Dialog auf Augenhöhe

Der Gemeinderat ermuntert junge Einwohner, sich vermehrt an der Gestaltung ihres Wohnorts zu beteiligen. Er ruft zu diesem Zweck das Projekt «Jugendpartizipation» ins Leben.

Georg Stelzner
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Der Theaterverein startete mit einem Theaterkurs in die neue Saison, durchgeführt von Coach Cyrille-Richard Marty. Seit Mitte Januar wird wieder fleissig für die Aufführungen geprobt, die neu im Juni stattfinden. (Bild: Georg Stelzner)

Der Theaterverein startete mit einem Theaterkurs in die neue Saison, durchgeführt von Coach Cyrille-Richard Marty. Seit Mitte Januar wird wieder fleissig für die Aufführungen geprobt, die neu im Juni stattfinden. (Bild: Georg Stelzner)

Georg Stelzner

georg.stelzner@thurgauerzeitung.ch

Paul Stahlberg, im Gemeinderat Kradolf-Schönenberg für das Ressort «Gesellschaft, Integration und Bildung» verantwortlich, ist erleichtert. Die Behörde hat an der Sitzung vom vergangenen Dienstag grünes Licht für die Realisierung des Projekts «Jugendpartizipation» gegeben. Damit soll erreicht werden, dass Jugendliche und junge Erwachsene vermehrt Einfluss auf die kommunale Politik nehmen.

Dem Projekt liegt laut Stahlberg die Überlegung zugrunde, dass gerade die junge Generation mit den Konsequenzen heutiger Entscheidungen unmittelbar konfrontiert sein wird. «Die Angehörigen dieser Altersgruppe sind stark betroffen, weshalb ich sie ins Boot holen möchte», sagt Stahlberg. Es sei sinnvoll und ganz im Sinne des kommunalen Leitbildes, diese Einwohner in die politischen Prozesse einzubeziehen. Erste Kontakte habe er bereits geknüpft, unter anderem beim Neujahrsapéro, sagt der SP-Gemeinderat. Er freut sich, dass es bereits eine Kerngruppe von zehn Personen gibt, die Interesse an der Idee bekundet.

Herkömmliche Methoden bringen nicht viel

Gemeindepräsident Heinz Keller unterstützt Stahlbergs Initiative. «Ich stehe voll hinter dem Projekt, denn ich bin der Meinung, dass junge Leute im Prinzip nicht uninteressiert an der Gemeindepolitik sind.» Die Erfahrung zeige aber, dass unkonventionelle Wege beschritten werden müssten, um dieses Interesse zu wecken. Viele Jugendliche wollten keine Verpflichtung eingehen, und an einer Gemeindeversammlung das Wort zu ergreifen, sei auch nicht jedermanns Sache. Man habe sich daher etwas Neues einfallen lassen müssen.

Ein erster Schritt war die Kontaktaufnahme mit der Zielgruppe mittels Facebook. Laut Stahlberg haben den betreffenden Internetauftritt schon 230 Personen gesehen. Zur persönlichen Begegnung zwischen den Mitgliedern des Gemeinderates und Vertretern der jungen Generation soll es nach den Worten Stahlbergs im Rahmen eines ungezwungenen Treffens zu kommen. «Wir möchten den Angehörigen dieser Altersgruppe eine Plattform für eigene Ideen und Anregungen, aber auch für kritische Voten bieten», erläutert Stahlberg.

David Mathys aus Kradolf, Detailhandelsfachmann im ersten Lehrjahr, begrüsst dieses Angebot: «Ich habe mich bisher kaum mit Politik befasst, könnte mir aber vorstellen, dass dieses Projekt mein Interesse steigern wird.» Wenn er Zeit habe, werde er am Treffen teilnehmen.

Stahlberg hofft, dass noch viele andere junge Einwohner aus Kradolf-Schönenberg diese positive Einstellung gegenüber seiner Idee an den Tag legen werden. Als Erfolg würde er es werten, wenn am Ende die Erkenntnis stünde, dass eine jährliche Wiederholung wertvoll wäre.

Jugendliche wollen ernst genommen werden

«Der Eindruck, dass es sich um eine Alibiübung handelt, muss unbedingt vermieden werden», betont Stahlberg – wissend, dass das ambitionierte Vorhaben nur funktionieren kann, wenn man sich gegenseitig ernst nimmt. Angestrebt werde denn auch ein Dialog auf Augenhöhe. Stahlberg verspricht, dass sich der Gemeinderat verpflichtet fühlen werde, überzeugende Ideen mit Sub-stanz auch umzusetzen.

Hinweis

Laufende Informationen über das Projekt auf Facebook unter dem Stichwort «Jugendpartizipation Kradolf-Schönenberg».