Der Lohn des Trainings

Ein ganzes Jahr trainierten die Romanshorner Brigitte und Harald Senn, um vom 3. bis 5. Juli beim Gigathlon dabei sein zu können. Die Ausdauersportler über ihr intensives Training und die besondere Stimmung bei dieser Herausforderung.

Stefanie Müller
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Im Ziel: Brigitte und Harald Senn bei ihrem ersten Gigathlon als Zweierteam im 2007. (Bild: zVg)

Im Ziel: Brigitte und Harald Senn bei ihrem ersten Gigathlon als Zweierteam im 2007. (Bild: zVg)

«Der Gigathlon ist etwas Spezielles», so Harald Senn. Denn für die Mehrheit stehe das Mitmachen im Vordergrund und nicht das Siegen. Seine Frau Brigitte sieht es ähnlich: «Es ist wie eine grosse Gigathlonfamilie. Man wartet aufeinander und geht miteinander weiter.»

«Die Stimmung war genial»

Angefangen hat alles vor vier Jahren, als Harald Senn von seinen Kollegen gefragt wurde, ob er nicht bei einem Gigathlon mitmachen wolle. Damals sei er noch in einem Team gestartet.

Die fünf Disziplinen Laufen, Rennvelo, Mountainbike, Schwimmen und Inlinefahren, verteilten sich so auf fünf Leute. «Meine Disziplin war das Schwimmen», so das ehemalige Mitglied der Schweizerischen Nationalmannschaft der Schwimmer. Seine Frau Brigitte war damals als Begleiterin dabei. Die Atmosphäre beeindruckte sie: «Die Stimmung war genial.» Vor zwei Jahren entschieden sich die beiden schliesslich, als Zweierteam zu starten.

Niemals Aufgeben

«Ich habe für den Gigathlon sogar Inlinefahren gelernt», sagt Harald Senn. Die fünf Disziplinen verteilen sich nun auf zwei Personen. Harald Senn startete weiterhin als Schwimmer, aber jetzt fuhr er auch Rennvelo und Inline. Seine Frau trug sich als Läuferin und Mountainbikerin ein. Der Gigathlon dauerte damals eine Woche und das Wetter schien nicht auf der Seite der Sportler zu sein. «An zwei Tagen hatten wir mit übelsten Bedingungen zu kämpfen. Es regnete die ganze Zeit», erzählt Brigitte Senn.

«Nach zwei Stunden Laufen stand die Mountain Bike-Strecke bevor. Es regnete, der Schlamm machte die Sache auch nicht einfacher, und es wurde schon langsam dunkel. Ich habe mich zwischendurch schon gefragt, warum ich mir das hier eigentlich antue.» Doch ans Aufgeben habe sie nie gedacht. «Unvorbereitet würde ich nie an einen solchen Anlass gehen», meint Brigitte Senn. Die Herausforderung dürfe keine Qual sein, sondern müsse Freude machen.

Ausgleich zum Alltag

Ihr wöchentliches, polysportives Training umfasst zehn bis zwölf Stunden. «Ich halte mich dabei an einen fixen Trainingsplan, den mir eine ehemalige Triathletin aufgestellt hat», erklärt sie. Morgens, wenn die beiden Kinder in der Schule sind, geht sie bei Wind und Wetter trainieren. «Sie geht auch im Winter bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt raus und rennt zwei Stunden», so Harald Senn über die Disziplin seiner Frau.

Brigitte Senn ist froh um den Ausgleich: «Ich kann dabei abschalten und meine ganze Energie rauslassen. Es macht mich gelassener und zufriedener.» Das Training sei zeitintensiv und nicht immer einfach in den Familienalltag zu integrieren. Am Sonntag sei Ruhetag: «Der ist dann wirklich für die Familie», betont Brigitte Senn.

«Eine Krise ist völlig normal»

Harald Senn ist erst kürzlich eine Etappe mit dem Rennvelo abgefahren. «Die ist nicht zu unterschätzen», meint er.

Auch er absolviert drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche und fährt bei schönem Wetter die 36 Kilometer mit dem Velo zur Arbeit. «Es ist wichtig, sich mit der Strecke im Vorfeld zu beschäftigen.»

Bei sieben bis acht Stunden Dauerleistung pro Tag müsse man sich bewusst sein, dass es Durchhänger geben könne: «Eine Krise ist völlig normal», sagt er.

Daher sei es wichtig, dass man auf seinen Körper achte und sich während des Wettkampfs bewusst verpflege, sich aber auch richtig verhalte. «Die Verantwortung sollte bei jedem einzelnen liegen.» Es sei in früheren Wettkämpfen zu Situationen gekommen, wo die Organisatoren erschöpfte Teilnehmer aus dem Wasser nehmen mussten.

Spannung steigt

«Bis jetzt war die Vorbereitung gut», so Harald Senn. Doch so kurz vor dem Wettkampf steige die Spannung an. «Bei uns ist das Ziel, einfach anzukommen», meint er weiter. Brigitte Senn fügt hinzu: «Der Wettkampf ist so etwas wie der Lohn des Trainings. Ich habe Hühnerhaut, wenn ich im Ziel angekommen bin.» Auch für Harald Senn steht fest: «Es gibt einem eine gewisse Befriedigung, etwas erreicht zu haben, was einen fordert.»

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