Der Osten fährt einen Sonderzug

Der Kanton wünscht sich wie in allen anderen Regionen auch im Oberthurgau ein Kompetenzzentrum Integration. Doch darauf wird er lange warten müssen.

Markus Schoch
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Diesen Frühling organisierte die Stadt Romanshorn einen Kurs mit Migranten zur richtigen Abfalltrennung. (Bild: Markus Bösch (24. März 2016))

Diesen Frühling organisierte die Stadt Romanshorn einen Kurs mit Migranten zur richtigen Abfalltrennung. (Bild: Markus Bösch (24. März 2016))

Die Idee ist schon Jahre alt. Und die Idee wird sich wahrscheinlich in dieser Form nicht realisieren lassen. Der Kanton hätte gerne in jedem Bezirk eine zentrale Anlaufstelle für Integrationsfragen. Mit Ausnahme des Oberthurgaus gibt es solche Kompetenzzentren bereits überall im Thurgau. Im Osten tut man sich jedoch schwer mit dem Wunsch aus Frauenfeld. Der Grund: Es gibt kein Zentrum, sondern es hat mit den Städten Arbon, Amriswil und Romanshorn gleich drei Zentren, die alle bereits professionelle Integrationsarbeit an der Basis leisten, sagt der Amriswiler Stadtpräsident Martin Salvisberg. Die Romanshorner Fachstelle hat gerade am letzten Samstag die Öffentlichkeit über ihre Aktivitäten informiert (Ausgabe von gestern). Der kantonale Integrationsbeauftragte Oliver Lind lobte die Anstrengungen der Hafenstadt ausdrücklich. «Es läuft viel», sagte er.

Aber auch auf dem Land passiere nicht nichts, erklärt der Egnacher Gemeindepräsident Stephan Tobler. «Es läuft überall etwas, wenn auch teilweise vielleicht etwas hemdsärmelig. Wir bei uns in der Gemeinde haben eine sehr aktive Integrationskommission, die diverse Projekte mit Freiwilligen auf die Beine gestellt hat. Und dafür erhalten wir sogar von aussen Anerkennung.» Die Integrationsarbeit sei mustergültig, heisse es, sagt Tobler.

Es darf nicht mehr kosten und schlechter werden

Die Städte und Gemeinden im Bezirk Arbon wehren sich jedoch nicht grundsätzlich gegen die Pläne aus Frauenfeld. «Es darf uns aber nicht mehr kosten, und die Dienstleistung soll mindestens gleich gut sein wie heute», stellt Salvisberg unmissverständlich klar.

«Wir wollen keinen teuren administrativen Wasserkopf.» Er habe nichts gegen eine Professionalisierung der Arbeit, aber nicht auf Verwaltungsebene. Und Salvisberg betont: «Die Integrationsarbeit ist uns sehr wichtig.»

Des Themas angenommen hat sich die Regionalplanungsgruppe Oberthurgau, die im Moment sowieso daran ist zu prüfen, wie die Zusammenarbeit der Gemeinden und Städte verbessert beziehungsweise besser koordiniert werden könnte. «Wir haben uns dabei in einem Workshop unter anderem auch mit dem Kompetenzzentrum Integration beschäftigt», sagt Verbandspräsident Stephan Tobler.

Auf bestehenden Strukturen aufbauen

Vom Tisch ist der Vorschlag der Städte, eine zentrale Anlaufstelle mit Pro-Kopf-Beiträgen der Bevölkerung zu finanzieren. «Das Projekt ist deswegen aber nicht beerdigt», sagt Tobler. «Wir sind weiter am Ball.» Eine Lösung liege aber noch nicht auf dem Tisch. Klar sei, dass sie auf den bestehenden Strukturen aufbauen müsse. Denkbar sei etwa, dass «man gewisse Sachen gemeinsam anpackt», sagt Tobler. Oder dass beispielsweise eine Stadt etwas für alle macht. Wobei schon heute nicht jeder nur für sich schaue. «Unsere Angebote wie die Kurse richten sich immer an die ganze Region», betont Amriswils Stadtpräsident Martin Salvisberg.

Tobler hofft, bis im Winter einen Schritt weiter zu sein. «Ich bin zuversichtlich, dass wir vorwärts kommen.» Nötig sei es auf jeden Fall, hat Tobler an der Veranstaltung am Samstag in Romanshorn vor Augen geführt. Es könne doch nicht sein, dass jemand fünf Jahre brauche, bis er so gut deutsch könne, dass er auch auf dem Arbeitsmarkt eine Chance habe. «Das muss schneller gehen», sagt Tobler.