Der Musikverein erhält Asyl

BISCHOFSZELL. Der Musikverein Kradolf-Schönenberg leidet noch immer unter den Auswirkungen des schweren Unwetters vom 14. Juni. Das Probelokal ist noch immer eine Baustelle, und ein geplantes Fest muss der Verein verschieben. Trotzdem wird geprobt.

Mario Testa
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Vor dem Probelokal des Musikvereins Kradolf-Schönenberg stapelten sich am Tag nach dem Unwetter die verdreckten und zerstörten Instrumente. (Bild: Mario Testa)

Vor dem Probelokal des Musikvereins Kradolf-Schönenberg stapelten sich am Tag nach dem Unwetter die verdreckten und zerstörten Instrumente. (Bild: Mario Testa)

«Am Freitag wäre unsere traditionelle Fyrobigbar eingeplant gewesen», sagt Sybille Roth, Präsidentin des Musikvereins Kradolf-Schönenberg. Doch der Verein hat vorläufig nichts zu feiern, das Fest wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

Noch immer plagen den MVKS die Nachwehen des Unwetters vom 14. Juni. Eine Wassersäule von fast eineinhalb Metern stand damals am nächsten Morgen im Probelokal des MVKS, gemischt mit Unmengen Schlamm. Der Raum befindet sich im Untergeschoss des alten Feuerwehrdepots an der Bahnhofstrasse. «Der Raum gehört der Gemeinde Kradolf-Schönenberg, sie stellt ihn uns als Probelokal schon seit bald vier Jahrzehnten zur Verfügung», sagt Roth. «Der Gedanke zurück an das Bild der Zerstörung bewegt mich noch heute.»

Die Kesselpauken sind Schrott

Dank der Mithilfe vieler Vereinsmitglieder war das Probelokal nach dem Unwetter bald wieder vom Schlamm befreit, gegen 100 Arbeitsstunden fielen an. Was blieb, war der angerichtete Schaden. «Unsere Schadenssumme beläuft sich auf über 100 000 Franken. Und etwas Sorgen macht mir, dass wir noch immer keine definitive Zusage der Versicherung erhalten haben», sagt Sybille Roth. Viele Instrumente wurden vom Schlamm zerstört: Kesselpauken, das Marimbaphon, das Schlagzeug. Dazu kamen die Notensätze und das Archiv des Vereins. «Der finanzielle Verlust ist das eine, die zerstörten Dokumente das andere.»

Die Präsidentin des Musikvereins will sich jedoch nicht beklagen. «Andere hat es in Kradolf bei jenem Unwetter noch viel härter getroffen», sagt sie. «Der grosse Unterschied ist einfach, dass wir als Verein betroffen sind. Es ist nicht unser privates Eigentum zerstört worden, sondern das des Vereins.» Seit dem Unwetter hat der Verein eine Zwangspause eingelegt. Marschmusik konnten die rund 40 Mitglieder noch proben, alles andere ging nicht mehr. Zum Glück kam mit den Sommerferien eine ruhige Zeit auf die Mitglieder zu, nun sollte der Probebetrieb jedoch wieder beginnen. Dank der Hilfe der Primarschule Schönenberg-Kradolf geht das auch. «Wir dürfen vorübergehend auf der Bühne der Mehrzweckhalle proben.»

Zeitpunkt der Rückkehr ist offen

Wann es mit der Renovation so weit ist, kann die Vereinspräsidentin nicht sagen. «Das Gebäude muss zuerst austrocknen, im Untergrund ist es immer noch sehr nass. Das hat eine Probebohrung ergeben.» Sie hoffe, dass nach den Herbstferien das renovierte Probelokal wieder bezogen werden könne. «Dann wollen wir auch gern unsere Fyrobigbar nachholen und sie mit einer Art Einweihungsfeier verbinden.»