«Der Laden muss ja weiterlaufen»

SALENSTEIN. Eine Findungskommission will den Salensteiner Gemeindeammann Roland Streit ersetzen. Nüchtern und sachlich nimmt es dieser zur Kenntnis. Er ist überzeugt von der Qualität seiner Arbeit und glaubt an seine Wiederwahl.

Urs Brüschweiler
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Gemeindeammann Roland Streit möchte weitere vier Jahre in der Gemeinde Salenstein wirken. (Bild: Nana do Carmo)

Gemeindeammann Roland Streit möchte weitere vier Jahre in der Gemeinde Salenstein wirken. (Bild: Nana do Carmo)

Aus dem Tritt gerät Roland Streit wegen einer Gegenkandidatur nicht. Der Salensteiner Gemeindeammann betrachtet die Angelegenheit so sachlich wie möglich. «Persönliches und Emotionen muss man ausblenden können, es sind nur die Fakten, die zählen», sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Die schwierige Situation noch zusätzlich anheizen, liegt ihm fern.

Am Montagabend hatte eine Findungskommission Kandidaturen für die Gesamterneuerungswahl des Salensteiner Gemeinderats am 8. März vorgestellt. Anstatt ihn, den amtierenden, portiert die Gruppe den heutigen Vizeammann Roland Nothhelfer als neues Gemeindeoberhaupt. Dass nicht überall im Dorf eitel Sonnenschein herrscht, war für Streit schon klar. «Dass da etwas los ist, merkte man seit der Gründung der Gruppe <Zukunft mit Mass> vor gut zwei Jahren. Da traten die sogenannten unzufriedenen Bürger erstmals ans Tageslicht.»

Gegner sind keine Mehrheit

Diese bildeten aber keine Mehrheit, ist der 53-Jährige überzeugt. «Es gibt in der Gemeinde drei Gruppen: die Unzufriedenen, die Zufriedenen bis Begeisterten – jeweils aus unterschiedlichen Gründen – und noch die grosse Masse, welche sich gar nicht mit Politik beschäftigt.»

Aus der Privatwirtschaft

Roland Streit war bis zu seiner Wahl als Gemeindeammann vor vier Jahren voll in der Industrie engagiert, als Maschinenbauer und Fabrikplaner. Bevor er zum Wohnen nach Salenstein kam, arbeitete er auch mal vier Jahre in Hongkong für Müller Martini. Es war Alt-Gemeindeammann Peter Forster, der ihn überredete, der Privatwirtschaft den Rücken zu kehren und seine Nachfolge anzutreten. Nach dessen 32 Amtsjahren habe er eben auch einiges an Veränderung gebracht, erklärt Streit, abgesehen davon, dass er bereits mit seiner «Züri-Schnurre» bei einigen aneckte. «Ich bin ein anderer Typ, eine andere Generation und habe einen anderen Führungsstil. Damit haben einige vielleicht etwas Mühe.» Als Chef trage er die Verantwortung und müsse letztendlich ja auch immer den Kopf hinhalten. Also wolle er auch Bescheid wissen und nehme Einblick in die Ressorts. Wenn seine «Gegner» dies als Einmischung taxierten, empfinde er das als nicht gerecht. «Ich bin kein Kontrollfreak. Ich will wissen, was läuft, das macht einen guten Chef aus.»

Man wollte ja einen wie ihn

Er stelle hohe Qualitätsansprüche an sich und an andere. «Das war ja der Grund, weswegen man mich wollte.» Den Vorwurf, dass er öfters Androhungen mache und den Anwalt beiziehe, kann der Gemeindeammann nicht nachvollziehen. «Ich bin halt keiner, der bei Entscheidungen aus der Hüfte schiesst. Ich bevorzuge den korrekten, schriftlichen Weg, der auf gründlichen Analysen und rationalen Überlegungen beruht. Es sind einzig die Fakten, die zählen.» Bei Bauangelegenheiten laufe in Salenstein praktisch alles über den Anwalt. Darum sei dieser auch bei Gesprächen dabei. «Es bringt ja nichts, wenn Laien diskutieren und im Nachhinein abklären müssen, ob die Dinge überhaupt rechtens sind. Es ist einfacher, wenn der Anwalt gleich mit am Tisch sitzt und klipp und klar sagt, was Sache ist.» Das müsse man nicht als feindliches Gebaren auffassen. Er kommuniziere viel, sagt Streit. «Viele Leute sagen, sie hätten noch nie so viele Informationen erhalten, wie jetzt.» Seit er im Amt sei, gebe es auch x-mal mehr Einbezug der Bürger. Alle Vorwürfe an ihn seien widerlegbar oder dann nur schwer greifbar. «Das vergiftete Klima im Dorf müsste nicht sein.»

Wahlchancen sind gut

Roland Streit lässt sich von der Opposition nicht entmutigen. «Einige haben schon zu mir gesagt: <Gell, wörfsch dä Bettel aber nöd ane>. Andere wollen mich weghaben. Vorerst bin ich bis am 31. Mai gewählt und die Gemeinde erwartet, dass der Laden weiterläuft.» Für ihn sei es auch kein Problem, bis dahin im offensichtlich gespaltenen Gemeinderat weiterzuarbeiten. «Wenn ich wiedergewählt werde, mache ich weiter, sonst gehe ich halt. Das Volk wird entscheiden.» Aber bis zum 8. März werde noch viel passieren. Streit glaubt fest an seine Wiederwahl.

Nicht so einfach, wie es aussieht

Einen Konter fährt der Gemeindeammann dennoch. «Solche Aktionen schaden nur. Und die Leute stehen für diesen Schaden nicht gerade. Nein, es ist immer der Gemeindeammann schuld», stellt er fest. Dennoch halte er sich weiterhin eisern an seine Schweigepflicht, auch wenn es viel Interessantes zu berichten gäbe. Alle neuen Kandidaten für den Gemeinderat hätten eine Vorgeschichte mit ihm und verschiedene Hintergründe, meint er vielsagend, und gibt ihnen mit auf den Weg: «Die Arbeit im Gemeinderat ist nicht so einfach, wie sie aussieht.»