Der See zieht Investoren an

ROMANSHORN. In Romanshorn würden gleich zwei Investoren gerne ein neues Hotel bauen: Zum einen der Amriswiler Hermann Hess direkt am Hafen beim Bahnhof, zum anderen die Besitzer des heutigen Hotel Inseli am bestehenden Ort.

Markus Schoch
Drucken
Teilen
Diskutierten über neue Hotels in Romanshorn: Investor Hermann Hess, Stadtammann David H. Bon, Ernst Wyrsch von Hotelleriesuisse, Investor Roland Hugentobler und Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. (Bild: Markus Schoch)

Diskutierten über neue Hotels in Romanshorn: Investor Hermann Hess, Stadtammann David H. Bon, Ernst Wyrsch von Hotelleriesuisse, Investor Roland Hugentobler und Rolf Müller, Geschäftsführer von Thurgau Tourismus. (Bild: Markus Schoch)

Andere Städte wären froh, sie hätten wenigstens ein neues Hotel. In Romanshorn gibt es Pläne sogar für zwei.

Am Donnerstagabend präsentierten die Investoren ihre Projekte vor rund 120 Besuchern. Romanshorn sei damit in einer privilegierten Situation, sagte Stadtammann David H. Bon. Die Ausgangslage sei «wahnsinnig toll» und einzigartig im Thurgau, meinte auch Rolf Müller, der Geschäftsführer von Thurgau Tourismus.

3-Sterne-Hotel am Hafen

Bereits seit über drei Jahren bekannt ist, dass der Amriswiler Unternehmer Hermann Hess am liebsten direkt am Hafen beim Bahnhof ein Hotel im Drei-Sterne-Bereich mit rund 120 Zimmern und einem Saal für 500 Personen bauen will, den die Stadt nutzen könnte.

Und daran hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert, wie der Präsident und Delegierte des Verwaltungsrates der gleichnamigen Investment Gruppe am Dienstagabend unterstrich. Zielgruppe sind einerseits Geschäftsreisende von Montag bis Freitag und Touristen übers Wochenende.

Mittlerweile habe er sogar den Tatbeweis erbracht, dass seine Firma das nötige Know-how mitbringe. «Wir haben in Affoltern am Albis vor eineinhalb Jahren ein Hotel mit 102 Zimmern eröffnet.» Das Holiday Inn Express laufe sogar über Erwarten gut.

Er sei überzeugt, dass die Rechnung auch in Romanshorn aufgehen könne, wenn sie Land zu einem bezahlbaren Preis bekämen, sagte Hess. Eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie komme jedenfalls zum Schluss, dass es im Oberthurgau keinen besseren Standort gebe. Die Stadt liege verkehrstechnisch gut, und die Lage am See sei äusserst attraktiv. Und attraktiv soll auch das Hotel in architektonischer Hinsicht werden. «Wir würden uns ganz sicher einem Wettbewerb stellen», versprach Hess.

4-Sterne-Hotel beim «Inseli»

Bis jetzt nicht bekannt war, dass auch die Besitzer des Hotels «Inseli» aus- oder sogar neu bauen wollen. Was genau geplant ist, liess Roland Hugentobler als Vertreter der Eigentümer am Donnerstagabend offen mit Verweis auf eine Informationsveranstaltung am 12. März.

Soviel steht schon heute fest: Es soll etwas Grossartiges entstehen. Hugentobler sprach von einem «Leuchtturm für die ganze Region». Romanshorn biete dafür «das perfekte Umfeld», war er sich mit Hess einig. «Wir haben extrem viel zu bieten.»

Das neue «Inseli» soll ein Seehotel mit 4 Sternen, 80 bis 100 Zimmern, Wellnessbereich und Restaurant sein. Die Ansprüche sind hoch. «Unsere Vision ist, das beliebteste Leadhotel am Bodensee zu sein und im Trendlokal best food in town zu bieten», sagte Hugentobler.

Vorbild sei das Hotel Hof Weissbad. «Wir müssen die Hotelwelt inszenieren. Sie muss emotional berühren und den Gast inspirieren.»

Braucht Entgegenkommen

Die beiden Hotelträume können allerdings nur wahr werden, wenn die Romanshorner bereit sind, den Investoren entgegen zu kommen, machten sowohl Hess als auch Hugentobler klar. Hess liebäugelt mit einem Stück Land auf dem ehemaligen Güterschuppenareal, das erst seit letztem Sommer der Stadt gehört, nachdem sie sich jahrelang erfolglos darum bemüht hatte. Hess würde die betreffende Parzelle am liebsten kaufen, was aber nicht unumstritten sein dürfte. «Das Gelände ist das Filetstück von Romanshorn. Entsprechend müssen wir sehr vorsichtig vorgehen», sagt Bon. Nötig sei ein enger Dialog mit der Bevölkerung. «Wir wollen uns der Diskussion nicht verschliessen.»

Ohne Zugeständnisse seitens der Stimmbürger wird es auch beim «Inseli»-Projekt nicht gehen, liessen die Investoren durchblicken. Das Volumen sei relativ gross, und sie wollen ans Wasser. «Man bekommt nichts, ohne dass man etwas gibt», meinte dazu Mit-Inhaber Ernst Kugler.

Positive Signale

Die Investoren können sich aber durchaus Hoffnungen machen, dass ihre Träume in Romanshorn wahr werden. Der Stadtrat steht den Vorhaben grundsätzlich sehr positiv gegenüber. «Wir sind dezidiert der Meinung, Romanshorn brauche eines oder mehrere Hotels», betonte Bon.

Und auch von den Besuchern der Veranstaltung bekamen die Investoren ermutigende Signale. In der Vergangenheit hätten in Romanshorn «Bremser» vieles verhindert. Das dürfe hier nicht passieren, meinte Gewerbler Herbert Nafzger. «Wir müssen dran bleiben. Es darf nicht 20 Jahre dauern, bis wir ein Hotel haben.» Gleicher Meinung war Heinz Loppacher, der frühere FDP-Präsident. «Die Projekte geben Hoffnung und machen Mut.» Und auch er fände es schade, wenn «Bedenkenträger» den Aufbruch im Keim ersticken.

Viel Leidenschaft spürbar

Bedauerlich fände diese Entwicklung auch Ernst Wyrsch, Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden. Er spüre viel Leidenschaft, und das sei wichtig, Die Zeiten für die Hotellerie seien im Moment wegen des starken Schweizer Frankens zwar schwierig. «Es ist aber ein guter Moment für Investitionen. Die Krise geht vorbei.» Er glaube an das Tourismusland Schweiz.

Aktuelle Nachrichten