Die Braut kommt aus Sulgen

WEINFELDEN. Die Raiffeisenbank Regio Weinfelden und die Raiffeisenbank Sulgen planen den Zusammenschluss auf Anfang 2014. Das letzte Wort haben die rund 9500 Genossenschafterinnen und Genossenschafter.

Esther Simon
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Im Wirtschaftsraum Mittelthurgau entsteht 2014 möglicherweise ein Bankeninstitut mit einer Bilanzsumme von einer Milliarde Franken und rund 10 000 Genossenschaftern. Das Szenario lautet: Zusammenschluss der Raiffeisenbank Regio Weinfelden mit der Raiffeisenbank Sulgen. Caspar Brüllmann, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Regio Weinfelden, bestätigte gestern gegenüber der Thurgauer Zeitung, dass die beiden Bankinstitute eine gemeinsame Zukunft prüfen.

Bank sucht neuen Leiter

Ausschlaggebend für die geplante Fusion seien einerseits strategische Überlegungen gewesen, sagt Brüllmann: «Die Bankenwelt sieht sich mit gewaltigen Herausforderungen konfrontiert, die hohe Investitionen auslösen und zu einem steigenden Kostendruck führen.»

Andererseits beschleunigten zwei Änderungen im personellen Bereich den Fusionsgedanken zusätzlich: In Sulgen geht der langjährige Bankleiter Josef Gschwend in Pension, am Sitz in Weinfelden habe sich Heinz Bernet von seiner Aufgabe als Bankleiter entlasten wollen, sagt Brüllmann. Bernet wird nun wieder Geschäftsstellenleiter der Raiffeisenbank in Bürglen. Per Inserat sucht die Raiffeisenbank Regio Weinfelden bereits einen neuen Vorsitzenden der Bankleitung.

Kein Stellenabbau geplant

Der Hauptsitz des neuen Bankinstitutes, das voraussichtlich Raiffeisenbank Mittelthurgau heisst, wird sich in Weinfelden befinden. Ein Personalabbau sei nicht geplant, sagt Brüllmann, «die Geschäftsstellen in Bürglen, Weinfelden, Sulgen und Schönholzerswilen bleiben bestehen». Die Raiffeisenbank in Sulgen sei ein alteingesessenes und gutsituiertes Institut, die Raiffeisenbank in Weinfelden die jüngste im Kanton, sagt Brüllmann: «Da ist noch ein gewaltiges Potenzial vorhanden.»

Das sieht auch Ernst Züblin, seit 20 Jahren Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Sulgen, so. Mit der Fusion würde sich sein Einzugsgebiet von derzeit etwa 9000 auf 30 000 Personen schlagartig vergrössern. Züblin: «Es handelt sich um einen strategischen Entscheid. Es ist richtig, dass wir die Bank stärken. Entscheidend wird auch in Zukunft sein, am Kunden zu bleiben.»

Verwaltungsräte stimmten zu

Die Nähe zu den Kunden behalten, das will auch Caspar Brüllmann: «Wir wollen jene Lösung anstreben, die Genossenschaftern und Kunden langfristig den höchsten Nutzen bringt. Diese Überzeugung stand immer im Zentrum unserer Überlegungen.» Die Verwaltungsräte beider Banken hätten dem Zusammenschluss bereits zugestimmt, sagt Brüllmann.

Genossenschafter stimmen ab

Das letzte Wort haben die Genossenschafterinnen und Genossenschafter. An der Generalversammlung 2014 sollen sie über die geplante Fusion abstimmen. In einem nächsten Schritt werden die detaillierten Modalitäten des Zusammenschlusses ausgearbeitet. Die Fusion soll rückwirkend auf den 1. Januar 2014 in Kraft treten. Zuvor wollen die beiden Banken ihre Genossenschafter persönlich über den aktuellen Stand der Dinge informieren, im Herbst 2013 ist eine separate Orientierungsversammlung geplant.

Bald verlobt: Die Raiffeisenbank Sulgen an der Bahnhofstrasse 16 in Sulgen und die Raiffeisenbank Regio Weinfelden beim Weinfelder Bahnhof. (Bilder: Georg Stelzner)

Bald verlobt: Die Raiffeisenbank Sulgen an der Bahnhofstrasse 16 in Sulgen und die Raiffeisenbank Regio Weinfelden beim Weinfelder Bahnhof. (Bilder: Georg Stelzner)