Die Dragoner sitzen hoch zu Ross

An der Dragonerjagd in Sulgen nahmen rund 40 berittene Kameraden der ehemaligen Ostschweizer Kavallerie sowie über 100 Teilnehmer in Kutschen teil. Sie genossen den gemeinsamen Samstag und schwelgten in vergangenen Zeiten – die Kavallerie wurde 1972 aufgelöst.

Daniela Ebinger
Drucken
Teilen
Beritten oder mit der Kutsche ging es nach Bürglen.

Beritten oder mit der Kutsche ging es nach Bürglen.

SULGEN. Mit einem Schulterklopfen begrüssen sich die meist älteren Herren in Militäruniform mit den Worten: «Riitisch no – springsch no oder fahrsch immer no.» Mit Stolz ziehen die Kameraden der ehemaligen Ostschweizer Kavallerie ihre Uniform an den speziellen Anlässen der Dragoner an. Der eine oder andere sattelt heute sein Pferd. In Sulgen nehmen an der Dragonerjagd rund 40 Berittene teil.

Der Reitverein Sulgen und Umgebung organisiert den Anlass an dem über 100 Train-Angehörige und Gäste teilnehmen. Sie fahren in Kutschen die Thur entlang, über Feldwege und durch den Wald in Richtung Bürglen und wieder zurück nach Sulgen.

Sprünge auf der Wiese

Nach kurzem Aufwärmen hat die berittene Truppe die Möglichkeit, auf einer Wiese einige Sprünge zu absolvieren. Obwohl der Boden ziemlich nass und damit tief war, liess praktisch kein Dragoner die Hindernisse aus. Die Teilnehmer in den Kutschen verfolgen das Schauspiel gespannt. Auch Hans Süess. Normalerweise nimmt der 84jährige an den Anlässen der Kavallerie beritten teil. «Heute ist mir der Boden zu nass und mein Pferd ist nicht mehr das jüngste», sagt der Mann aus Wil. Reiten ist für ihn Erholung und Vergnügen in der schönen Natur. Die Kavallerie bedeutet ihm viel. «Sie bot schon immer eine tolle Kameradschaft, hatte eine gesunde politische Einstellung und lebt ihre Tradition bis heute.»

Seinen letzten Dienst absolvierte er mit und auf seinem Eidgenoss im Jahr 1961. Elf Jahre später wurde die Schweizer Kavallerie abgeschafft. Die Schweiz war damit eines der letzten Länder in Europa. Mit gemeinsamen Vorführungen und Anlässen lassen die Herren die Erinnerungen der Reiterei in der Armee jeweils hochleben.

Ebenso in der Kutsche sitzt Ferdi Häberli, auch er ein ehemaliger Dragoner. Der Mann aus Weinfelden erzählt, wie er seinen Eidgenoss bald nach der Auflösung im Jahre 1972 aus gesundheitlichen Gründen erlösen musste. Damit gab er das Reiten auf.

Chörli unterstützt Bügeltrunk

Angekommen auf dem Schlossplatz in Bürglen erhält jeder Reiter einen sogenannten Bügeltrunk. Dabei liess es sich das Dragoner-Chörli nicht nehmen, die fröhliche Stimmung mit Liedern zu unterstützen.

Stolz sitzt Armin Meili auf seinem fünfeinhalbjährigen Pferd Da Vinci. Der 69-Jährige wuchs mit Pferden auf. «Richtig zu reiten begann ich erst in der RS im Jahr 1964», sagt der Mann aus Muolen und erzählt, wie ihm sein Eidgenoss Ziris mit der Registriernummer 2463 acht Jahre lang treu gedient hat. Mit seinem Pferd machte er die Unteroffiziersschule und alle WK.

«Ziri war ein guter Springer und wir nahmen oft an Concours teil», schwärmt Meili. Die Teilnehmer reisten damals nicht mit Anhängern an Turniere. Meili erzählt, wie sie meist zu den Turnieren geritten seien, mit der Kutsche gefahren oder sich gesammelt mit einem Lastwagen transportieren liessen.

Die heutigen Veranstaltungen der Dragoner besucht Meili so oft wie nur möglich. Im Verein Schwadron 21 ist er Präsident. Armin Meili sitzt regelmässig zwei- bis dreimal in der Woche im Sattel und geniesst dabei die Ruhe in der Natur.

Mehr Arbeit auf dem Hof erledigt Alfred Schmid als er Zeit im Sattel verbringt: «Wir hatten immer Pferde zu Hause und bereits mein Vater war bei der Kavallerie», sagt der 71-Jährige. Er finde es wertvoll, die Tradition aufrechtzuerhalten. Der Mann aus Zezikon mag sich noch gut erinnern, wie früher mit den Tieren auf dem Feld gearbeitet wurde. Einen Traktor oder ein Auto gab es bei ihm im Betrieb nicht. So gingen sie am Abend auch mit den Pferden in den Ausgang. «Da gab es immer mal wieder, dass es so spät wurde und die Pferde keinen Mist im Stall ablegen konnten», sagt der ehemalige Dragoner mit einem Lächeln.

Dragoner unterwegs: Los geht's! (Bilder: Daniela Ebinger)

Dragoner unterwegs: Los geht's! (Bilder: Daniela Ebinger)

Aktuelle Nachrichten