«Die Freude ist unsere Motivation»

Die Geschwister Monika und Christof Roell bauen am Boulevard das «Trösch». Sie sind zuversichtlich, dass die Stadt das neue Begegnungszentrum betreiben wird.

Urs Brüschweiler
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Die Geschwister Christof und Monika Roell betrachten auf der Dachterrasse des «Trösch» den Rohbau. (Bild: Andrea Stalder)

Die Geschwister Christof und Monika Roell betrachten auf der Dachterrasse des «Trösch» den Rohbau. (Bild: Andrea Stalder)

Am 10. November entscheidet der Gemeinderat, ob die Stadt Kreuzlingen die Verantwortung für den Betrieb des Begegnungszentrums das «Trösch» übernimmt. Das Haus am Boulevard gehört den Geschwistern Monika und Christof Roell, welche es der Stadt miet- und zinsfrei zur Verfügung stellen. Das Haus befindet sich derzeit im Bau, letzte Woche fand das Aufrichtefest statt. Am 1. April 2017 soll Eröffnung gefeiert werden.

Mit dem Bau des «Tröschs» geht es gut voran. In zwei Wochen steht nun die politische Entscheidung für das Projekt an. Sind Sie etwas nervös angesichts der Abstimmung im Gemeinderat?

Monika Roell: Nein, eigentlich nicht. Ich glaube, es ist ein sehr sorgfältig vorbereitetes Projekt und stimmig in der Umsetzung mit der Stadt. Und ich glaube, das konnten wir auch so vermitteln.

Diese Woche war die vorberatende Kommission des Gemeinderats bei Ihnen auf der Baustelle zu Gast. Wie war die Stimmung?

Christof Roell: Wir haben der Kommission das «Trösch» vorgestellt. Die Gemeinderäte zeigten sich sehr interessiert am Projekt, sowohl am Bau wie an der künftigen Nutzung.

Monika Roell: Sie haben Fragen gestellt, auch Anregungen zum Marketing gegeben, und wir haben sehr positive Reaktionen erhalten.

In der öffentlichen Diskussion tauchen auch kritische Punkte zum künftigen Begegnungszentrum auf. Welche Fragen wurden an Sie herangetragen?

Monika Roell: Es ist immer wieder dieselbe Frage: Was habt ihr für einen Nutzen davon? Unsere Antwort ist, dass wir grosse Freude haben, einen solchen Ort der Begegnung zu schaffen in Kreuzlingen. Das ist unsere Motivation. Wir finden es spannend, ein soziales Projekt gemeinsam mit der Stadt und den Nutzern zu konzipieren, die bauliche Realisierung zu finanzieren und dann mit der Stadt Kreuzlingen umzusetzen. Wir hatten im Übrigen auch nie andere Pläne für diese Liegenschaft.

Christof Roell: Wir haben keinen wirtschaftlichen Nutzen aus diesem Begegnungszentrum.

Ist es frustrierend, dass viele nicht glauben können, dass Sie keine eigennützigen Motive hegen?

Christof Roell: Nein, wir verstehen, dass diese Fragen kommen. Es ist verständlich, dass manche irgendwo einen Pferdefuss erwarten. Den gibt es aber nicht.

Der Gemeinderat entscheidet über einen Kredit von 90 000 Franken pro Jahr über die Dauer von fünf Jahren für den Betrieb des «Tröschs». Wieso kostet es die Stadt Geld, wenn das Haus doch miet- und zinsfrei zur Verfügung gestellt wird und die Mieteinnahmen bei ihr bleiben?

Monika Roell: Wenn das Haus professionell geführt wird und die Räume günstig vermietet werden, kann der Betrieb nicht kostendeckend sein.

Im Trösch entstehen viele neue multifunktionale Räume. Wer soll diese künftig mieten und nutzen?

Monika Roell: Es gibt bereits konkrete Interessenten. Das evangelische Hilfswerk Heks steht bereits als fixer Mieter fest. Mit dem tamilischen Schulverein sind wir in Gesprächen. Die offene Jugendarbeit möchte im Keller ein Aufnahmestudio für Bands einrichten. Und die OJA hat immer wieder Anfragen für Kindergeburtstage, für die unser Haus geeignet wäre. Wir haben auch schon Anfragen von Vereinen erhalten, die gerne ihre Versammlungen hier abhalten möchten.

Christof Roell: Wir müssen aufpassen, dass nicht zu viele der Räume dauerhaft vergeben werden. Das Haus soll vielfältig bleiben und für alle offen stehen.

Monika Roell: Wir fangen mit dem «Trösch» unter anderem den Bedarf auf, der früher vom Zentrum zum Bären abgedeckt wurde. Auf unserer Webseite sind die verfügbaren Räume ersichtlich. Es darf keine gewerbliche Nutzung geben und es wird die Stadt sein, die aufgrund des gemeinsamen Konzepts über die Vermietung entscheidet.

Kann man das «Trösch» auch als Privatperson besuchen?

Monika Roell: Ja, klar. Das Haus soll für alle zugänglich sein. Die unbediente Cafeteria und die Dachterrasse werden ein halböffentlicher Raum. Man kann über Mittag zum Beispiel sein mitgebrachtes Sandwich dort essen.

Man hört von einer Unterstützungsgruppe für das Projekt, die IG das Trösch. Wer steckt da dahinter?

Monika Roell: Das sind einige Persönlichkeiten, die wir um Beratung und Unterstützung angefragt haben. Dabei sind zum Beispiel Karl Kohli vom Agathu, Treuhänderin Suzana Lepen, Ex–Gemeinderat Sven Frauenfelder und viele andere. Einige Mitglieder der IG könnten im späteren Betrieb beratend mitwirken. Es ist geplant, dass ein Vertreter der Gruppe Einsitz in der Betriebskommission nimmt.

Was passiert eigentlich mit dem Gebäude, wenn der Gemeinderat Nein sagt? Gibt es einen Plan B?

Christof Roell: Nein, es gibt keinen Plan B. Wir sind überzeugt, dass es ein rundes Projekt ist, und wir haben das Haus explizit für diese Anforderungen gestaltet und haben mit der Stadt Kreuzlingen den richtigen Partner.