Die Gäste kommen wieder

Papyrus-Wirt Raoul Hartmann hat eine Anzeige wegen rauchender Gäste am Hals und muss mit dem Entzug des Patents rechnen. Trotzdem ist er seit langem wieder einigermassen zufrieden.

Markus Schoch
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Nur für Mitglieder offen: Raoul Hartmann hat jetzt wieder mehr Gäste in seiner Bar. (Bild: Jeanette Herzog)

Nur für Mitglieder offen: Raoul Hartmann hat jetzt wieder mehr Gäste in seiner Bar. (Bild: Jeanette Herzog)

romanshorn. Für Raoul Hartmann ist die Welt in Ordnung. «Es stimmt im Moment», sagt der Wirt der Papyrus-Bar an der Alleestrasse in Romanshorn. «Die alte Kundschaft kommt grösstenteils wieder zu mir.»

Im letzten Jahr kehrten plötzlich viele von ihnen nicht mehr bei ihm ein, als sie sich an seiner Theke keine Zigarette mehr anzünden durften. Hartmann hätte es ihnen zwar gerne weiter erlaubt, aber er durfte den Betrieb nicht als Raucherbeiz führen. Die Gemeinde gab ihm aufgrund der Grösse des Lokals keine Bewilligung.

Der Umsatz brach daraufhin um 40 Prozent ein.

«Warte jeden Tag»

Im Dezember gründete der 53-Jährige deshalb nach dem Vorbild des Basler Fümoar-Vereins die Interessengemeinschaft «nicht-öffentlicher Gastrobetriebe», zu denen nur Mitglieder Zutritt haben. Das entscheidende Detail: sie dürfen rauchen. Für Hartmann hat sich der Schritt gelohnt. 350 Personen haben sich mittlerweile bei ihm offiziell eingeschrieben. Die Bar läuft jetzt wieder verhältnismässig gut, sagt der Papyrus-Wirt.

Nach Meinung der Staatsanwaltschaft verstösst Hartmann allerdings gegen das Gesetz. Sie nahm vor ungefähr einem Monat Ermittlungen auf, nachdem die Polizei bei einer Kontrolle Raucher in der Bar angetroffen hatte. Hartmann weiss noch nicht, was ihm blüht. «Ich warte jeden Tag auf einen Brief.»

Maximal 1000 Franken Busse

Wie viel Geduld er noch braucht, lässt sich nicht sagen.

Kurt Brunner von der zuständigen Staatsanwaltschaft Bischofszell will sich nicht auf einen Termin festlegen. Nur so viel sagt er: «Die Verfügung ist in der Pipeline.» Klar ist, dass Hartmann eine Busse erhalten wird. Das Bundesgesetz sieht in seinem Fall maximal 1000 Franken vor.

Hartmann wird das Geld nicht zahlen. Er will von einem Gericht entschieden haben, ob sein Geschäftsmodell tatsächlich gegen das Gesetz verstösst, und zwar möglichst schnell. Muss am Schluss das Bundesgericht entscheiden, wird es allerdings noch lange dauern.

Es droht Patententzug

In der Zwischenzeit kann Hartmann so weitermachen wie bis jetzt. Es sei denn, die Gemeinde Romanshorn schiebt dem Treiben einen Riegel.

Die Gefahr ist real. Die Gemeinde hat Hartmann schon vor vier Wochen angedroht, bei Widerhandlung gegen das Rauchergesetz das Patent zu entziehen.

Im Moment laufen auf der Verwaltung die rechtlichen Abklärungen.

Hartmann wird das Schreiben frühestens in einem Monat in der Post haben, sagt Gemeindeschreiber Thomas Niederberger.

Hartmann nimmt auch das gelassen. Er ist überzeugt, im Recht zu sein.

Ganz alleine

In seinem Kampf steht der Papyrus-Wirt ziemlich alleine da. Von den übrigen Mitgliedern der Interessengemeinschaft erhält er nach eigenen Aussagen kaum Unterstützung. Die hätte er auch nicht erwartet. «Im Moment können sie mir nicht helfen.»

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