Die Idee kam aus Büchels Küche

WEINFELDEN. Mit 75 Jahren geht der Weinfelder Architekt Hanspeter Büchel in den Ruhestand. Während eines halben Jahrhunderts hat er die Baugeschichte im Dorf mitgeprägt. Eine seiner ersten Arbeiten war der Saal im Kongresszentrum Thurgauerhof.

Esther Simon
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Der grosse Saal im «Thurgauerhof» in Weinfelden: Auch nach 40 Jahren noch ein beliebter Tagungsort. (Archivbild: Urs Jaudas)

Der grosse Saal im «Thurgauerhof» in Weinfelden: Auch nach 40 Jahren noch ein beliebter Tagungsort. (Archivbild: Urs Jaudas)

Das waren noch Zeiten, als ein paar Männer das Komitee «Weinfelden hilft sich selbst» gründeten. Das Komitee verfolgte den Bau eines Gemeindesaales. Man schrieb das Jahr 1965. Der junge Architekt Hanspeter Büchel war auf der Suche nach Arbeit.

Drei Jahre zuvor, im Januar 1962, hatte Büchel an der Hermannstrasse 8 in Weinfelden sein Architekturbüro eröffnet. Büchel baute ein Studienmodell eines Saales und stellte dieses im Schaufenster der ehemaligen Firma Güntert im Steinhaus am Rathausplatz aus. Ernst Klarer, Präsident der Saalbaukommission, sah das Modell und ernannte Büchel zum Sekretär der Kommission.

Entwerfen und gestalten

Der Rest ist Geschichte: Das Architekturbüro Werner Stücheli aus Zürich errichtete zwischen 1970 und 1972 das Kongresszentrum Thurgauerhof mit Hotel und Einkaufszentrum. Den Saal baute Stücheli nach Büchels Plänen. Und Büchel konnte die Bauführung übernehmen, «eine Aufgabe, die mir später diverse anspruchsvolle Bauführungen einbrachte», wie Büchel im Gespräch mit der Thurgauer Zeitung bemerkt.

Seine grosse Leidenschaft galt zeitlebens dem Entwerfen und der Gestaltung. Büchel verschweigt nicht, dass die ersten Jahre als Architekt in Weinfelden hart gewesen seien. Als Kreuzlinger sei er sehr froh gewesen, dass er zunächst ein paar Aufträge aus der Seeregion habe bearbeiten können. Heute ist er froh, dass er im Dorf geblieben ist.

Betriebszentrum und KVA

In Weinfelden konnte er Eigenheime bauen wie das der Familie Schroff an der Schlosshaldenstrasse, dann aber bald auch öffentliche Bauten erstellen. Als Vorbild dienten ihm die Objekte der Architektin Susy Müller-Gehrig, weil sie mit klaren Strukturen sowie Materialien wie Sichtbeton und Holz arbeitete.

Von 1989 bis 1992 baute Büchel das Betriebszentrum der Kantonalbank in Weinfelden. Auch den Hochbau der Kehrichtverbrennungsanlage errichtete er. In Konkurrenz mit 49 weiteren Büros gewann Büchel den Wettbewerb für den Neubau der Kantonsschule in Romanshorn, den er 1986–88 realisierte. Ein wichtiger Meilenstein seien auch die Renovation und der Umbau der Weinfelder Gemeindeverwaltung gewesen, sagt Büchel. Diese Arbeit trage allerdings bereits die Handschrift seines Sohnes Peter. «Ich habe mich sehr gefreut, als Peter vor 15 Jahren erklärte, er wolle in mein Büro eintreten.»

Nur noch die Post holen

Inzwischen hatte die Büchel GmbH längst ihre Zelte an der Bachtobelstrasse aufgeschlagen, in dem ehemaligen Einmannbetrieb arbeiteten mehrere Leute, und Büchels erster Lehrling, Willy Ebneter, war selber ein bekannter Architekt geworden. Das Büro heisst inzwischen Büchel Neubig Architekten, weil Stefan Neubig aus Konstanz in die Firma eintrat. Als 75-Jähriger und 50 Jahre nach Eröffnung seines Büros in Weinfelden ging Hanspeter Büchel jetzt in den Ruhestand. «Ich hole jetzt nur noch die Post für das Büro.» Sagt's und macht sich auf zum nächsten Termin.

Nach 50 Jahren im Ruhestand: Der Architekt Hanspeter Büchel. (Bild: Esther Simon)

Nach 50 Jahren im Ruhestand: Der Architekt Hanspeter Büchel. (Bild: Esther Simon)

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