Die Eidgenossen erhielten für ihre «Gunsterweisungen» viel Geld

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Das wichtigste Dokument über das Weinfelder Marktwesen befindet sich im Bürgerarchiv. Es ist eine Urkunde, die beweist, dass die Eidgenossen – als damalige Landesherren – am 21. Juni 1567, also vor genau 450 Jahren, den Weinfeldern die Durchführung eines Wochenmarktes gewährten, ihnen also das Marktrecht verliehen. Die Eidgenossen hätten damit aber nur einen uralten Zustand bestätigt, schreibt der Lokalhistoriker Hermann Lei (1910–2006) in seinem Weinfelder Buch. Denn schon seit Urzeiten hätten die Märstetter und die Wigoltinger ihr Korn, ihren Haber und ihre Früchte an den Weinfelder Märkten angeboten. Der amtlichen Bewilligung war allerdings ein jahrzehntelanges Warten vorausgegangen. Die Urkunde wurde erst 53 Jahre nach dem ersten Gesuch ausgestellt. Die Weinfelder waren sich der Tragweite des Beschlusses umso mehr bewusst. Nicht umsonst verewigten sie dieses Ereignis in einer Inschrift in der Kuppel des 1567 erbauten Kirchturmes. Der Markt brachte nicht nur den Handwerkern und Wirten, sondern auch der Gemeinde beträchtliche Einnahmen. Und: «Der Markt machte Weinfelden erst richtig zum Zentrum des mittleren Thurgaus», schreibt Hermann Lei. Jahre später gewährten die Eidgenossen den Weinfeldern auch einen grossen Mai- und Septembermarkt, wobei sich die Landesherren diese «Gunsterweisungen» recht gut bezahlen liessen. Die Kosten für den Mai- und den Septembermarkt betrugen gemäss Lei etwa vier Jahreslöhne eines Zimmermannes. (es.)