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Der Traumdoktor

Dr. Stanis Laus bringt Abwechslung in den eher langweiligen Spitalalltag kleiner Patienten. Jeden Dienstag besucht er die Kinderklinik in Münsterlingen. Markus Zahnd (Text) und Nana do Carmo (Bilder) haben den lustigen Doktor begleitet.
Sitzt alles? In seiner kleinen Garderobe zieht sich Dr. Stanis Laus um, zuletzt setzt er die rote Nase auf. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Sitzt alles? In seiner kleinen Garderobe zieht sich Dr. Stanis Laus um, zuletzt setzt er die rote Nase auf. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

MÜNSTERLINGEN. Mirco weiss nicht so recht. Der 20 Monate alte Bub ist nicht sicher, ob er dem Mann mit dem lustigen Kittel und den übergrossen Schuhen trauen kann, und sucht Schutz bei der Mutter. Doch bald ist der Bann gebrochen. Dr. Stanis Laus – so nennt sich der Mann mit dem lustigen Kittel und den übergrossen Schuhen – kitzelt ein erstes Lächeln aus Mirco heraus. Es soll für die nächsten zehn Minuten nicht das letzte gewesen sein. Denn Mirco ist fasziniert von den Seifenblasen, ihm gefällt das Plüschdromedar, und er freut sich über die bunten Ballone.

Erster Kontakt in Österreich

Bevor Dr. Stanis Laus in der Kinderklinik Münsterlingen Mircos Zimmer betritt, heisst er nicht Stanis Laus, und er ist auch kein Arzt. Vor seiner Verwandlung heisst er Daniel Waibel. Der Diepoldsauer ist seit 15 Jahren einer der 58 Spitalclowns der Stiftung Theodora. Ursprünglich ist Waibel Gewerbegrafiker und besass sogar eine eigene kleine Firma. «Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass mich das nicht erfüllt, dass ich etwas anderes tun will.» Also schloss er sein Atelier und absolvierte in Innsbruck eine Schauspielausbildung. Dort kam er erstmals mit den Clown-Doktoren – so heissen sie in Österreich – in Kontakt. Er war fasziniert von deren Wirken und absolvierte die Ausbildung bei der Stiftung Theodora.

Ein Spitalclown ist nicht zu vergleichen mit anderen Clowns, man braucht komplett andere Voraussetzungen. Was gefordert ist, beweist Dr. Stanis Laus auf seinem Rundgang eindrücklich. Er ist leise, nimmt sich für die Kinder viel Zeit, geht einfühlsam auf jedes einzelne ein und beweist dabei ein grosses Gespür für die Kinder. Das Alter der Kinder spielt keine Rolle. So besucht er auf der Neonatologie auch die Kleinsten, spricht mit ihnen, spielt ihnen auf seiner Geige ein Stück von Frank Sinatra vor oder montiert am Bettchen eine Wärmelampe aus Ballons.

Kein Arzt, aber ein guter Doktor

Seit 15 Jahren kommt in Münsterlingen jeden Dienstagnachmittag ein Spitalclown zu Besuch. Einen wissenschaftlichen Beweis, dass der Spitalclown beim Genesungsprozess hilft, gibt es laut Christoph Stüssi nicht. Dennoch ist der Chefarzt der Kinderklinik in Münsterlingen überzeugt, dass Dr. Stanis Laus bei den Kindern eine positive Wirkung erzielt, auch wenn sich viele zuerst an den Clown gewöhnen müssen. «Es geht darum, den Spitalalltag zu unterbrechen. Der Clown bringt ein Stück weit das normale Leben in den Alltag der Kinder, weil er ein Element von aussen ist.» Für Stüssi gehören die Spitalclowns sogar zum medizinischen Team. «Sie sind zwar keine Ärzte, aber gute Doktoren.»

Dr. Stanis Laus muss sich aber schon mit medizinischen Fakten auskennen. Denn ehe er an die Zimmertüren klopft und eintritt, spricht er mit der Stationsleitung über die Patienten. Er muss über die Krankheiten Bescheid wissen, damit er angemessen mit ihnen umgehen kann. «Ich muss zum Beispiel wissen, ob das Kind überhaupt viel lachen soll. Das ist nach einer Operation nicht immer so», sagt er.

Improvisation als Basis

Ein fixes Programm hat Dr. Stanis Laus nicht. Wenn er sich umzieht, packt er in den weissen Kittel mit den grossen Sternen diverse Requisiten. Und auch seinen mit Stickern verzierten Koffer – Marke Dolce & Banana – nimmt er auf den Rundgang mit. «Man weiss nie so genau, was einen erwartet. Daher muss man improvisieren können.»

Seine Improvisationskünste sind auch an diesem Dienstag gefragt. Zum Beispiel auf dem Gang, als ihm ein Bub begegnet und ihn fragt, was er denn da mache. Oder im grosszügigen Spielzimmer der Kinderklinik. Dort trifft er auf Sarina. Das dreijährige Mädchen ist anfangs zwar ebenfalls zurückhaltend, blüht dann aber richtig auf und fordert Dr. Stanis Laus heraus, indem sie ihm Requisiten wegnimmt. Es sind äusserst heitere Momente, die anderen Kinder lachen mit.

Es gab aber auch schon Situationen in Dr. Stanis Laus' Spitalclown-Leben, in denen er überfordert war. «Wenn man in ein Zimmer kommt und da liegt ein todkrankes Kind, ist das nicht einfach.» Hilfe findet Waibel dann in Gesprächen mit anderen Spitalclowns. Die Stiftung Theodora organisiert auch regelmässig Austausche, ausserdem ist es möglich, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Daniel Waibel musste aber lernen, sich von seiner Tätigkeit abzugrenzen. «Das muss man. Schliesslich sind schon Kinder gestorben, die ich einen Tag zuvor noch besucht hatte.»

Waibels Freude an der Tätigkeit als Spitalclown schmälert das aber nicht. «Ich mag es, mit den Kindern in eine Phantasiewelt einzutauchen.» Dies entspricht der Tradition der Stiftung aus dem waadtländischen Lonay. Denn in der Westschweiz heisst der Spitalclown «Docteur rêves» – Traumdoktor. Auch für Chefarzt Christoph Stüssi ist das eine ideale Bezeichnung. «Bei den Spitalclowns geht es ja nicht um Unterhaltung, sondern um Ablenkung. Dazu gehört die Phantasie der Kinder.»

Kinder wollen im Spital bleiben

Am späten Nachmittag beendet Dr. Stanis Laus seinen Rundgang. Die meisten Kinder wollen ihn kaum mehr gehen lassen. Sie können sich auf den nächsten Dienstagnachmittag freuen, dann kommt er wieder. Die Kinder wissen das nur zu gut: «Es gab schon Kinder, die wollten am Montag nicht nach Hause entlassen werden. Sie wollten lieber noch einen Tag länger im Spital bleiben, damit sie Dr. Stanis Laus noch sehen.»

Zuerst zurückhaltend, dann offen: Mirco füttert das Dromedar. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Zuerst zurückhaltend, dann offen: Mirco füttert das Dromedar. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Selina freut sich über die Blume aus Ballonen. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Selina freut sich über die Blume aus Ballonen. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Die zwei Monate alte Laura erhält von Dr. Stanis Laus ein Autogramm. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Die zwei Monate alte Laura erhält von Dr. Stanis Laus ein Autogramm. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

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