der 116 Pappeln protestiert. (unsere Zeitung berichtete). 41 gefällte Pappeln lagen am Boden, als die Aktion schliesslich gestoppt wurde. Das Pappel-Intermezzo ist seither ein brenzliges Thema. Bei der Besprechung der Nachpflanzung am Dienstag waren die Verantwortlichen bemüht, die Wogen nicht wieder hochgehen zu lassen, was ihnen mehrheitlich gelang. Mit ausgesuchten Worten wurden den Vertretern der Bürgerinitiative zur Aufforstung anstelle der abgeholzten Hybridpappeln die einheimischen Schwarzpappeln beliebt gemacht. «Die Bäume sind für ein Flachmoor von nationaler Bedeutung, wie es das Tägermoos ist, optimal geeignet», erklärte etwa Raimund Hipp vom Amt für Raumentwicklung Thurgau.

Sicherheit bleibt Reizwort

Eine Stecklingzucht in Neunforn halte rund zwei Jahre alte und zwei Meter hohe Bäume bereit. «Gesponsert werden sie von Tägerwilen», sagte der ebenfalls anwesende Markus Thalmann, Gemeindepräsident von Tägerwilen. Die Pappel-Frage war damit geklärt. Strittig blieb vorerst die Frage, mit welchen Abständen sie gepflanzt werden sollen. Und so wurden über eine Stunde lang Pfähle eingeschlagen, Zwischenräume vermessen und über Optik und Sicherheit diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass letzteres das Reizwort bleibt. Denn mit der Sicherheit wurde die Baumfällaktion dereinst begründet. «Letztlich ging es aber nur um Geld», sind sich die Baumaktivisten einig. Das Thema ist nicht vom Tisch, denn die verbleibenden 75 Bäume werfen laut Raimund Hipp Äste ab und müssen aufgrund des gut frequentierten Weges gepflegt werden. Ausserdem liessen die Mitglieder der Bürgerinitiative verlauten, dass sie die Weiterführung der Allee bis zum Ziegelhof begehren. Auf solche Diskussionen wollten sich die Verantwortlichen jedoch nicht einlassen.

Pappeln vor dem Biber schützen

Zur Freude aller Beteiligten wurden schliesslich zwei Masse notiert: Im Nebeneinander sollen die Bäume im Abstand von 10 Metern, im Gegenüber im Abstand von 6,40 Metern gepflanzt werden, jeweils versetzt zwischen den Strünken der gefällten Bäumen. Die Strünke herauszufräsen würde Kosten verursachen. Und so bleiben sie – quasi als Mahnmal – bestehen und sollen diverse Käferarten erfreuen. Nicht erfreuen dürfen sich an den neuen Pappeln die Biber. Die Jungbäume sollen entsprechend geschützt werden. Nicht dass sie dereinst plötzlich wieder gefällt am Boden liegen.