Der Papst war kein Heiliger

Die Lesung von Monika Küble stand unter dem Motto «Es geschah vor 600 Jahren». Eingeladen haben die Veranstalter Buchstücke und Stadtbibliothek.

Trudi Krieg
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Monika Küble und zwei der Mägde auf der Bühne. (Bild: Trudi Krieg)

Monika Küble und zwei der Mägde auf der Bühne. (Bild: Trudi Krieg)

AMRISWIL. Mägde von Buchstücke, in grobes Tuch gewandet und mit züchtigen Häubchen die Haarpracht bedeckt, kredenzten den Gästen warmen Met zur Einstimmung in den Leseabend. Die ganze Atmosphäre im Kulturforum entführte in die Zeit des Konzils. Ein grosses Rad, halb am Boden liegend, mochte dasjenige symbolisieren, welches an der Kutsche abbrach, die Papst Johannes der 23. über den Arlbergpass nach Costentz brachte. Es war der Papst, von dem in der Lesung bekannt wurde, dass er die Bordelle besser kannte als die Kirchen und dass er auf dem Arlberg im Schnee liegend ausgerufen habe: «In Nomine Diaboli.» Am Konzil ging es alles andere als gottgefällig zu und her.

Dunkle Abgründe

In der Geschichte, aus der die Autorin Monika Küble las, tauchten die Leser bald in dunkle Abgründe in der Zeit, als drei Päpste Machtansprüche erhoben und das Kirchenschiff bedrohlich wankte. Henry Gerlach befasste sich als Historiker intensiv mit dem Konzil von Konstanz, sichtete und diskutierte über das Material mit seiner Frau. Als er in den Akten von damals auf ein Verbrechen stiess, fand seine Frau Monika Küble spontan: «Das gäbe eine Geschichte.»

Teuflische Ränkespiele

«Wenn ich anfange zu schreiben, wird einfach immer ein Krimi daraus», sagte die Vorleserin im samtroten Kleid geheimnisvoll lächelnd. Einen Bruchteil der fast 800 Seiten nur hatte die Autorin vorgelesen, und schon waren die Zuhörenden mitten- drin im Geschehen, als Kardinäle, Gefolgsleute, Weinhändler, Reiter, Bäckergesellen, Schreiberlinge und schöne Frauen Costentz überschwemmten. Namen in der Geschichte stammen aus originalen Quellen wie alten Zunftbüchern, Steuerlisten oder Briefsammlungen.