Die Männer bleiben einsam

Die Alterskommission der Stadt Amriswil lädt in diesem Jahr zu verschiedenen Veranstaltungen mit dem Themenschwerpunkt «Aufgestellt im Alter» ein. Auftakt der Veranstaltungsreihe bildete am Mittwochabend ein Podium.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Michael Ziegler (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Michael Ziegler (Bild: Yvonne Aldrovandi)

AMRISWIL. «Alle wollen alt werden, aber keiner will es sein.» Mit diesem Zitat begrüsste Erwin Tanner, Stadtrat und Präsident der Alterskommission Amriswil, die zahlreich erschienen Gäste im Saal des Alters- und Pflegezentrums (APZ). Ob man gesund altert, hängt von vielen Faktoren ab. Begünstigend scheinen eine ausgewogene Ernährung, genügend Bewegung und regelmässiges Gedächtnistraining.

Die Alterung der Gesellschaft berge Chancen, sagte Professor François Höpflinger. «Es gibt immer mehr aktive und gesunde ältere Menschen. Die meisten der Jung-Rentner sind körperlich und geistig aktiv.» Diese Alterskategorie sei auch am zufriedensten mit ihrem Leben. Das Potenzial gelte es zu nutzen. So könnten fitte Rentner beispielsweise für junge Menschen als Mentoren fungieren oder hilfsbedürftige Senioren unterstützen.

Frauen haben mehr Kontakt

Als eine grosse psychische Gefahr des Alterns gilt die Vereinsamung. Ältere Frauen haben stärkere soziale Netzwerke und pflegen mehr Kontakte als Männer. Gute und enge Nachbarschaftskontakte seien von grosser Bedeutung.

«Wichtig ist, die Grenzen des eigenen Lebens zu akzeptieren, offen zu sein für jüngere Generationen und Neugier zu zeigen bis ins hohe Alter», führte Professor François Höpflinger aus. «Lerne alt zu werden mit einem jungen Herzen. Das ist die Kunst.»

Leben selber bestimmen

An der anschliessenden Podiumsdiskussion beteiligten sich Martin Salvisberg (Stadtpräsident Amriswil), Christine Dolder (Aktivierungsfachfrau APZ), Ursula Dünner (Geschäftsführerin Pro Senectute Thurgau), Doris Gremminger (Präsidentin Spitex Oberthurgau) und Michael Ziegler (evangelischer Pfarrer Amriswil-Sommeri). Gemeinsam diskutierte die Runde über die Angebote und Hilfestellungen für ein aktives und eigenbestimmtes Leben im Alter.

Martin Salvisberg sagte, dass mit dem neuen Erwachsenenschutzrecht mehr Eigenständigkeit im Alter bewahrt werden kann. Christine Dolder bezeichnete das APZ als Haus der Bewegung. Sie erzählte von den vielfältigen Bewegungsangeboten, die gerne genutzt werden.

Hemmungen, Hilfe zu holen

Als Vertreterin von Pro Senectute des Kantons Thurgau informierte Ursula Dünner über deren Arbeiten. Ältere Menschen hätten oftmals Hemmungen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ursula Dünner erklärte, dass Senioren ab 65 die Beratungsstelle für Auskünfte rund um das Thema Alter unentgeltlich beanspruchen können.

Ein 92jähriger Besucher sprach der Spitex ein Kompliment aus. Dank guter Betreuung und Unterstützung können er und seine Frau noch in den eigenen vier Wänden wohnen. Doris Gremminger betonte, dass die Spitex-Pflegefachfrauen notfalls auch nachts erreichbar seien.

Der evangelische Pfarrer Michael Ziegler bezeichnete das Altern als eine spirituelle Aufgabe. Wichtig sei es, sich mit der eigenen Lebensgeschichte zu versöhnen und nicht verbittert auf das Leben zurückzuschauen.

Christine Dolder (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Christine Dolder (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Martin Salvisberg (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Martin Salvisberg (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Ursula Dünner (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Ursula Dünner (Bild: Yvonne Aldrovandi)

Doris Gremminger (Bilder: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)

Doris Gremminger (Bilder: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer)