«Der Umgang ist offener geworden»

SCHWEIZERSHOLZ. Zehn Jahre hat sich Barbara Müller als Präsidentin für den Verein Entlastungsdienst für Familien mit behinderten Angehörigen engagiert. Am 23. Mai übergibt sie das Amt an Hansjörg Fasnacht aus Tägerwilen.

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Auch nach ihrem Rücktritt möchte sich Barbara Müller für die Interessen des Familien-Entlastungsdienstes einsetzen. (Bild: Georg Stelzner)

Auch nach ihrem Rücktritt möchte sich Barbara Müller für die Interessen des Familien-Entlastungsdienstes einsetzen. (Bild: Georg Stelzner)

Barbara Müller aus Schweizersholz gibt das Präsidium des Familien-Entlastungsdienstes ab

Unvorbereitet trifft den Verein der Rücktritt Barbara Müllers nicht. Diesen Schritt hat die Präsidentin vor längerer Zeit angekündigt. Ihren Entschluss begründet sie so: «Man soll aufhören, solange es Freude macht, und ausserdem bin ich der Meinung, dass dem Verein frischer Wind gut tut.» Ein wenig Wehmut schwingt in den Worten der zweifachen Mutter dennoch mit: «Das Präsidium dieses Vereins war gewissermassen mein drittes Kind, doch auch Kinder muss man loslassen können.»

Auf Inserat hin gemeldet

Die Suche nach einem Nachfolger habe sich schwierig gestaltet, da sich die meisten nicht zu-getraut hätten, diese Funktion zu bekleiden, erzählt die scheidende Präsidentin. Auf ein Inserat hin habe sich dann Hansjörg Fasnacht, ein Mann aus der Wirtschaft, der seit 2001 als selbständiger Berater tätig ist, gemeldet. Barbara Müller, die selber einen behinderten erwachsenen Sohn hat, sieht darin keinen Nachteil. Im Gegenteil: «Ich finde es toll, dass nun jemand mit einem ganz anderen beruflichen Hintergrund das Präsidium übernimmt.» Im Vergleich zu anderen Vereinen habe die Öffentlichkeitsarbeit im Familien-Entlastungsdienst einen hohen Stellenwert, betont Barbara Müller. «Es ist wichtig, dass die Bevölkerung von unserem Angebot Kenntnis hat.»

Spenden für Verein wichtig

Barbara Müllers Amtsdauer fiel in eine Zeit, in der die Bundes-Sozialversicherung davon Abstand nahm, Gelder nach dem Giesskannenprinzip zu verteilen. «Für uns bedeutete das, dass wir uns eine Dachorganisation suchen mussten.» Der Anschluss an Pro Infirmis habe einen erhöhten administrativen Aufwand zur Folge, dafür sei jetzt aber auch die Subventionierung durch den Bund sichergestellt. Neben den Mitgliederbeiträgen seien Spenden eine wichtige Einnahmequelle. «Unser Ziel muss es sein, zumindest kostendeckend zu arbeiten», erklärt Barbara Müller. Die zurücktretende Präsidentin freut es daher besonders, Hansjörg Fasnacht einen finanziell gesunden Verein übergeben zu können.

Wertvoll für Sozialverhalten

Die Art und Weise, wie die Öffentlichkeit auf behinderte Menschen reagiert, hat sich nach Einschätzung Barbara Müllers in den vergangenen zehn Jahren ebenfalls verändert: «Der Umgang ist offener geworden.» Die meisten Leute seien heute in der Lage, behinderten Menschen würdevoll und natürlich gegenüberzutreten. Zu Situationen, in denen sich Hilflosigkeit, unangebrachtes Mitleid oder gar Dummheit artikuliere, könne es jedoch nach wie vor kommen. Barbara Müller ist daher eine Verfechterin der Integrativen Schule, wie es sie zum Beispiel in Hohentannen gibt. «Ich erachte die schulische Integration körperlich Behinderter als gute Sache, da solche Begegnungen auch für das Sozialverhalten gesunder Kinder wertvoll sind, wie ich am Beispiel meiner eigenen Tochter sehen konnte.» Dem Verein wünscht Barbara Müller ein weiteres Wachstum. «Es wäre schön, wenn er seinen Bekanntheitsgrad noch steigern könnte und ihn noch mehr Leute in Anspruch nehmen würden.»

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