«Die Kirche wird nicht so voll sein»

Er war von 1991 bis 2010 katholischer Pfarrer in Arbon und Steinebrunn sowie Spitalseelsorger in Münsterlingen. Seither wirkt Beda Baumgartner als Priester in Man an der Elfenbeinküste. Nächstes Jahr kehrt er zurück.

Hedy Züger
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Pfarrer Beda Baumgartner hat, wie damals in Arbon, in Man im Westen der Côte d'Ivoire einen guten Draht zu Kindern. (Bild: pd)

Pfarrer Beda Baumgartner hat, wie damals in Arbon, in Man im Westen der Côte d'Ivoire einen guten Draht zu Kindern. (Bild: pd)

Herr Baumgartner, war es Ihr Traum, in Afrika zu arbeiten?

Beda Baumgartner: Nach der Matura studierte ich zuerst Agronomie, um in einem Drittweltland tätig zu sein. Auch während des Theologiestudiums und in den ersten Jahren als Vikar war es die Idee, auf einem anderen Kontinent als Priester tätig zu sein. Nach 27 Jahren im Bistum Basel war das nicht mehr präsent. Da kam eine Anfrage. Nur ein Traum? Ich sprach mit dem Bischof. Seine Zustimmung bestätigte, dass der Ruf von Gott kam.

Warum gerade die Elfenbeinküste?

Baumgartner: Wie manche wissen, lebe ich als Priester aus der Spiritualität der Einheit der Fokolar-Bewegung. In einigen Teilen der Welt waren Stellen an Modellsiedlungen offen. Ich schlug die Elfenbeinküste vor, unter anderem, weil mir die französische Sprache geläufig ist.

Wie kommen Sie sprachlich zurecht?

Baumgartner: Nach der Matura hatte ich auf einem Bauernhof im Welschland ein Praktikum absolviert. Dank der Sprachkenntnisse konnte ich in Man vom ersten Tag an die Messe feiern, predigen und mich mit den Menschen unterhalten. Die Leute haben sich an meinen Akzent gewöhnt und verstehen mich.

Welche Aufgaben haben Sie in Man?

Baumgartner: Ich bin Vikar in der Pfarrei Saint-Marie, Reine de l' Afrique. Ein Priester aus Regensburg ist schon 40 Jahre hier tätig. Mir sind die Jugendlichen anvertraut. Wir halten Kontakte zu Priestern und Theologiestudenten in ganz Westafrika, welche die Fokolar-Spiritualität leben. Ich besuche sie von Zeit zu Zeit.

Ist der Kirchenbesuch wie bei uns?

Baumgartner: Der Andrang ist gross. Letzten Sonntag wurden eiligst weitere Bänke aus den Pfarreisälen in die Kirche getragen, damit alle sitzen konnten.

Wie ist die Disziplin der schwarzen Kinder im Unterricht?

Baumgartner: Ich glaube, die Kinder hier sind ruhiger, sie müssen zum Mitmachen eher aufgeweckt werden. Doch sie kritzeln auch mal auf die Bänke. Während der Messe und in Versammlungen sind sie erstaunlich diszipliniert.

Wie gross ist der Anteil der Christen in der Region Man?

Baumgartner: Statistiken gibt es nicht. Viele Menschen sind in der traditionellen Religion verhaftet. Der Anteil der Christen wächst aber ständig, in der Stadt macht er etwa 15 Prozent aus. Wer sich für die dreijährige Katechese zur Taufe hin einschreibt, ist nicht selten das erste Mitglied der Familie.

Wovon leben die Leute, wie viele haben Arbeit?

Baumgartner: Nur wenige Leute haben regelmässig Arbeit, viele besitzen ein Feld mit Reis, Mais, Maniok oder Yams-Wurzeln. Einige Frauen haben einen «petit commerce». Sie ziehen mit der Ware auf dem Kopf durch das Quartier oder sie verkaufen vor der Hütte getrockneten oder gefrorenen Fisch, Gewürze, Früchte oder Holzkohle.

Sie kehren 2016 in die Schweiz zurück. Hält der Bischof für Sie ein Pfarramt bereit?

Baumgartner: In eine Pfarrei bin ich zum Pfarrer gewählt worden, das ist aber noch nicht offiziell.

Was werden Sie zu kurz haben?

Baumgartner: Es wird eine Umstellung sein. Die Kirche wird nicht immer so voll sein wie in Man. Obwohl viele Menschen hier nicht Christen sind, so glauben doch alle an Gott und sind dankbar, wenn man in schweren Momenten mit ihnen betet. Auch ihr Lebenswille ist beeindruckend. Vielleicht werden mir die vielen Kinder am meisten fehlen.