Der Rössli-Beck bleibt im Dorf

Rössli-Beck Edgar Ehrbar wehrt sich gegen Gerüchte, dass er seinen Betrieb schliessen oder verlegen wolle. Ein Immobilieninserat hat wilde Spekulationen wuchern lassen. Es sei nur eine Marktanalyse gewesen, sagt Ehrbar.

Rita Kohn
Merken
Drucken
Teilen
Edgar Ehrbar vor dem Laden in Sulgen. Die Platzverhältnisse sind eng, eine Optimierung ist angezeigt. (Bild: Rita Kohn)

Edgar Ehrbar vor dem Laden in Sulgen. Die Platzverhältnisse sind eng, eine Optimierung ist angezeigt. (Bild: Rita Kohn)

SULGEN. «Wir haben nicht vor, unser Geschäft aufzugeben.» Edgar Ehrbar, Rössli-Beck von Sulgen, schüttelt den Kopf. In den letzten Wochen gingen zahlreiche Gerüchte um, wonach der Betrieb eingestellt würde. «Da konnte man die ganze Bandbreite von Begründungen hören», sagt Edgar Ehrbar. Keine davon sei richtig. «Ich bin weder erschöpft, noch zieht es mich in Richtung Zermatt oder mich gelüstet nach einer neuen beruflichen Herausforderung.»

Grund für das Brodeln in der Gerüchteküche ist ein Inserat, in dem die Liegenschaft zum Kauf angeboten wird, in der heute die Produktion des Rössli-Becks untergebracht ist. Ehrbar: «Daraus schliessen leider viele gleich, dass wir unseren Betrieb einstellen wollen.»

Zu wenig Platz

Dass der Standort an der Bahnhofstrasse in Sulgen nicht mehr optimal ist, gibt Edgar Ehrbar gerne zu. Als sie die Räumlichkeiten gekauft hätten, sei die Situation noch ganz anders gewesen. «Die Bahnhofstrasse war die Einkaufsstrasse von Sulgen, der Laden mit Café bildete da eine gute Ergänzung.» Heute habe die Bahnhofstrasse an Frequenz eingebüsst.

Mehr noch als die Lage machen dem Rössli-Beck aber die Platzverhältnisse zu schaffen. «Wir brauchen dringend mehr Produktionsfläche.» Deshalb sei tatsächlich schon im Gespräch gewesen, die Liegenschaft abzustossen und einen Neubau an der Peripherie zu realisieren. «Aber das ist momentan kein Thema.» Denn es zeigt sich, dass kaum eine Nachfrage nach der Immobilie besteht. «Um bauen zu können, braucht es Kapital. Das ist aber hier gebunden.»

Ein Wegzug ist kein Thema

Ein Umzug oder gar ein Wegzug von Sulgen sei derzeit kein Thema, versichert Edgar Ehrbar. Und eine Betriebsschliessung sei schon gar nicht geplant. «Mit dem Inserat haben wir die Marktlage getestet. Nun können wir einerseits den Wert unserer Liegenschaft besser einschätzen und haben andererseits eine Ahnung davon, wie es um einen Verkauf stünde. «Das alles hat für uns eigentlich nichts anderes gebracht als die Gewissheit, dass wir unsere Produktion am bestehenden Standort optimieren wollen.» Wie genau das aussehen werde, sei aber noch nicht bestimmt.

Froh ist Edgar Ehrbar darüber, dass die Gerüchte den Betrieb nicht zu stören vermochten. «Ich hatte das Kader über den Hintergrund der Inserate informiert, ebenso die Gemeinde», sagt er. Deshalb seien bei den Mitarbeiterin keine Ängste entstanden. Für ihn ist es wichtig, dass da die Situation geklärt ist. Derzeit beschäftigt der Rössli-Beck immerhin rund 80 Mitarbeitende.

Auskünfte bekommen

Irritiert habe ihn, wie viele Leute im Hintergrund wild spekuliert hätten. «Wer wirklich wissen wollte, was Sache ist, hat sich mit mir in Verbindung gesetzt und auch die entsprechenden Auskünfte bekommen», sagt Ehrbar. «Einige haben das genutzt. Ihnen bin ich sehr dankbar, dass sie sich nicht am Klatsch beteiligt haben.» Er habe wohl unterschätzt, wie breit das Thema nicht nur in Sulgen getreten wird.

«Wir haben uns lange überlegt, ob wir zu den Gerüchten Stellung beziehen sollen oder nicht», bekennt Ehrbar. Inzwischen seien aber so viele Behauptungen aufgetaucht, dass er die Sache klarstellen möchte, bevor sie sich geschäftsschädigend auswirken kann.

Am Standort Sulgen möchte der Rössli-Beck nicht rütteln, obwohl hier die Situation mit mehreren Bäckereien vor Ort nicht gerade optimal ist. Doch ist der Betrieb hier verwurzelt, auch wenn der heutige Rössli-Beck mit der kleinen Bäckerei, die von seinen Eltern betrieben wurde, nicht mehr viel gemein hat.