Die grosse, kleine digitale Welt im Griff

Alle tun es mit Eifer und Ausdauer, werfen den Blick in die grosse kleine digitale Welt. Sie googeln, googeln und googeln nochmal. Kürzlich war eine Wandergruppe in Weinfelden unterwegs. Den Rucksack geschultert, mit Kniestrumpf um die Beine und Wanderschuhen an den Füssen.

De Wortmetz
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Alle tun es mit Eifer und Ausdauer, werfen den Blick in die grosse kleine digitale Welt. Sie googeln, googeln und googeln nochmal. Kürzlich war eine Wandergruppe in Weinfelden unterwegs. Den Rucksack geschultert, mit Kniestrumpf um die Beine und Wanderschuhen an den Füssen. Ein Dutzend Leute, den Blick zum Boden gerichtet, dachte ich jedenfalls im ersten Moment. Da ich mir aber nicht vorstellen kann, dass die Gehsteige ein Wanderziel, geschweige denn die touristische Hauptattraktion von Weinfelden sein können, schaute ich nochmal genauer hin.

Ein Dutzend Handys, ein Dutzend Blicke darauf. Fragt man dann die Wandersleut', wo sie waren und wie's war, kommen viele Antworten zurück: «Ich war grad in Rom», «ich in Paris», «ich online beim Shoppen», «hab grad Fahrpläne studiert», «so ein Navi ist schon was Tolles!» «Und wo warst du?» – «Ähh, in Weinfelden oder so, glaub ich. Wart ich lad schnell die letzte Route runter, dann kann ich's dir zeigen...»

Bei Beobachtungen dieser Art wird einem bewusst, wie sehr das Internet zum grössten Architekten und Bauherrn der Burg der digitalen Vereinsamung wird. Andauernd bereit zu googeln, andauernd erreichbar, und wehe, es geht mal was nicht. Ein Zeitvertreib für Wartende, doch wehe, der Akku ist leer. Das revolutionäre kleine Gerät wurde zum Burgverlieswächter, ohne dass wir's gemerkt haben. Diese Beobachtung könnte man eigentlich politisch ausschlachten, ich denke da an Wahlen und so.

In diesem Sinne, blickt doch auch mal wieder in die Umgebung, das kann frei machen.

wortmetz@gmx.ch