Der Wein lagert im Benzintank

ROMANSHORN. Thomas Schwarz, Wirt des Restaurants Schiff, hat einen neuen Weinkeller. Seine edlen Tropfen bewahrt er seit kurzem in einem Benzintank auf. Dieser steht seit den 1950er-Jahren unter dem Garten des Restaurants.

Michèle Vaterlaus
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Die Tankstelle stand bis in die 1980er-Jahre vor dem «Schiff». (Bild: pd)

Die Tankstelle stand bis in die 1980er-Jahre vor dem «Schiff». (Bild: pd)

Es riecht etwas nach Heizöl, dazu mischen sich der Duft von frischem Holz und das Aroma des eben geöffneten Rosé. Thomas Schwarz, der Wirt des Restaurants Schiff in Romanshorn, sitzt auf der Holzbank in seinem Weinkeller und nimmt einen Schluck. Er ist zufrieden. «Schmeckt gut», sagt er. Der Weinkeller ist kein normaler. Er ist eigentlich ein Benzintank.

Erste Renovation im Jahr 1984

Bis in die 1980er-Jahre stand neben dem Haus nämlich eine Tankstelle. «Der damalige Besitzer hat wohl gedacht, dass er mit Benzin mehr Geld verdienen kann als mit der Gastronomie», sagt Dieter Bötschi. Die Tankstelle sei in den 1950er-Jahren erbaut worden. Damals sei gerade die Fährlandestelle neben dem alten Zollhaus in Betrieb genommen worden. Der Architekt Bötschi ist seit den 1980er-Jahren der Besitzer der Liegenschaft. Das «Schiff» ist eines der ältesten Gebäude in Romanshorn. Es wurde Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut und ist denkmalgeschützt.

Vor 30 Jahren hat Bötschi das Haus renoviert, die Tankstelle wurde abgerissen, erhalten blieb jedoch der 20 000 Liter fassende Tank mit sieben Meter Höhe und 1,85 Meter Durchmesser.

Zweite Renovation im Jahr 2014

Nun fand eine neuerliche Renovation statt. Die Fassaden wurden gemacht, der Garten aufgemöbelt und der Tank, der einen Meter unter dem Garten liegt, einer neuen Nutzung zugeführt. «Die Idee, daraus einen Weinkeller zu machen, stammt daher, dass das Haus keinen Keller hat», erklärt Bötschi.

Da der Wirt Thomas Schwarz aber 170 Weine anbietet, brauche er eine gute Lagermöglichkeit. «Der Tank hat sich bis jetzt als optimal erwiesen. Dort unten sind konstante 11 Grad», sagt Schwarz. Mehrere Hundert Flaschen Wein lagert er dort.

Heizöl beim Hochwasser

Der Geruch nach Heizöl im Tank stammt aus dem Jahr 1999. Damals wurde der Tank bereits einmal einer neuen Nutzung zugeführt. «Damals beim Hochwasser dachten wir, dass wir den Tank beschweren müssen, damit er nicht aufschwimmt», so Bötschi. Deshalb habe man Heizöl eingefüllt. Bis vor zwei Jahren hat das Haus davon gezehrt. «Wir mussten ihn danach reinigen. Der Duft ist noch ganz schwach, er verschwindet noch ganz.»

Dieter Bötschi und Thomas Schwarz degustieren im Weinkeller. (Bild: Aline Senn)

Dieter Bötschi und Thomas Schwarz degustieren im Weinkeller. (Bild: Aline Senn)

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