Die Gretchenfrage

Kommentar

Mario Testa
Drucken
Teilen

Weinfelden, nun sag, wie hast du’s mit der Stadt? So hätte es Goethe wohl formuliert, hätte er sich anstatt mit der Religionszugehörigkeit seines Fausts Anfang des 19. Jahrhunderts mit der Entwicklung von Weinfelden Anfang des 21. Jahrhunderts auseinandersetzen dürfen. Beantworten dürfen diese Frage nun schon bald die Weinfelderinnen und Weinfelder.

Man sollte als Weinfelder Stimmbürger dieser Frage nicht ausweichen – wie Goethes Held es bei Margarete getan hat – und getrost mit Ja antworten. Was haben wir zu verlieren? – nichts. Bis auf die Beschriftung der Gemeindefahrzeuge und Briefköpfe sowie die Bezeichnung von Exekutive und Parlament ändert sich nichts; ausser dass Weinfelden vielleicht etwas selbstbewusster auftreten wird.

Ob man sich kennt und grüsst auf der Strasse, hängt nicht vom Titel ab, den eine Ortschaft ziert. Es hängt davon ab, ob die Menschen freundlich sind und ob die Gemeinde noch ein überschaubares Gebilde ist – und das ist Weinfelden bei über 10000 Einwohnern nicht mehr. Nicht umsonst vergleicht der Gemeindepräsident am Dreikönigstreffen die Zahlen «seines» Weinfeldens jeweils mit Frauenfeld, Kreuzlingen, Arbon und Co. und nicht etwa mit Märstetten, Sirnach oder Bürglen. Die Umbenennung in eine Stadt ist nichts weiter als eine Konsequenz des starken Wachstums, das Weinfelden aufgrund seiner attraktiven Lage, der vielen Arbeitsplätze im Ort und der umfassenden Infrastruktur erlebt hat und weiterhin erlebt.

Mario Testa

mario.testa@thurgauerzeitung.ch

Vorname Name, Ort

xy@xy.ch