Der Stadtrat hat den Mut verloren

Wenn der Kreuzlinger Stadtrat vor die Medien tritt, um über seine Legislaturziele zu sprechen, wählt er die Örtlichkeit gewöhnlich mit Bedacht.

Martina Eggenberger Lenz
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Wenn der Kreuzlinger Stadtrat vor die Medien tritt, um über seine Legislaturziele zu sprechen, wählt er die Örtlichkeit gewöhnlich mit Bedacht. Das Planetarium war schon Kulisse für solche Präsentationen, auf dem Dach des Hochhauses Freiegg hat das Gremium einst referiert – oder wenigstens im Foyer des Kulturzentrums Dreispitz. Nun scheint die Exekutive auf dem Boden der Realität angelangt. Heuer lud sie ganz unprätentiös ins Sitzungszimmer des Stadthauses. Keine Weitsicht, kein Glamour, kein grosser Wurf. Das gilt auch für die Themen, die der Stadtrat in den nächsten vier Jahren anpacken will. Ungewohnt kleinlaut werden die Projekte angekündigt. Viel Neues ist nicht dabei.

Die Abstimmungs-Schlappen der letzten Jahre haben insbesondere bei den Bisherigen offensichtlich ihre Spuren hinterlassen. Reizthemen wie Schwimmhalle und Stadthaus, Verkehr oder Einkaufstourismus nimmt man nur noch ungern in den Mund. Lieber schreiben sich die Exponenten Unverdächtiges wie die Revision der Gemeindeordnung, den Ausbau von Sozialberatung oder die Schule mit Tagesstrukturen auf die Fahne. Gewiss, Bescheidenheit ist eine Tugend und Bodenhaftung grundsätzlich richtig. Aber nun scheint es, der Stadtrat habe den Mut verloren.

Die Kreuzlingerinnen und Kreuzlinger wollen sicher nicht vier Jahre Stillstand. Sie erwarten mehrheitsfähige Vorschläge für die angesprochenen und nach wie vor ungelösten Probleme. Die neue Legislatur bietet der Exekutive neue Chancen. Sie muss sie nur packen.

martina.eggenberger@ thurgauerzeitung.ch