Der Querdenker hat's geschafft

AMRISWIL. Schon seine Wahl war für den Amriswiler Hermann Hess überraschend. Und auch von der Wahlfeier zu seinen Ehren wusste der Neo-Nationalrat wenig mehr, als dass diese am Dienstagabend im Pentorama über die Bühne gehen würde.

Christof Lampart
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An der Wahlfeier im Pentorama gratuliert Martin Salvisberg, Stadtpräsident von Amriswil, Hermann Hess zur Wahl in den Nationalrat. (Bild: Reto Martin)

An der Wahlfeier im Pentorama gratuliert Martin Salvisberg, Stadtpräsident von Amriswil, Hermann Hess zur Wahl in den Nationalrat. (Bild: Reto Martin)

Durststrecken müssen gefeiert werden – wenn sie zu Ende gehen. Und so verwunderte es nicht, dass ganz Amriswil auf den Beinen schien, um den ersten eigenen Bundesparlamentarier seit 1983 zu feiern. Zahlreiche Familienangehörige, Freunde, Bekannte, städtische Würdenträger und politische Weggefährten wollten mit ihrem Dabeisein den im Oberthurgau äusserst populären Liberalen ehren. Die 300 Feiernden kamen nicht nur in den Genuss eines Apéros und eines einfachen Imbisses, sondern sie durften sich auch an kulturellen Leckerbissen erfreuen. So moderierte Poet Christoph Sutter, und die Stadtharmonie Amriswil spielte auf.

«Sensibler Querdenker»

Die Festgemeinde im Pentorama war also gut eingestimmt und der Ton an diesem Abend herzlich und beschwingt und somit genau von der Art, wie er dem ebenso freisinnig-feinsinnigen Hess – der Ökonom ist auch ein ausgebildeter Pianist – gefallen haben dürfte. Zumindest strahlte Hess, als diverse Redner sein bisheriges Tun lobten, ihm zur erfolgten Wahl gratulierten und ihm alles Gute für die Zeit in Bern wünschten.

FDP-Kantonalpräsident Walter Schönholzer liess es sich nicht nehmen, den Jung-Nationalrat als «Kämpfer mit Weitblick und Kultur», aber auch als «Paradiesvogel» zu bezeichnen. Zudem sei Hess ein «sensibler Querdenker», der gern schnell entscheide und weniger gern grosse Reden schwinge. «Wir freuen uns, dass mit Hermann Hess ein erfolgreicher Thurgauer Unternehmer in Bern agieren wird. Wir sind sicher, dass man schon bald von dir hören wird, und das ist gut für den Thurgau», schloss Schönholzer.

Manuskript versteckt

Wie es einem Neuling in Bern ergehen kann, durfte Hermann Hess von SVP-Nationalrat Hansjörg Walter aus Wängi erfahren, der die Glückwünsche der Berner Bundesparlamentarier überbrachte. «Als ich meine erste Rede in Bern halten musste, haben meine Kollegen mir mein Manuskript versteckt; da musste ich dann improvisieren.»

Und zu den Gästen gewandt, erzählte Walter noch einen seiner Lieblingswitze: «Wisst Ihr, warum das Bundeshaus eine Kuppel hat? – Habt Ihr denn schon einmal einen Zirkus mit Flachdach gesehen?»

Dass sich Hermann Hess jedoch problemlos in der Polit-Arena zurechtfinden wird, stand für Walter schon jetzt fest: «Hermann Hess bringt alles mit, um in Bern erfolgreich zu politisieren, denn er beherrscht die militärischen Grundsätze <Denken-Warten-Sprechen> – in dieser Reihenfolge – bestens.»

Ein Hoffnungsträger

Auch Amriswils Stadtpräsident Martin Salvisberg liess es sich nicht nehmen, Hermann Hess nur das Allerbeste für seine nationale Politkarriere zu wünschen und verknüpfte mit dem Hess'schen Naturell auch ganz bestimmte Hoffnungen: «Wir haben Hermann Hess als besonnenen Unternehmer und Mann des Ausgleichs schätzen gelernt. Wenn er sich nicht geändert hat, so wird er auch als Nationalrat den Dialog suchen, vermitteln und probieren, Gegensätze auszugleichen.»

Strassenpfahl und Gutschein

Selbstverständlich erhoffte sich Salvisberg aber vom ersten Amriswiler Bundesparlamentarier seit dem Rücktritt von Ständerat Hans Munz 1983, dass er auch oberthurgauische Anliegen in Bern vertreten wird, «seien sie nun kultureller, finanzieller, verkehrstechnischer oder gesellschaftlicher Natur». Dann überreichten Salvisberg und der Präsident der FDP Amriswil, Thomas Bischofberger, dem neugewählten Nationalrat einen Strassenpfahl (als Symbol für die BTS) wie auch einen Gutschein für einen Flug in die Hauptstadt.

Keine Angst vor dem Schritt

Hess dankte allen, die ihm auf dem Weg nach Bern geholfen hatten: «Die ganze FDP-Familie, vor allem aber Walter Schönholzer, hat sich enorm dafür eingesetzt, dass wir wieder diesen Sitz gewinnen konnten. Ich danke ihnen allen dafür.» Er spüre eine grosse Verantwortung vor dem Amt, doch vor dem Schritt nach Bern sei ihm nicht bang. «Ich bin jemand, der keine Angst hat, das darf ich von mir behaupten.»