Die Kreuzlinger Auswahl für Bern

KREUZLINGEN. Beim Podium der Bezirksparteien trafen politische Spitzenkräfte der Region aufeinander: Acht Nationalratskandidaten aus acht Parteien stellten sich den Fragen des Tägerwiler Gemeindepräsidenten Markus Thalmann.

Urs Brüschweiler
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Nationaler Wahlkampf im Kreuzlinger Rathaus: Klemenz Somm (GLP), Aliye Gül-Agir (SP), Brigitta Engeli (GP), Markus Berner (BDP), Moderator Markus Thalmann, Markus Lüchinger (EDU), Christian Neuweiler (FDP), Markus Hausammann (SVP) und Christian Lohr (CVP). (Bild: Andrea Stalder)

Nationaler Wahlkampf im Kreuzlinger Rathaus: Klemenz Somm (GLP), Aliye Gül-Agir (SP), Brigitta Engeli (GP), Markus Berner (BDP), Moderator Markus Thalmann, Markus Lüchinger (EDU), Christian Neuweiler (FDP), Markus Hausammann (SVP) und Christian Lohr (CVP). (Bild: Andrea Stalder)

Die Interpartei hatte eingeladen, die Parteien schickten ihre Vertreter. Ausser die EVP. Sie war an der «Polit-Arena» im Kreuzlinger Rathaus nicht vertreten. Vielleicht weil sie auf ihrer Nationalratsliste gar keinen Kandidaten aus dem Bezirk Kreuzlingen hat. Eingeladen seien sie aber auf jeden Fall gewesen, meinte Alexander Salzmann, der mit Erwin Imhof die Wahlkampfveranstaltung auf die Beine gestellt hatte.

SP und BDP ohne Kreuzlinger

Auch die SP und die BDP haben auf ihren Namenlisten für die Wahl vom 18. Oktober keine Personen, mit Wohnsitz im hiesigen Bezirk. Die Sozialdemokraten schickten dafür die Romanshorner Stadträtin Aliye Gül-Agir ins Rennen. Sie hatte jedoch beim eher bürgerlich geprägten Publikum einen schweren Stand. Sie verhaspelte sich auch das eine oder andere Mal und geriet mehrmals in Konflikt mit dem strengen Redezeit-Regime von Markus Thalmann. Der heute parteilose und frühere SP-Gemeindepräsident von Tägerwilen schaute genau auf die Uhr und kannte kein Pardon, wenn die Ausführungen der Kandidaten zu seinen Themen-Vorgaben zu ausufernd wurden.

Ebenfalls kein Heimspiel bei den 50 Besuchern des Podiums hatte BDP-Vertreter Markus Berner aus Amriswil. Er gab sich volksnah, als «einfacher Büezer mit dreckigen Händen» und betitelte sich gar als «Giftzahn». Entsprechend energisch polterte er etwa gegen europäische Konzerne und hob bei der Einwanderung von Arbeitskräften auch mal den Mahnfinger.

Unabhängigkeit ist Trumpf

Der amtierende SVP-Nationalrat Markus Hausammann aus Langrickenbach agierte souverän und bodenständig. Er betonte seine Unabhängigkeit in Bern. «Das ist mein Trumpf.» Er erhielt dann von Markus Thalmann sogar unerwartete Schützenhilfe. «Mein Söhne wollten vor vier Jahren SVP wählen. Da hab ich ihnen gesagt, wenn es unbedingt sein muss, dann wählt um Himmels Willen den Hausammann.»

FDP-Kandidat und Unternehmer Christian Neuweiler verstand es, sein Profil als kompetenter Wirtschaftsvertreter zu schärfen. Als einziger schnitt er am Montagabend noch ein Thema mit Lokalbezug an. Er erklärte auf eine Publikumsfrage nach ihrem Beitrag zur Erhöhung der Sicherheit auf Velowegen: «Ich habe versucht, den Stadtrat zu überzeugen, dass der Veloweg an der Seestrasse ein Sicherheitsproblem darstellt.»

Der einzige Vertreter der Stadt Kreuzlingen in Bundesbern, CVP-Nationalrat Christian Lohr, warb für Vertrauen in die Politik. Um solches zu gewährleisten wolle er sich gerne weitere vier Jahre einsetzen. Er vertrete die ethischen Werte seiner Partei und den Thurgau, welcher, wie er betonte, nicht nur aus ländlichen sondern auch aus urbanen Gebieten bestehe. Brigitta Engeli, eine «Herzens-Kreuzlingerin», kandidiert auf der Liste der Grünen. Klar verständlich und mit angenehmer Stimme, jedoch stets mit verschränkten Armen, legte sie ihre linken und ökologischen Positionen dar. «Wer sicher sein will, dass er kriegt, was er will, der wählt uns.»

Auch Lösungen aufzeigen

Klemenz Somm, das erfahrene Polit-Schlachtross der GLP, fühlte sich sichtlich wohl im Rededuell mit den Bürgerlichen. Immer sattelfest und pointiert, zwischendurch auch selbstkritisch und mit einer Prise Humor flog er förmlich durch die breite Themenpalette. Er betonte, dass er eben nicht nur Missstände aufzeigen wolle, sondern immer auch Lösungsansätze anbiete. Markus Lüchinger, EDU-Kandidat und Firmeninhaber aus Tägerwilen, konnte ausser mit seinem Dialekt im grossen Kandidatenreigen kaum auffallen. Allzu oft verrannte er sich in politische Platituden.