Die Jugendlichen abholen

ROMANSHORN. Romanshorn will auch auf den Strassen und Plätzen im Dorf Jugendarbeit machen. Die Gemeinde hat vor kurzem die Stelle ausgeschrieben. Es ist bereits der dritte Versuch. Doch diesmal könnte es klappen.

Markus Schoch
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Jugendtreff beim Kino Modern: Die Gemeinde will die Jugendarbeit auf den öffentlichen Raum ausdehnen. (Bild: Christa Kamm-Sager)

Jugendtreff beim Kino Modern: Die Gemeinde will die Jugendarbeit auf den öffentlichen Raum ausdehnen. (Bild: Christa Kamm-Sager)

ROMANSHORN. Das Interesse an der Stelle ist gross. «Wir haben bis jetzt relativ viele Bewerbungen», sagt der zuständige Gemeinderat Peter Höltschi. Heute ist die letzte Gelegenheit, sich auf das Inserat hin zu melden.

Höltschi bleibt trotz des guten Echos vorsichtig. «So weit waren wir schon einmal», sagt er. Doch am Schluss habe jeweils doch niemand den Vertrag unterschrieben.

Seit fünf Jahren ein Ziel

Romanshorn will schon seit längerem die Jugendarbeit auf die Plätze und Strassen im Dorf ausweiten. Auslöser war das Jugendleitbild aus dem Jahr 2006, das einen sogenannten Streetworker für die aufsuchende Jugendarbeit vorsieht. «Wenn jemand nicht in den Jugendtreff kommt, ist er heute für uns unerreichbar», sagt Höltschi.

Eine Kommission arbeitete in der Folge eineinhalb Jahre an einem Konzept, das der Gemeinderat dann aber in einer ersten Runde aus Kostengründen ablehnte. Die Arbeitsgruppe ging nochmals über die Bücher und reduzierte das Pensum auf 30 Prozent. Auf dieser Basis schrieb die Gemeinde die Stelle vor eineinhalb Jahren ein erstes Mal aus, ohne Erfolg allerdings. Auch ein zweiter Anlauf verlief im Sand. «Wir hatten zwar beide Male gute Bewerber. Sie sprangen aber immer im letzten Moment ab», blickt Höltschi zurück. Einer der wichtigsten Gründe für die Absagen waren die Stellenprozente.

Der Gemeinderat hat die Lehren aus den Nullrunden gezogen. Er hat die auf zwei Jahre befristete Stelle auf 40 Prozent aufgestockt und dafür 50 000 Franken ins Budget aufgenommen. Sie kann zudem mit einem zweiten Pensum (50 Prozent) im Jugendtreff kombiniert werden. Dort wird ab Anfang Dezember eine Stelle frei. Höltschi hofft, so eher jemanden zu finden.

Alle ins Boot holen

Einfach wird es aber nicht werden, ist er sich bewusst. Denn die betreffende Person betritt in Romanshorn Neuland und muss Aufbauarbeiten leisten. «Wir brauchen jemanden mit Erfahrung», sagt Höltschi.

Der Jugendarbeiter soll die Jugendlichen im öffentlichen Raum aufsuchen, Beziehungsarbeit leisten, Projekte lancieren und eng mit dem Jugendtreff zusammen arbeiten. Wunsch der Gemeinde wäre es, wenn die betreffende Person so schnell als möglich beginnen könnte.

Es gehe nicht nur um die Jugendlichen selber, präzisiert Höltschi. «Unser Ziel ist eine Sozialraum-orientierte Arbeit. Wir müssen alle ins Boot holen.» Also auch Personen, die sich durch Jugendliche auf der Strasse gestört oder sogar bedroht fühlen.

Unterwegs sein wird der Jugendarbeiter sicher im Bahnhof, einer der sozialen Brennpunkte in Romanshorn. «Es gibt Leute, die sich nicht wohl fühlen, wenn sie abends spät mit dem Zug nach Hause kommen und an fünf Jugendlichen vorbeigehen müssen, die mit einer Dose Bier auf einer Bank hocken und sie anpöbeln», sagt Höltschi. Das gleiche Problem stelle sich beim Seepark und beim Parkplatz Holzenstein, wo es immer wieder zu Reklamationen wegen Lärms komme.

Neuen Treffpunkt suchen

Die Lösung bei Konflikten könne ganz verschieden aussehen, sagt Höltschi. Der Jugendarbeiter könne beispielsweise versuchen, die Jugendlichen dazu zu bewegen, einen anderen Treffpunkt zu suchen. In vielen Fällen wäre seiner Meinung nach schon viel erreicht, wenn sie ihr Verhalten ändern würden.

Peter Höltschi, Gemeinderat. (Bild: mso)

Peter Höltschi, Gemeinderat. (Bild: mso)