Die Alten richten es für die Jungen

Er war vor fünf Jahren, damals 19, als Jüngster in das Stadtparlament gewählt worden. Und der Jungsozialist Felix Heller ist als Mitglied der Fraktion von SP und Gewerkschaften auch nach den Erneuerungswahlen als gereifter Politiker immer noch jüngster Volksvertreter.

Max Eichenberger
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Er war vor fünf Jahren, damals 19, als Jüngster in das Stadtparlament gewählt worden. Und der Jungsozialist Felix Heller ist als Mitglied der Fraktion von SP und Gewerkschaften auch nach den Erneuerungswahlen als gereifter Politiker immer noch jüngster Volksvertreter. Da sieht er sich weiter in der Pflicht, seine Stimme für die Jungen zu erheben.

Hoffnungslos überaltert

Und das tut der Jungpolitiker und Sohn von Altpolitiker Riquet Heller, dessen Gene er zwar hat, aber ein anderes Parteibuch und sich selbstredend auch altersmässig vom Vater unterscheidet, denn auch nach Kräften und wo sich Gelegenheit bietet. So auch in der grundsätzlichen Frage, wie die Fachkommission für Jugendfragen zusammengesetzt sein soll.

Jüngst hat er die Mitgliederliste im Jahresbericht der Stadt einmal durchgesehen und zu seinem Missfallen festgestellt, dass die Kommission hoffnungslos überaltert ist: «Der Altersdurchschnitt dürfte 50 sein – wenn nicht darüber liegen.» Woraus Heller düpiert folgert: «Die Vertretung ist unausgewogen. Die Jugend ist mit keiner einzigen Stimme direkt vertreten. Das ist mir unverständlich.» Die Besetzung sei ebenso unsinnig, wie es wäre, holte der eloquente Jungpolitiker zu einem Vergleich aus, «wenn in der Kommission für Altersfragen nur Junge vertreten wären» – also keine Direktbetroffenen. Mit leicht gequältem Schmunzeln hat der zuständige Stadtrat Hans-Ulrich Züllig den «originellen Beitrag» zu seiner Linken – wohl aus seiner Sicht auch noch leicht grünen Seite – entgegengenommen.

Nicht willkürlich

Züllig hat begründet, warum «reifere Persönlichkeiten» in der Kommission für Jugendfragen Einsitz haben, «die zweimal jährlich zwei Stunden im Sozialamt zu einem runden Tisch zusammensitzen». Was immerhin andeutet, welche immense Arbeit darin geleistet wird. Es handle sich «nicht um eine willkürlich zusammengestellte Truppe». Vielmehr um «Personen, die Institutionen vertreten, die sich in der Stadt für Jugendfragen einsetzen: wie Schulen, die Interessengemeinschaft Sport, die Stiftung Perspektive, die Kirchen, die Kinder- und Jugendarbeit der Stadt».

Hotspots: Sprache der Jugend

Der Stadtrat vertraue darauf, so sagt der Sozialminister, «dass die Institutionen kompetente Vertreter delegieren». Am runden Tisch stünden, so Züllig, auch nichtprogrammatische Fragen im Vordergrund. Es gehe darum, die Vernetzung der Institutionen in der «Respektstadt Arbon» sicherzustellen – und sich «ein Bild über gesellschaftspolitische Bedürfnisse der Jugend in der Stadt und deren Umfeld zu machen». Solche Vereine und Institutionen hätten mit Jugendlichen zu tun. So kennten etwa die sogenannt «Aufsuchenden der Jugendarbeit» die Hotspots der Jugend in Arbon. Der neue Skatepark zeige im übrigen exemplarisch, dass auch der Stadtrat, der neben Züllig mit Konrad Brühwiler in der Kommission vertreten ist, ein Ohr und ein Herz für Junge hat. Am Anfang jener langen Geschichten standen Jugendliche, die eine Petition lanciert hatten.

Der Schnitt geht runter

Felix Heller dürfte zwischenzeitlich mit grosser Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, dass die Jugendkommission – neu sind Roland Hehli und Eveline Wälti von den Arboner Schulgemeinden dabei – eine Blutauffrischung erfahren hat und der Altersdurchschnitt, wenn auch minim, gesunken ist.