Die letzten toten Fische

Im Ziegeleiweiher gibt es wieder genügend Sauerstoff, wie aktuelle Messungen zeigen. Am Dienstag sammelte ein Team die hoffentlich letzten Tierkadaver ein. Der Fall könnte sich aber wiederholen.

Urs Brsüchweiler
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In Schutzanzügen fischte am Dienstag das Team des Dienstleistungszentrums Arbeitsintegration die letzten verwesenden Fische aus dem Ziegeleiweiher. (Bild: PD)

In Schutzanzügen fischte am Dienstag das Team des Dienstleistungszentrums Arbeitsintegration die letzten verwesenden Fische aus dem Ziegeleiweiher. (Bild: PD)

Urs Brsüchweiler

urs.brueschweiler@thurgauerzeitung.ch

Die Anwohner des Ziegeleiweihers in Emmishofen können wieder entspannt durchschnaufen. «Es sieht gut aus. Der Gestank hat sich verzogen», sagt Erich Herrmann. Das akute Fischsterben, das vor knapp zwei Wochen begann, ist definitiv vorüber. Nur noch hie und da in der Uferbewachsung entdeckt man einzelne Kadaver. Am Dienstag rückte zum vierten und nun letzten Mal ein Team des Dienstleistungszentrums Arbeitsintegration aus und sammelte die bereits verwesenden Tiere ein. Keine angenehme Aufgabe für die Männer. «Die Feuerwehr hat uns Schutzmasken zur Verfügung gestellt, anders war es schlecht zu ertragen», berichtet Leiter Stefan Luginbühl. Wie viele tote Tiere sie in den letzten Tagen abgefischt und entsorgt hätten, kann er nicht genau sagen. Schätzungen, dass es mehrere hundert Kilogramm waren, würden wohl zutreffen.

Zwei Belüfter und ein Springbrunnen

Der städtische Umweltschutz- beauftragte Stefan Braun geht davon aus, dass seit vorletztem Wochenende keine Fische mehr verendet sind. Zwei in den Ziegeleiweiher gesetzte Belüfter sorgen seither für eine Durchmischung des Wassers und eine Sauerstoffanreicherung. Ein Anwohner habe seither ebenfalls noch einen weiteren Springbrunnen eingesetzt.

«Die Massnahmen haben sicher dazu beigetragen, dass nicht alle Fische verendet sind», schreibt Margie Koster, Gewässerbiologin beim kantonalen Amt für Umwelt. «Die letzten Messungen haben ergeben, dass das Wasser im Ziegeleiweiher jetzt eine Übersättigung mit Sauerstoff aufweist.» Verantwortlich für das Fischsterben seien die Blaualgen beziehungsweise Cyanobakterien gewesen. Sie geben Toxine ab und reduzieren den Sauerstoff, wenn sie sterben und abgebaut werden. Doch abhaken können die Verantwortlichen den Vorfall nicht. Die letzten warmen Tage hätten bereits wieder zu einer starken Ausbreitung von Algen im Weiher geführt, schreibt Margie Koster. Lebende Algen produzierten tagsüber Sauerstoff. Wenn diese grosse Menge organisches Material anfängt sich zu zersetzen, kann jederzeit wieder dasselbe passieren. Darum werde man die Belüfter nun vorläufig weiter laufen lassen, sagt Stefan Braun.

Gespräche über die «Heilung» des Weihers

Das Problem des Ziegeleiweihers ist fast chronisch. Hauptursachen sind der schlechte Durchfluss, dass er relativ flach ist, und hohe Temperaturen. Sobald die Resultate der untersuchten Toxine vorhanden sind, wolle man nun mit dem Kanton an einen Tisch sitzen und besprechen, ob und wie man das Ökosystem des künstlichen Ziegeleiweihers sanieren oder heilen könne, sagt Braun.