Die Flyer blieben liegen

AMRISWIL. Die Gewerkschaft Unia protestierte gestern beim Kaffeemaschinenhersteller Eugster-Frismag in Amriswil gegen tiefe Löhne – mit wenig Erfolg.

Kaspar Enz
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Ein Gewerkschafter wartet vor der Eugster-Frismag auf Mitarbeitende. (Bild: Reto Martin)

Ein Gewerkschafter wartet vor der Eugster-Frismag auf Mitarbeitende. (Bild: Reto Martin)

«Schluss mit dem Lohnskandal» steht auf dem Transparent, das drei Gewerkschafter beim Eingang der Eugster-Frismag aufgehängt haben. Es bleibt nur wenige Minuten hängen. Zwei Mitarbeitende des Unternehmens weisen die Unia-Mitglieder an, sich vom Firmengrundstück zu entfernen und das Plakat mitzunehmen.

So stehen Erich Kramer, Sektionsleiter Thurgau der Unia, und seine fünf Mitstreiter vor dem Gebäude der Eugster-Frismag und warten auf Mitarbeitende, denen sie ihre Flyer verteilen können. «Schluss mit schlechten Löhnen» steht drauf. Das Unternehmen mit rund 800 Mitarbeitenden im Oberthurgau und im st. gallischen Neuhaus zahle Monatslöhne zwischen 3000 und 3300 Franken – entsprechende Lohnabrechnungen lägen vor. «Eindeutig zu wenig», sagt Kramer. 4000 Franken Mindestlohn fordert er, wie es auch die Initiative der Gewerkschaften tut. Ausserdem gebe es beim Kaffeemaschinenhersteller keine Betriebskommission. «Ich kenne kein ähnlich grosses Unternehmen, wo das so ist.» Er fordert von der Geschäftsleitung ein Gespräch mit der Gewerkschaft. Bisher sei die Unia auf taube Ohren gestossen.

Vor allem ungelernte Frauen

«Wir bezahlen leistungsbezogene Löhne», erwidert die Eugster-Frismag am Nachmittag in einer Mitteilung. Die Löhne seien kaum mit anderen Unternehmen zu vergleichen.

Praktisch alle ähnlich gelagerten Firmen würden infolge der hohen Lohnkosten nicht mehr in der Schweiz produzieren. «Wir halten aber aus Loyalität an unseren Mitarbeitenden fest», heisst es in der Mitteilung weiter. Bei den Mitarbeitenden handle es sich vor allem um ungelernte Frauen mit wenig Deutschkenntnissen, teilt die Eugster-Frismag mit. Die Zahlen der Unia seien zu tief und entsprächen nicht der Wahrheit.

Mitarbeitende organisieren

Eine gute Stunde harren die Gewerkschafter vor der Eugster-Frismag in Amriswil aus. Kaum jemand geht in dieser Zeit ein oder aus. Das Unternehmen war vorgewarnt, vermutet einer von ihnen: Bereits am Morgen protestierte die Unia vor dem Werk in Neuhaus. Da sei es noch gut gelaufen. In Amriswil bleiben die Flyer in den Schachteln. Erich Kramer bricht die Aktion ab. Es soll aber nicht die letzte sein. «Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, die Mitarbeitenden zu organisieren.»

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