Der Lieblingsbach der Weinfelder

WEINFELDEN. Der Giessen gehört zum Dorf wie das Sonnensegel auf dem Marktplatz. Immer wieder tauchen Vorschläge auf, wie man das Bachbett attraktiver gestalten könnte. Der Gemeinderat winkt jetzt aber ab – wenn auch nur teilweise.

Esther Simon
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Der Giessen muss in dicht besiedeltem Gebiet in einem engen Korsett fliessen: Hier auf dem Weg von der Rathaus- zur Bahnhofstrasse in Weinfelden. (Archivbild: Nana do Carmo)

Der Giessen muss in dicht besiedeltem Gebiet in einem engen Korsett fliessen: Hier auf dem Weg von der Rathaus- zur Bahnhofstrasse in Weinfelden. (Archivbild: Nana do Carmo)

Führt der Giessen fast kein Wasser, blicken die Weinfelder mit Sorge in das Bachbett. Kommt er hoch daher, sind die Blicke ebenso sorgenvoll. Kurzum: Der Giessen beschäftigt die Weinfelder immer in irgend einer Weise. Ausdruck dieses Interesses ist die Motion, die Peter Büchel, CVP, am 14. März im Weinfelder Gemeindeparlament eingereicht hat.

Vor 70 Jahren verbaut

Büchel und weitere 25 Parlamentarierinnen und Parlamentarier beauftragten den Gemeinderat, im Bereich des Bachlaufes – von der Brücke Amriswilerstrasse im Osten von Weinfelden bis zum Ende des Betonbettes bei der Denipro – ein Gesamtprojekt «Neugestaltung Giessen» zu erarbeiten. Büchel argumentiert unter anderem, dass der Bach stellenweise vor über 70 Jahren verbaut worden sei und es demnach an der Zeit wäre, zukunftsgerichtet neue Möglichkeiten und Visionen zu suchen.

Gemeinderat hat eine Vision

Der Gemeinderat hat den parlamentarischen Vorstoss nun beantwortet, obschon er bezweifelt, dass er per Motion zur Ausarbeitung eines Projektes verpflichtet werden könnte (siehe Kasten). Wie Büchel und die Mitunterzeichner, habe auch der Gemeinderat die Vision einer durchgängigen Verbindung für den Langsamverkehr entlang des Giessen. Die Vision sei im Verkehrsrichtplan bereits festgeschrieben, betont der Gemeinderat. Der überdeckte Bereich ab der Felsenstrasse bis nach der Rathausstrasse sei aber als unabänderlich zu betrachten. Es sei unbestritten, dass der Giessen im Bereich zwischen der Amriswilerstrasse im Osten und der Dunantstrasse im Westen kein naturnahes Gewässer sei. Ebenso sei unbestritten, dass einzelne Abschnitte des Bachlaufes unter anderem bezüglich der Gestaltung Verbesserungspotenzial aufweisen. Klar sei aber auch, dass allfällige Verbesserungen nicht alle Abschnitte dieses Fliessgewässers umfassen könnten, zumal Abschnitte im Osten wie im Westen bereits in gutem Zustand seien. Der Gemeinderat betont, dass eine vollständige Umgestaltung und/oder Renaturierung des Giessen Millionen kosten würden. «Solche Aufwendungen müssten über Jahre verteilt werden», schreibt Gemeindeschreiber Reto Marty in der Botschaft. Dazu komme, dass derzeit nicht absehbar sei, welche Folgen die Gefahrenkarte des Kantons mit sich bringen wird. Auch liege die Festlegung der Gewässerräume noch nicht vor. Der Gewässerraum sei eine zentrale Grundlage für künftige Baumassnahmen an Fliessgewässern und eine wichtige Variable bei Planungen. Eine Projektausarbeitung sei deshalb ohnehin zu früh. Der Gemeinderat lehnt den Inhalt der Motion ab.

Projekt in Legislaturzielen

Doch der Gemeinderat ist weit davon entfernt, die Türen zuzuschlagen: Die Grundlagen für eine Konzepterarbeitung zumindest für den Osten von Weinfelden will er jetzt schaffen, indem er das Projekt in den aktuellen Entwürfen für die Legislaturziele und den Voranschlag 2016 festschreibt. Und er will die Möglichkeiten der Renaturierung und/oder Neugestaltung des Giessen innerhalb des bebauten Gebietes unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes überprüfen.

Weiterhin Hochwasserrisiko

Hochwasserrisiken würden weiterhin bestehen, schreibt der Gemeinderat. «So lange aber die Unsicherheiten aus der Gefahrenkarte nicht ausgeräumt sind, wird jedes Projekt mit Mängeln behaftet sein.» Somit fehle eine wichtige Grundlage, um die Erarbeitung eines Gesamtprojektes überhaupt in Angriff nehmen zu können.