Die Kunst muss raus aus dem Haus

SALENSTEIN. Der Literatur-Skulpturenweg steht auf der Kippe. Die Gemeinde Salenstein hat die Liegenschaft, in der die Kunstwerke gelagert sind, verkauft und verlangt den raschen Abtransport. Damit findet sich der Kultursee-Präsident nicht ab.

Kurt Peter
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Im Schopf dieses Hauses an der Hauptstrasse 43 in Fruthwilen sind die 20 Skulpturen eingelagert. (Bild: Reto Martin)

Im Schopf dieses Hauses an der Hauptstrasse 43 in Fruthwilen sind die 20 Skulpturen eingelagert. (Bild: Reto Martin)

Nachdem die Gemeindeversammlung Salenstein die Realisierung eines Literatur-Skulpturenwegs abgelehnt hatte, sprang der regionale Förderverein Kultursee in die Bresche und signalisierte Interesse an einer Umsetzung des Weges (unsere Zeitung berichtete). Noch im Sommer war der Künstler Fritz Widmer guter Dinge, dass die Idee auch realisiert werden kann. Zumal die Zusage aus dem Salensteiner Gemeinderat vorlag, die Skulpturen in der eigenen Liegenschaft zu lagern, bis eine Lösung vorliegt. Doch letzte Woche kam die überraschende Wende: Per Mail informierte Gemeinderat Lorenz Stopper Markus Thalmann, Präsident von Kultursee, dass die Liegenschaft verkauft wurde. Bis 19. Dezember, 12.30 Uhr, erwarte er von ihm die Bekanntgabe eines neuen Lagerplatzes.

Lösung mit neuen Eigentümern

«Das ist natürlich nicht möglich», erklärt Markus Thalmann. Es gebe so kurzfristig keine Lösung, ein idealer Lagerplatz sei in dieser Zeit schlicht nicht zu finden. Er werde die Annahme der Skulpturen jedenfalls verweigern und «ich sehe die Gemeinde Salenstein auch nicht mehr als Ansprechpartner, sondern die neuen Eigentümer». Deren Adresse habe er trotz Aufforderung von Lorenz Stopper noch nicht erhalten. Thalmann möchte aber das Gespräch suchen, um eine Lösung zu finden.

Laut Grundbuchamt Steckborn handelt es sich um die St. Galler Firma Koliba. Doch es gibt dazu weder eine E-Mail-Adresse noch eine Telefonnummer. Was die Koliba mit der Liegenschaft in Fruthwilen vorhat, war bisher nicht in Erfahrung zu bringen. Für Thalmann ist aber klar, «dass ein Baugesuch für Sanierung oder Abbruch und Neubau vorliegen muss». Mindestens für den Zeitraum wäre eine Räumung der Skulpturen nicht nötig.

Idee noch nicht vom Tisch

Künstler Fritz Widmer «wäre froh um den Aufschub, ich hoffe auf eine Frist bis zum Frühling 2016». Er selbst habe keinen Platz für die 20 Skulpturen, suche aber auch in und um Luzern eine neue Lösung. «Die ganze lange Geschichte muss ich aber zunächst verdauen», gibt er zu. Einzeln verschenken möchte er die Werke aus Marmor und Bronze eigentlich nicht, schon gar nicht entsorgen.

Gestorben ist für Thalmann der Literatur-Skulpturenweg in der Region aber nicht. Er suche nach geeigneten Lagerplätzen und wenn die Werke in der Region bleiben könnten, könne der Verein Kultursee zusammen mit den Gemeinden zwischen Kreuzlingen und Ermatingen an einem Konzept weiterarbeiten. Von Gemeinderat Lorenz Stopper gab es keine Stellungnahme: «In Sachen Skulpturen ist Markus Thalmann (Präsident Verein Kultursee) meine Ansprechperson», liess er per E-Mail wissen.

Markus Thalmann Präsident Verein Kultursee (Archivbild: Nana do Carmo)

Markus Thalmann Präsident Verein Kultursee (Archivbild: Nana do Carmo)

Lorenz Stopper Gemeinderat Salenstein (Archivbild: Reto Martin)

Lorenz Stopper Gemeinderat Salenstein (Archivbild: Reto Martin)

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