Der Verlust ist verkraftbar

Die Gemeindeversammlung von Hauptwil-Gottshaus senkt den Steuerfuss von 66 auf 60 Prozent. Einer noch deutlicheren Entlastung der Steuerzahler erteilt sie eine Absage.

Georg Stelzner
Merken
Drucken
Teilen
Die Ortseingangstafel in Hauptwil ist veraltet: Nach der Genehmigung des Budgets 2015 durch die Gemeindeversammlung steht der Ersetzung durch eine moderne Anlage nichts mehr im Wege. (Bild: Nana do Carmo)

Die Ortseingangstafel in Hauptwil ist veraltet: Nach der Genehmigung des Budgets 2015 durch die Gemeindeversammlung steht der Ersetzung durch eine moderne Anlage nichts mehr im Wege. (Bild: Nana do Carmo)

WILEN-GOTTSHAUS. Nachdem der Steuerfuss bereits vor Jahresfrist um drei Prozentpunkte gesenkt worden war, beantragte der Gemeinderat an der Gemeindeversammlung eine weitere Reduktion. «Wir machen das nicht, weil im März Wahlen sind, sondern weil es sich die Gemeinde leisten kann», erklärte Gemeindeammann Matthias Gehring vorgestern abend in der Turnhalle Hoferberg. Dort hatten sich 109 der 1324 Stimmberechtigten (8,2 Prozent) versammelt, um über das Budget 2015 der Politischen Gemeinde Hauptwil-Gottshaus zu befinden.

Zwei gewichtige Argumente

Gehring erklärte, weshalb der Gemeinderat für eine Senkung des Steuerfusses plädierte. Er verwies auf den zu erwartenden Ertragsüberschuss von rund 400 000 Franken in der Rechnung 2014 und erinnerte daran, dass die Gemeinde momentan über Eigenkapital in Höhe von 2,036 Mio. Franken verfüge. Selbst bei einer Senkung des Steuerfusses um sechs Prozentpunkte, was rund 150 000 Franken entspricht, würde sich der Steuerertrag noch auf 1,664 Mio. Franken belaufen, betonte der Gemeindeammann und sprach in diesem Zusammenhang von einem «sehr komfortablen Betrag».

Mutloser Gemeinderat?

Im Jahr 2006 befand sich die Gemeinde Hauptwil-Gottshaus noch auf einem Niveau von 85 Prozent. Seither ist der Steuerfuss sukzessive gesenkt worden. Gehring äusserte die Ansicht, dass es sich dabei um eine nachhaltige Entwicklung handle. Der Gemeinderat habe in diesem Zeitraum eine Erhöhung nie in Betracht ziehen müssen.

Einer, der die Einschätzung des Gemeinderates nicht teilte, war Bruno Hablützel. Er bezeichnete die vorgeschlagene Massnahme als mutlos und stellte den Antrag, den Steuerfuss nicht bloss um sechs, sondern um acht Prozentpunkte zu senken. Der Abbau des Eigenkapitals müsse in einem grösseren Schritt erfolgen, verlangte der Votant.

Der Gemeindeammann gab zu bedenken, dass sich die Finanzkommission eingehend mit dieser Frage befasst habe und im Sozialbereich mit steigenden Kosten zu rechnen sei. Die Versammlung schloss sich dieser Meinung an und lehnte den Antrag des Stimmbürgers mit grosser Mehrheit ab. Ohne Gegenstimmen genehmigte sie das auf einem Steuerfuss von 60 Prozent basierende Budget 2015 mit einem Defizit von 283 000 Franken. Der Gemeindeammann erklärte nach der Abstimmung, worauf es in den nächsten Jahren ankommen wird: «Wir müssen in der Lage sein, Schulden zurückzuzahlen und den Steuerfuss langfristig stabil zu halten.»

Zuversichtlich äusserte sich Gehring hinsichtlich des geplanten Parkplatzes an der Hauptstrasse in Hauptwil. Die Zonenplanänderung liege auf, die grösste Hürde sei genommen.