Der Weg für Jumbo ist frei

ARBON. Im Streit um das Projekt von Jumbo für einen neuen Baumarkt im Saurer WerkZwei zeichnet sich eine Lösung ab. Die Hallen hinter dem Arbomec-Kopfbau können stehen bleiben, so dass der Heimatschutz seinen Widerstand aufgibt.

Markus Schoch
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Der neue Standort für den Jumbo: Der ehemalige Saurer-Bau mit den dahinterliegenden Hallen, die ursprünglich abgebrochen werden sollten. (Bild: Markus Schoch)

Der neue Standort für den Jumbo: Der ehemalige Saurer-Bau mit den dahinterliegenden Hallen, die ursprünglich abgebrochen werden sollten. (Bild: Markus Schoch)

ARBON. Den Weg für Jumbo frei machen könnte ein Vorschlag des renommierten Zürcher Büros Pfister Schiess Tropeano & Partner Architekten AG, das bereits die Gesamtplanung über das Saurer WerkZwei gemacht hat. Eine Machbarkeitsstudie von ihm zeigt, dass die Hallen des bekannten Architekten Georges-Pierre Dubois hinter dem markanten Arbomec-Kopfbau dank einer anderen Zufahrt aufs Gelände in das Neubauprojekt integriert werden können und der betroffene Nachbar Hand zu einer solchen Lösung bieten würde.

Jumbo wollte die Hallen abreissen, da er keine andere Lösung sah, um mehr Platz für das deutlich grössere Sortiment zu schaffen, was den Thurgauer Heimatschutz auf den Plan rief. Die Organisation reichte Ende des letzten Jahres Einsprache gegen das Baugesuch ein, um den Abbruch zu verhindern. Für ihn sind die Hallen ein wichtiger industriegeschichtlicher Zeitzeuge und eine technische Meisterleistung.

Auf gutem Weg

«Wir sind auf ganz gutem Weg, eine Einigung zu erzielen», sagt Uwe Moor, der Präsident des Thurgauer Heimatschutzes. Die Firma Jumbo habe im Rahmen von Gesprächen an einem runden Tisch signalisiert, dass sie ihr Bauprojekt entsprechend den Vorschlägen in der Machbarkeitsstudie anpassen werde. Am Hauptsitz des Unternehmens in Dietlikon will man die Aussage von Moor nicht bestätigten, da noch keine verbindliche Stellungnahme des Heimatschutzes zur neuen Ausgangslage vorliege.

Tatsächlich muss dessen Vorstand noch in diesem Monat offiziell das weitere Vorgehen beschliessen. Für Moor ist der Entscheid aber nur noch Formsache. «Wenn die Hallen gerettet werden können, haben wir unser primäres Ziel erreicht. Es gibt darum keinen Grund, Opposition zu machen, wenn der Jumbo ein neues Baugesuch auf der Basis der Machbarkeitsstudie einreichen sollte.» Genau auf dieses Versprechen wartet die Firma, bevor sie sich äussern will.

Die bestehende Einsprache gegen das ursprüngliche Projekt wird der Heimatschutz nicht zurückziehen. «Es ist uns wichtig, dass endlich festgelegt wird, welche Gebäude im Saurer WerkZwei schutzwürdig sind und welche nicht», sagt Moor. Heute sei das nicht klar, da die Stadt den im Bereich des Areals äusserst löchrigen Schutzplan nicht nachgeführt habe – trotz wiederholter Aufforderung durch den Kanton. Der Heimatschutz kritisiert das in der Einsprache ausdrücklich.

Freie Hand für die HRS

Es ist nach Meinung von Moor nicht das einzige Versäumnis des Stadtrats. Faktisch überlasse die Behörde die Entwicklung eines ganzen neuen Stadtteils der HRS und winke alles durch. «Es ist eine komische Situation.» Selbst die stadteigene Ortsbildkommission habe nichts zur Entwicklung auf dem Sauer WerkZwei zu sagen.

Er jedenfalls warte bis heute auf ein Gutachten von ihr zum Jumbo-Bauprojekt und zu den Plänen für das Hamel-Gebäude, sagt Moor. «Es wäre für uns wichtig zu wissen, wie lokale Fachleute vor Ort die Lage beurteilen.»

HRS mit eigenen Interessen

Bei HRS-Chef Martin Kull sei zwar das Bemühen um städtebaulich gute Lösungen auf dem Saurer WerkZwei zu spüren und er beweise viel Goodwill, sagt Moor. So habe er auch die Jumbo-Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, um die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen.

Letztlich gehe es aber immer auch um die eigenen Vorteile, was nicht vergessen werden dürfe, sagt Moor. Im konkreten Fall sei dem Generalunternehmer deshalb daran gelegen, dass der Jumbo auf der anderen Seite der Gleise möglichst schnell bauen könne, weil dann das Grundstück am See an bester Lage frei würde – für die HRS.

Uwe Moor Präsident des Thurgauer Heimatschutzes (Bild: pd)

Uwe Moor Präsident des Thurgauer Heimatschutzes (Bild: pd)

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