Die meisten Modelle bleiben am Boden

Der Mensch hat nie fliegen gelernt, darum baut er sich Flugzeuge. Und weil es für die meisten Leute nicht möglich ist, ein Flugzeug selber zu fliegen, geschweige denn eines zu bauen, so schaffen die Modellflugzeuge für viele Abhilfe.

Lukas Gerzner
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Modellflugzeuge jeder Grösse waren in Frauenfeld zu sehen. (Bild: Nana do Carmo)

Modellflugzeuge jeder Grösse waren in Frauenfeld zu sehen. (Bild: Nana do Carmo)

Der Mensch hat nie fliegen gelernt, darum baut er sich Flugzeuge. Und weil es für die meisten Leute nicht möglich ist, ein Flugzeug selber zu fliegen, geschweige denn eines zu bauen, so schaffen die Modellflugzeuge für viele Abhilfe. In Frauenfeld sind die Hobbyflieger seit stattlichen 80 Jahren in einem Modellflugverein organisiert: Dies war der Anlass für eine grosse Ausstellung in der Festhalle Rüegerholz an diesem Wochenende.

Begrüsst wurde der Besucher gleich von der Frühzeit-Abteilung: Vergleichsweise einfache Holzkonstruktionen, die eher an ein Flugzeugskelett als an ein nachahmendes Modell erinnerten. Doch der Wille war schon in den 1930er-Jahren da, unbemannte Flugobjekte bauen und vor allem auch kontrolliert steuern zu können. Anfänglich nur mit sehr primitiven Steuerungsmitteln ausgestattet, entwickelte sich das Modellflugzeug durch das Jahrhundert zum heutigen elektrisch ferngesteuerten High-Tech-Gerät.

An der Ausstellung war von allem etwas zu sehen: Von den kleinen Zusammensteckfliegern aus buntem Styropor, die wie ein Papierflieger in die Luft geworfen werden, bis zu grossen Kunststoffmodellen, in denen auch einer der kleinen Besucher der Ausstellung gut Platz gehabt hätte. Das hätten viele Kinder am liebsten auch gemacht. Umso härter für die Jüngsten, dass die Modelle nicht berührt werden durften. So hatte manch ein Elternteil beide Hände voll zu tun, die Kinder in Schach zu halten. Es waren viele Familien und Paare unterwegs, auch wenn sich schnell herausstellte, dass die Frauen eher als Begleitung denn aus eigenem Interesse anwesend waren. Trotzdem versuchten sich viele auf dieses von Männern dominierte Hobby einzulassen, indem sie den Ausführungen und Erklärungen ihrer Partner zumindest äusserlich interessiert zuhörten.

Schnell stellte sich heraus, dass man diese männlichen Besucher in drei Gruppen teilen kann: Die ersten waren aus Interesse und Faszination gekommen, betreiben das Hobby aber nicht selber. «Ich habe zu wenig Geduld für so etwas, aber schön anzusehen sind die Flieger allemal», sagt der Besucher Michael Drpic. Diese Besucher waren es, die teilweise mit offenem Mund vor Staunen an den Ausstellungstischen vorbeigingen und den Vereinsmitgliedern Fragen stellten wie «Wie kann so was überhaupt fliegen?»

Die zweite Gruppe war diejenige der Flieger: Sie kaufen Flugmodelle und fliegen diese.

Und die dritte Gruppe war diejenige der Bauer. Sie fliegen die Modelle nicht nur, sondern bauen sie auch selber. Erstaunlich ist die Leidenschaft, mit der die Bauer am Werk sind. «Wenn ich mein Modell lackieren will, muss ich meine ganze Garage umbauen, was schon recht umständlich ist», sagt der Modellbauer Rolf Allenbach. An seinem Helikopter hat er schon drei Jahre verbracht. Einige Schritte von ihm entfernt hatten die Besucher die Möglichkeit, den Modellbauern Albert Kobel und Roman Barth bei der Arbeit auf die Finger zu schauen. «Ich liebe es, etwas eigenes zu schaffen, etwas, was es noch nicht gibt – mein Werk», sagt Kobel. Schon dreissig Jahre frönt er dieser Leidenschaft und baute an der Ausstellung mit seinem Quasi-Schüler Roman Barth einen Flugzeugrumpf. «Das Know-how musst du dir selber aneignen, eine fertige Anleitung gibt es nicht», sagt Barth.

Für viel Aufregung sorgten auch die beiden Simulatoren, die der Modellflugverein zum Ausprobieren bereitstellte. Während der eine das Fliegen in einem echten Hubschrauber simulieren sollte, konnte man sich beim anderen als Modellflieger versuchen.

Wer meinte, er könne hier eine Flugshow sehen, war natürlich am falschen Ort. Die Länge der Halle hätte für die meisten Modelle nicht mal für einen Start gereicht. Die einzigen, welche durch das Rüegerholz flogen, waren die Drohnen. Und diese Flugobjekte summten in der Leichtigkeit von Insekten durch die Luft, so dass manch einem die Spucke weg blieb. «Gehen die schnell kaputt?» fragte ein Bub. «Nein», antwortete der Verkäufer, «bei dem hier ist nur die Batterie leer.» «Dann wünsche ich mir einen zu Weihnachten», sagte der Bub.