Der weite Weg zum Abfallkübel

Kirchgänger und Anwohner sind es gewohnt: Jeden Sonntagmorgen liegt am Bahnhof Bischofszell Abfall herum, am Abend zuvor heulen Motoren auf. Lösungsvorschläge hätte der Stadtrat einige, doch nur Bussen sind wirkungsvoll.

Andrea Kern
Drucken
Teilen
Dosen, Bierflaschen und Karton: Sonntagmorgen auf dem Parkplatz beim Bahnhof Bischofszell. (Bild: pd/Fredy Halter)

Dosen, Bierflaschen und Karton: Sonntagmorgen auf dem Parkplatz beim Bahnhof Bischofszell. (Bild: pd/Fredy Halter)

Bischofszell. Zerdrückte Dosen, leere Bierflaschen und Kartons liegen verstreut auf dem Parkplatz beim Bahnhof Bischofszell: Was eine Ausnahme nach einem Strassenfest vermuten lässt, ist aber Alltag. Zumindest am Wochenende. «Jeden Sonntagmorgen das gleiche Bild, Kirchgänger, Bahnbenützer und Touristen schütteln verständnislos den Kopf und ärgern sich über die Sauordnung», beschreibt TZ-Leser Fredy Halter die Situation am Bahnhof.

Alufelgen bewundern

Dies zeuge von einer traurigen charakterlichen Einstellung zu den Mitmenschen und der Umwelt, bemerkt Fredy Halter. «Die jugendlichen Autofreaks stellen ihre aufgemotzten und blitzblanken Boliden zur Schau. Dann werden die Alufelgen, die Breitwandgummis und die Heckspoiler bestaunt und bewertet», schildert er das Geschehen. Nein, dagegen habe er eigentlich nichts. «Jeder soll auf seine Art glücklich sein, und es wäre falsch, alle in den gleichen Topf zu werfen.» Schliesslich sei auch er mal jung gewesen. «Und auch wir waren stolz auf unsere Autos», fügt er an.

«Lösungsansätze gäbe es»

Doch etwas stört Fredy Halter gewaltig: Dass die leeren Cola-Büchsen und Bierflaschen nebst Gebinden und Pizza-Kartons einfach auf den Boden geschmissen und liegen gelassen werden. «Das ist inakzeptabel und offenbart ein bedenkliches Niveau.» Diese Schweinerei passe so gar nicht zum schönen Bischofszell. Hinzu komme der Lärm am Abend zuvor. «Ich kenne jemanden, der gegenüber dem Parkplatz wohnt. Der Lärm der jungen Typen sei unerträglich.»

Für Fredy Halter ist deshalb klar: «Lösungsansätze gäbe es.» Er nennt regelmässige Kontrollen, notfalls per Videoüberwachung. «Und bei Zuwiderhandlung drastische Bussenverfügungen gegen die Übeltäter. Die gesetzlichen Grundlagen sind vorhanden.»

Verpackung von Fastfood

Die Stadt ist sich der Lärm- und Abfallproblematik am Bahnhof Bischofszell bewusst, wie die zuständigen Stadträte Fritz Hochstrasser und Armin Bolliger bestätigen. Trotzdem wird der Parkplatz laut Bolliger, Ressort Umwelt, aus finanziellen Gründen nur manchmal bereits am Sonntag gesäubert. «Die Werkhofmitarbeiter erhalten dann mehr Lohn als unter der Woche», begründet er. Rund 50 000 Franken gibt die Stadt jährlich für das Wegräumen von Abfall aus. Darunter falle zwar auch das Leeren von Kübeln. «Doch sicher die Hälfte könnte man sparen, wenn alles korrekt entsorgt würde.»

Die Abfallmenge habe in den vergangenen Jahren zugenommen, insbesondere durch den Fastfood. Auffallend oft stamme die Verpackung von McDonald's, obwohl der nächste mindestens 15 Autominuten entfernt ist.

Vertrauen aufbauen

Als Massnahme installierte die Stadt zusätzliche Kübel. «Nun gibt es recht viele, genützt hat es nichts», bedauert Armin Bolliger. Das einzig Wirkungsvolle sei die Geldstrafe. Dieser Meinung ist auch Fritz Hochstrasser, Ressort Sicherheit. «In der wärmeren Jahreszeit werden Sicherheitsdienst und Polizei wieder vermehrt kontrollieren und wenn nötig Bussen verteilen.» Dies sei aber nicht das primäre Ziel. «Mit Gesprächen möchten wir zu den Jugendlichen Vertrauen aufbauen.»

Eine ideale Lösung hat die Stadt nicht parat. Für den Jugendtreff sind die jungen Erwachsenen zu alt. Zugangsschranken oder eine Videoüberwachung sind nicht geplant. Und auch verjagen möchten die Stadträte die Jugendlichen nicht: «Das wäre nur eine Verlagerung des Problems.»

Stadtrat Fritz Hochstrasser. (Bild: edc)

Stadtrat Fritz Hochstrasser. (Bild: edc)

Stadtrat Armin Bolliger. (Bild: edc)

Stadtrat Armin Bolliger. (Bild: edc)

Aktuelle Nachrichten