Die Bahn bewegt die Gemüter

Erfolg für die Volkshochschule Weinfelden: Über 100 Zuhörer kamen zu den Vorträgen über das 100jährige Bestehen der Bahnstrecke im Mittelthurgau.

Margrith Pfister-Kübler
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Die Referenten Georg Strasser und Michael Mente. (Bild: kü.)

Die Referenten Georg Strasser und Michael Mente. (Bild: kü.)

WEINFELDEN. Die Strecke der Mittelthurgaubahn (MThB) von Wil über Weinfelden nach Kreuzlingen feiert im Dezember ihr 100jähriges Bestehen. Das Streckenjubiläum wird mit vier verschiedenen Veranstaltungen gefeiert (die Thurgauer Zeitung berichtete). Den Auftakt machte am Dienstagabend die Volkshochschule Weinfelden: Unter dem Titel «Kennt keine Grenzen – 100 Jahre Mittelthurgau-Bahn-Strecke» lud sie zu Vorträgen ins Berufsbildungszentrum ein.

Bahnfreaks kamen in Scharen

Dieter Meile, Präsident der Volkshochschule, traute seinen Augen nicht. Die Bahnfreaks kamen in Scharen; es mussten ständig Stühle hereingetragen werden. Zuletzt waren es über hundert Zuhörer.

Gemeinderat Valentin Hasler bestätigte zur Begrüssung: «Die MThB ist mit Emotionen verbunden.» So ist es. Der 35jährige Historiker Michael Mente, der in Weinfelden aufgewachsen ist und in Zürich arbeitet, präsentierte eine spannende Dokumentation, die nahezu die gesamte Entwicklung der MThB, über die Grenzen hinaus über Konstanz nach Süddeutschland bis zur Seelinie, aufzeigte.

Ein Innovationsmotor

«Diese Bahn ist eines der ältesten grenzüberschreitenden Projekte im öffentlichen Verkehr; sie war damit ein eigentlicher Innovationsmotor des Kantons Thurgau», betonte Mente. Der Schock war gross, als vor knapp zehn Jahren die MThB vor dem Konkurs stand. Wo einst tonnenschwere Kolosse dampften und später moderne Triebwagen fuhren, rollt heute die Thurbo.

Echte Pionierarbeit

Mente zeigte auf, dass der MThB-Aufbau, in Relation gesetzt zum Wagemut der heutigen Zeit, echte Pionierarbeit war. Er belegte seinen Vortrag mit historischen Aufnahmen und Reportagen aus der Thurgauer Zeitung. Dabei setzte er nicht auf historische Rosinenpickerei, sondern bot Fakten, vom Wagemut bis zur Schieflage der MThB, der «Swissair des Thurgaus», bis hin zur Vernunftehe mit den SBB. Dazu Anekdoten und Erinnerungen an eine Bahn, die am 18. Dezember 1911 offiziell eröffnet wurde und die es nicht mehr gibt. Die Ideen der Begründer haben überlebt.

Beeindruckt war das Publikum von den Baubildern der drei Viadukte zwischen Weinfelden und Konstanz, erbaut vorwiegend von Italienern.

Langanhaltender Applaus

Georg Strasser aus Kreuzlingen, früher Lehrer am Berufsbildungszentrum, erzählte aus seinen Zeiten als MThB-Passagier. Er liess die Bahnpost Kreuzlingen-Wil wieder aufleben, dokumentierte seine Ausführungen mit Stempeln und Briefmarken und würzte alles mit Geschichten. Das Publikum dankte mit langanhaltendem Applaus.

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