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Die «Königin des Trance» kehrt zurück

Ein Weltstar in einem kleinen Club in Amriswil? Das kündigten jedenfalls die vielen Plakate im ganzen Oberthurgau an: DJ Tatana im «Stage 8580», dem ehemaligen «Basement» – und viele der jungen Clubbesucher dürften sich schon gar nicht mehr an den noch älteren Namen «USL» erinnern.
Manuel Nagel
Das «Stage 8580» und der Auftritt von DJ Tatana hätten mehr Besucher verdient. Die Stimmung ist dennoch ausserordentlich. (Bild: Manuel Nagel)

Das «Stage 8580» und der Auftritt von DJ Tatana hätten mehr Besucher verdient. Die Stimmung ist dennoch ausserordentlich. (Bild: Manuel Nagel)

Ein Weltstar in einem kleinen Club in Amriswil? Das kündigten jedenfalls die vielen Plakate im ganzen Oberthurgau an: DJ Tatana im «Stage 8580», dem ehemaligen «Basement» – und viele der jungen Clubbesucher dürften sich schon gar nicht mehr an den noch älteren Namen «USL» erinnern.

Kaum auf der Welt, waren die jüngsten der heutigen Gäste im «Stage 8580», als DJ Tatana 1998 so richtig durchstartete in der Schweizer Technoszene und ein Jahr später die offizielle CD zur 7. Street Parade mixte. Mit ihren sphärischen und eingängigen Melodien wurde Tatana Sterba, wie die gebürtige Tschechin mit richtigem Namen heisst, schon bald als Schweizer «Königin des Trance» bezeichnet.

In der Nacht auf Sonntag machte also Königin Tatana dem Oberthurgauer Städtchen ihre Aufwartung, doch wer nun einen ganzen Hofstaat mit Manager, Betreuern und Sicherheitsleuten erwartet hatte, lag falsch. Wer einen grossen Andrang auf den Club erwartet hatte, ebenso.

Vielleicht lag es auch daran, dass die Leute, die mit Tatana gross geworden sind und in ihrer Jugendzeit Techno und Trance gehört haben, heute nicht mehr zu den Stammgästen in Clubs gehören, sondern Familie und Kinder haben. So wie Tatana selber. Während sie in Amriswil auflegte, schlief ihr zweijähriger Sohn friedlich zu Hause. «Durch meine Arbeit sehe ich meinen Sohn viel öfter als eine tagsüber berufstätige Mutter», sagt Tatana backstage nach ihrem Auftritt und gewinnt ihren unregelmässigen Arbeitszeiten positive Seiten ab.

Es ist kurz nach Mitternacht, als Tatana die Bühne betritt und an den Reglern zu drehen beginnt. Nach den ersten Takten erheben sich auch die Mittdreissiger oder noch älteren Besucher, die es sich zuvor auf den Sofas bequem gemacht haben, mischen sich unter die Jungen, so dass sich die Tanzfläche vor dem DJ-Pult langsam zu füllen beginnt. Der Bass dröhnt aus den Lautsprechern und auch Tatana selber bewegt sich zu ihren Klängen und interagiert mit den Leuten, schliesst dann und wann die Augen, wie wenn sie in eine andere Welt eintauchen würde.

Es ist diese Leidenschaft, die wie ein Funke von ihr auf das Publikum überspringt. «Ich habe immer auch in kleinen Clubs wie hier in Amriswil aufgelegt», erzählt Tatana. Natürlich sei es ganz etwas anderes, wenn sie jeweils nach der Street Parade im Hallenstadion Zürich vor über 10 000 Ravern auftrat. Sie erzählt auch von ihrem Gig in Peru, ebenfalls vor einer grossen fünfstelligen Kulisse. «Ein Peruaner hat in der Schweiz meine CD gekauft, in seine Heimat gebracht und dort wurde dann die CD kopiert und auf vielen kleinen Märkten schwarz verkauft», weiss Tatana. So habe sie eines Tages von einem peruanischen Veranstalter eine Anfrage bekommen – und musste nach ihrer Ankunft gleich mal an einer grossen Pressekonferenz Red und Antwort stehen.

Im «Stage 8580» ist alles ein paar Nummern kleiner. Doch die Künstlerin macht Clubbetreiber Bush Künzler ein Kompliment, wie gut die Anlage eingestellt sei. Mit einem Prosecco und weiteren Gästen stossen die beiden hinter der Bühne auf das gelungene Set an. «Bush ist cool», sagt Tatana. «Häufig lassen sich Veranstalter gar nicht blicken.» Hier haben sich jedoch zwei gefunden, die ihre Arbeit mit Leidenschaft ausführen.

Immer wieder werden Besucher in den Backstage-Bereich geführt, die ein Autogramm haben oder ein Selfie mit dem Star des Abends machen wollen. Tatana nimmt sich für alle geduldig Zeit und erfüllt deren Wünsche – und bekommt viele Komplimente für den «geilen Auftritt».

Solche wird es nun wieder öfters geben, denn nach ihrer dreijährigen Babypause hat Tatana neue Lieder in der Pipeline, die dafür sorgen werden, dass bald wieder häufiger von der «Königin des Trance» gesprochen wird. Eine Königin jedoch, die sich gestern ganz volksnah gab und auf dem Boden geblieben ist.

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