Die Bewohner sind immer füreinander da

Ab September leiten Ruth und Adrian Schenk die Wohngemeinschaft Hebron in Erlen. Die Einrichtung begleitet Personen, die aus unterschiedlichen Gründen Schutz suchen, in die Eigenständigkeit. Das neue Leiterpaar gewährt der Öffentlichkeit Ende September einen Einblick in die aussergewöhnliche Institution.

Hannelore Bruderer
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Esther Haueis, Präsidentin des Vereins Arbeitsgemeinschaft Hebron, und das Leiterpaar Ruth und Adrian Schenk. (Bild: Hannelore Bruderer)

Esther Haueis, Präsidentin des Vereins Arbeitsgemeinschaft Hebron, und das Leiterpaar Ruth und Adrian Schenk. (Bild: Hannelore Bruderer)

ERLEN. Es gibt verschiedene Gründe, warum Menschen um einen betreuten Platz in die Wohngemeinschaft Hebron ansuchen. «Es sind Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen, die ihren Halt in der Gesellschaft verloren haben und nicht mehr alleine wohnen können», erklärt Adrian Schenk. «Wir begleiten und unterstützen diese Leute, damit sie wieder in die Eigenständigkeit zurückfinden.»

Tätigkeit reduziert

Nach über zwei Jahrzehnten kommt es in der Wohngemeinschaft des Vereins Arbeitsgemeinschaft Hebron zu einem Leiterwechsel. Seit der Gründung haben Ursula Zwahlen und Anita Bratschi das Haus geführt. Unterstützt wurden sie dabei von Urs und Monika Gasser.

Aufgrund der Neuorientierung und der Suche nach einem neuen Leiterpaar ist die Arbeit im Haus Hebron im vergangenen Jahr reduziert worden. Im markanten Gebäude an der Hauptstrasse 46 ist es daher aussergewöhnlich still. Im Flur zur Leiterwohnung warten einige Umzugskartons darauf, dass sie ausgepackt werden.

Tradition und Neubeginn

Ruth und Adrian Schenk schlagen ein neues Kapitel im grossen Haus gegenüber der Kirche auf. Ab 1. September übernehmen sie die Leitung der Wohngemeinschaft. Obwohl sie das Haus im gleichen Sinne weiterführen werden, erfährt die Institution auch einige Neuerungen. Die vier betreuten Plätze, die das Haus Hebron anbietet, stehen neu auch Männern offen. Einer der Plätze soll weiterhin einer alleinerziehenden Person mit Kind zur Verfügung stehen.

Dies sei ihren Vorgängerinnen besonders am Herzen gelegen, sagen Adrian und Ruth Schenk, die diese Tradition gerne weiterführen werden. Neu ist ebenfalls, dass weitere Zimmer an Personen vermietet werden, die keine Betreuung benötigen, sich jedoch gerne einer Wohngemeinschaft anschliessen möchten. Denn an Platz mangelt es in dem grossen Gebäude nicht.

Adrian Schenk hat eine handwerkliche Grundausbildung und studierte danach Theologie. Er arbeitet mit einem 60-Prozent-Pensum als Projektleiter und in der Administration bei einem Unternehmen in Teufen.

Ruth Schenk ist gelernte Pflegefachfrau und Sozialarbeiterin. Sie ist mit einem 40-Prozent-Pensum von Spital Thurgau als Sozialarbeiterin angestellt. Adrian und Ruth Schenk bringen Erfahrung in der Begleitung von Menschen auf ihrem Lebensweg aus dem In- und Ausland mit.

In die Wohngemeinschaft Hebron aufgenommen werden nur Personen mit einer geregelten Tagesstruktur, da die Wohngemeinschaft keine Rund-um-die-Uhr-Betreuung anbietet. Wer sich für einen Platz im Haus interessiert, wird erst zu Schnuppertagen eingeladen. So wird geschaut, ob die neue Person sich in der Gruppe und die Gruppe sich mit der neuen Person wohl fühlt. Die Mitglieder der Wohngemeinschaft kochen zusammen in der Gemeinschaftsküche, führen den Haushalt gemeinsam und pflegen den Umschwung ums Haus – Kurzum: Sie sind füreinander da.

Das Leiterpaar unterstützt sie in praktischen Dingen wie etwa bei administrativen Belangen und bei der Erstellung des eigenen Budgets. «In persönlichen Gesprächen stärken wir die Bewohner, damit sie den Alltag besser bewältigen können. Das Ziel ist immer, dass Personen, welche den Schutz der Wohngemeinschaft suchen, festen Boden unter den Füssen haben, damit sie ihr Leben wieder eigenständig führen können», erklärt Adrian Schenk. «Reicht dazu unsere Arbeit nicht, nehmen wir Hilfe von Spezialisten in Anspruch.»

Gegen den Trend

Mit der Wohngemeinschaft, die als Basis für das Zusammenleben und gemeinsames Schaffen dient, schwimmt das Haus Hebron gegen den Trend der zunehmenden Individualisierung. Dass die neue Tätigkeit auch viele Herausforderungen bringt, ist dem Ehepaar bewusst. Ruth Schenk sagt: «Speziell ist, dass sich in dieser Wohnform Informelles mit Formellem mischt. Da ist zum einen die professionelle Betreuung und zum anderen das private Zusammensein. Für uns und alle anderen ebenfalls neu sein wird die Kombination aus Betreuten und Mietern, die alle unter dem selben Dach leben.» Ebenso wichtig wie das Zusammenleben sei, dass die Wohngemeinschaft auch ihr Kontaktnetz nach aussen pflegt, betont Ruth Schenk.

Tage der offenen Tür

Ein erster Schritt dazu sind die Tage der offenen Tür, die zugleich den Start in eine neue Ära der Wohngemeinschaft Hebron markieren. Sie finden vom Freitag, 25., bis Sonntag, 27. September, statt. Sind am Freitag die Vertreter der Gemeinde und anderer Institutionen eingeladen, erhält die breite Öffentlichkeit am Samstag und Sonntag einen Einblick in das Haus Hebron.

www.wohngemeinschaft-hebron.ch